Besprechung zur Lage: Eintracht-Chefcoach Niko Kovac und seine Co-Trainer, Bruder Robert und Armin Reutershahn (von rechts).
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Besprechung zur Lage: Eintracht-Chefcoach Niko Kovac und seine Co-Trainer, Bruder Robert und Armin Reutershahn (von rechts).

Eintracht Frankfurt

Rätselraten über die vielen Krankheitsfälle

  • VonPeppi Schmitt
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Der Einsatz von Jesus Vallejo gegen Leverkusen ist fraglich. Holt die Eintracht jetzt noch einen vertragslosen Profi?

Das äußere Zeichen war nur eine Petitesse, doch die zugrunde liegenden Fakten sind schon ein Alarmzeichen. Ein paar Stunden vor dem angesetzten neuen Termin, bei dem die Frankfurter Eintracht am Dienstagmittag endlich ihr neu zusammengestelltes Team auf einem gemeinsamen Foto präsentieren wollte, wurde das Shooting wieder abgesagt. Der Grund war ganz einfach: Zu viele Spieler hätten aus Krankheits- oder Verletzungsgründen wieder gefehlt. Neben jenen Fußball-Profis, die sowieso lange ausfallen wie Marco Russ (Krebserkrankung), Marc Stendera (Reha nach Kreuzbandriss) und seit einer Operation am Dienstag auch Guillermo Varela (Riss der Deltasehne im Sprunggelenk), konnten auch Jesus Vallejo, Shani Tarashaj, Danny Blum und Slobodan Medojevic nicht trainieren. „Es ist schon ein bisschen merkwürdig, dass wir so ein Pech haben“, sagte Trainer Niko Kovac, „das war ja letzte Saison schon so.“

Gegen Spielverletzungen wie sie Stendera oder jetzt gerade in Darmstadt Varela ereilt haben, ist kein Kraut gewachsen. Aber die vielen Erkrankungen nerven den Trainer und machen ihn zunehmend nachdenklich. „Vielleicht müssen wir einen Detektiv schicken, vielleicht stimmt ja in der Kabine etwas nicht“, sagt er, „oder die Jungs sind fahrlässig, föhnen ihre Haare nicht oder haben Probleme mit Klimaanlagen.“ Die Hauptverantwortung liege bei den Spielern. „Sie sind Profis und müssen zusehen, dass sie gesund sind“, sagt der Eintracht-Trainer.

In jedem Fall ist die Situation schon nach dem zweiten Bundesligaspieltag angespannt. Der Spanier Vallejo, der gerade sein erstes fast komplettes Spiel für die Eintracht durchgestanden hat, droht nun am Samstag gegen Bayer 04 Leverkusen schon wieder auszufallen. Der Innenverteidiger lag am Dienstag mit Schüttelfrost und Fieber im Bett. Danny Blum, in Darmstadt eingewechselt, hat eine Magen-Darm-Grippe erwischt. Und der Einstand des letzten Neuzugangs Tarashaj verzögert sich weiter. Der Schweizer Nationalspieler ist zwar in Frankfurt eingetroffen, „doch jetzt stimmen seine Blutwerte nicht“, wie der Trainer berichtete.

Mittelfeldspieler Medojevic, der nach langer Pause wegen einer Achillessehnenoperation nach nur einer Trainingswoche in Darmstadt überraschend schon auf der Bank gesessen hatte, muss schon wieder eine Pause einlegen. „Das rechte Knie hat auf die intensive Belastung reagiert“, erklärte Kovac, „es macht keinen Sinn, ihn mit schmerzstillenden Medikamenten trainieren zu lassen.“ Also muss der Serbe erst einmal wieder für ein paar Tage in die Reha zurück.

Und die Frankfurter Verantwortlichen müssen überlegen, ob das Risiko, mit nur fünf, sechs Abwehrspielern die ganze Vorrunde zu bestreiten, nicht vielleicht doch zu groß ist. Sogenannte „arbeitslose“ Profis dürfen ja auch nach Ende der sommerlichen Transferperiode verpflichtet werden.

Und genau darüber denken sie nun nach in der Chefetage. „Wir müssen gründlich überlegen, was wir tun“, gibt Kovac zu. Als Beispiel könnte unter anderen der ehemalige Schalker Felipe Santana geholt werden. Kurzfristig aber hofft der Eintracht-Coach, dass zumindest Vallejo bis Samstag fit werden wird. Fällt der Spanier aus, müsste Timothy Chandler innen spielen, Yanni Regäsel, der wie Haris Seferovic und Ante Rebic gerade erst wegen einer kleineren Schwächeperiode kürzer getreten war, käme neu in die Mannschaft. Auf der Bank würde dann kein einziger gelernter Abwehrspieler mehr sitzen. Michael Hector ist ja noch für ein Spiel gesperrt. „Dann müssten wir uns was zurechtschnitzen“, formuliert Kovac blumig. Vor der ersten „englischen Woche“, schon am Dienstag geht es nach Ingolstadt, dann kommt Hertha, hat sich die Lage bei der Eintracht also zugespitzt. „Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt Kovac, „und das werden wir tun.“

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