Eintracht Frankfurt

Die "Regenbogenadler" sind der einzige schwul-lesbische Eintracht-Fanclub

Seit Sommer 2013 hat die Frankfurter Eintracht einen schwul-lesbischen Fanclub, die es mittlerweile an den meisten Bundesliga-Standorten gibt. Die „Regenbogenadler“ haben ihren Platz in der Frankfurter Szene gefunden.

Von Kindesbeinen an ist Stefan Spengler Eintracht-Fan. Mit seinem Vater, seinem Bruder und Freunden pilgerte der heute 40-Jährige regelmäßig ins alte Waldstadion, erlebte große Triumphe und große Krisen. In einem Fanclub war der gebürtige Frankfurter aber nie organisiert. Bis Juli 2013, dann gründete er mit einer handvoll Mitstreiter einen eigenen Verein: den EFC „Regenbogenadler“, der erste und einzige schwul-lesbische Fanclub der Adlerträger. 50 Mitglieder zählen heute zu den Regenbogenadlern, die in der Frankfurter Fanszene akzeptiert sind.

„Die Szene ist generell sehr offen, weil die Stadt generell sehr offen ist. Anfeindungen habe ich noch nie erlebt“, sagt Spengler, der enge Kontakte zur Fan- und Förderabteilung pflegt und sich an Projekten sowie Aktionen beteiligt. In Sendungen des Fansenders „Radio Fanomania“ trat er bereits auf und stand schon auf der Waldbühne an der Commerzbank-Arena, wo Eintracht-Fans an Spieltagen mit einem launigen Programm auf den nächsten Gegner eingestimmt werden. Spengler nutzte den großen Rahmen, um sich für jene Themen stark zu machen, die den „Regenbogenadlern“ wichtig sind. Sie verstehen sich als Öffentlichkeitsarbeiter, wollen das Bild von lesbischen, schwulen, bisexuellen und transidenten Sportlern aktiv mitgestalten – und vor allem stärken.

Dafür beteiligen sich die Mitglieder nicht nur am Christopher Street Day, sondern setzen sich auch auf Podiumsdiskussionen und in Schulen für eine tolerantere Gesellschaft ein. Für eine Gesellschaft, die sich nach dem Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger Anfang 2014 zum Positiven verändert habe. „Gerade in Sportvereinen und Fanszenen hat meines Erachtens ein Umdenken stattgefunden“, meint Spengler und schiebt nach: „In Ostdeutschland haben schwul-lesbische Fanclubs zwar weiterhin einen schweren Stand, aber in den meisten Regionen hierzulande sind sie ein fester Bestandteil der Fankultur.“ Spengler und seine Kumpanen pflegen enge Kontakte zu anderen schwul-lesbische Fanclubs, die sich in Deutschland Anfang der 2000er-Jahre verbreiteten. Die Vorreiter waren Hertha BSV Berlin und der VfB Stuttgart, ehe es zwischen 2005 und 2010 einen kleinen Boom gab. Heute hat fast jeder Bundesliga-Standort einen schwul-lesbische Fanclub – nur in Hoffenheim und Wolfsburg gibt es noch keinen. Erst im vergangenen Jahr stießen Leipzig und Augsburg hinzu.

Einige von ihnen werden an diesem Wochenende in Frankfurt erwartet, wo erstmals die Frühjahrs-Arbeitstagung der Queer Football Fanclubs (QFF) ist. 40 schwul-lesbische Fans aus 14 Fanclubs haben ihr Kommen zugesagt. Auf dem Programm steht nicht nur eine gemeinsame Stadtführung, sondern auch sechs Workshops. Neben der Rolle von Frauen im Fußball geht es unter anderem um die Zusammenarbeit mit Verbänden und Ultra-Szenen.

Gäste aus Europa

Anhänger des FC Bayern München, VfB Stuttgart und 1. FC Kaiserslautern werden genauso erwartet wie Fans aus der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien. Auch auf der Insel habe es eine erfreuliche Entwicklung gegeben. „Dort setzt man sich sehr offen mit dem Thema Homophobie auseinander“, erläutert Spengler, dessen Fanclub sich nach der Gründung vor mehr als viereinhalb Jahren schnell einen Namen gemacht hat. Der Hessische Rundfunk berichtete über die „Regenbogenadler“, deren Mitglieder überwiegend aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen. „Wir haben aber auch einige Mitglieder aus anderen Bundesländern und sogar der Schweiz“, berichtet Spengler.

Selten kommt es daher vor, dass alle 50 Mitglieder etwas zusammen unternehmen. „Einige von uns besuchen immer gemeinsam die Heimspiele der Eintracht, allerdings sitzen wir getrennt“, sagt Spengler und fährt fort: „Mehrere Plätze nebeneinander mit Dauerkarten zu bekommen, ist unmöglich.“ Anderes ist im Umfeld des fußballerischen Aushängeschilds Hessens weniger problematisch.

Als die „Regenbogenadler“ im Sommer 2014 nach einem Probejahr zum EFC-Fanclub ernannt wurden, bekamen sie nicht nur eine Urkunde überreicht, sondern auch viele freundliche Worte mit auf den Weg: „Uns wurde oft gesagt, dass man sich sehr freue, dass es uns gibt“, erzählt Spengler und ergänzt: „Die Eintracht unterstützt uns sehr. Dass wir zu der Frühjahrs-Arbeitstagung laden können, liegt auch an der Eintracht.“

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