Alexander Meier jubelt: Die Eintracht startet stark in die Saison.
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Alexander Meier jubelt: Die Eintracht startet stark in die Saison.

Eintracht Frankfurt

"Riesenerleichterung" über Topleistung - auch bei Hübner

Als die Hitzeschlacht ein erfolgreiches Ende gefunden hatte, setzte Niko Kovac noch einmal eine kleine Spitze. „So wächst eine Mannschaft zusammen“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht also nach einem stimmungsvollen Samstagnachmittag und schob mit einem leichten Grinsen nach: „Trotz der vielen Sprachen.“ Der neue Frankfurter Weg mit vielen jungen, unerfahrenen Spielern aus aller Herren Länder war im Umfeld bei der großen Rundererneuerung des Fußball-Bundesligisten ja nicht ganz ohne Skepsis verfolgt worden. Als es aber zum ersten Mal ernst wurde im Ligabetrieb, trat diese Multi-Kulti-Eintracht auf, als würde man sich schon seit Jahren die Bälle zuschieben – und darüber hinaus kämpfte auch einer für den anderen, bis zum fast schon unverhofft glücklichen Ausgang: Das 1:0 (1:0) gegen die stolzen Champions-League-Anwärter von Schalke 04 war nicht unbedingt zu erwarten gewesen.

Als die Hitzeschlacht ein erfolgreiches Ende gefunden hatte, setzte Niko Kovac noch einmal eine kleine Spitze. „So wächst eine Mannschaft zusammen“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht also nach einem stimmungsvollen Samstagnachmittag und schob mit einem leichten Grinsen nach: „Trotz der vielen Sprachen.“ Der neue Frankfurter Weg mit vielen jungen, unerfahrenen Spielern aus aller Herren Länder war im Umfeld bei der großen Rundererneuerung des Fußball-Bundesligisten ja nicht ganz ohne Skepsis verfolgt worden. Als es aber zum ersten Mal ernst wurde im Ligabetrieb, trat diese Multi-Kulti-Eintracht auf, als würde man sich schon seit Jahren die Bälle zuschieben – und darüber hinaus kämpfte auch einer für den anderen, bis zum fast schon unverhofft glücklichen Ausgang: Das 1:0 (1:0) gegen die stolzen Champions-League-Anwärter von Schalke 04 war nicht unbedingt zu erwarten gewesen.

„Das war eine absolute Top-Mannschaftsleistung“, schwärmte Kovac. „Die Jungs haben bei dieser Hitze von der ersten bis zur letzten Minute so viele Meter gemacht. Das war außerordentlich stark.“ Und er ließ einige Steine von Frankfurter Herzen purzeln. „Selbst wir Verantwortliche wussten nicht, wo die Mannschaft wirklich steht“, räumte Sportdirektor Bruno Hübner ein. Umso größer war die „Riesenerleichterung“, von der Kapitän Alexander Meier hinterher sprach.

Mit seinem entscheidenden Treffer schon in der 13. Minute war er selbst gleich schon wieder der Torschütze des Tages. Schon fast vergessen war plötzlich die Fast-Blamage im DFB-Pokal eine Woche zuvor beim Drittligisten 1. FC Magdeburg, als erst das Elfmeterschießen die Rettung war. „Das haben wir abgearbeitet. Pokal ist Pokal, Bundesliga ist was anderes“, erklärte Kovac. Tatsächlich war es eine völlig andere Mannschaft, die am Samstag in Frankfurt zu sehen war – obwohl der Trainer zu diesem Hitzetest bei über 40 Grad fast die gleiche Elf wie in Magdeburg aufgeboten hatte. Mit Mut und Angriffslust überrannten die Frankfurter seltsam überforderte Schalker in den ersten 20 Minuten, hatten Chancen im Minutentakt – und belohnten sich durch Meiers Tor auch früh für diesen mitreißenden Start. Der auch die Zuschauer begeisterte, die wie eine Wand hinter dieser neuen Eintracht standen.

Der Stehplatzblock 40 musste leer bleiben, trotzdem konnten sich Spieler von einer herausragenden Stimmung tragen lassen (lesen Sie dazu auch den gesonderten Artikel auf dieser Seite) – und so war es nicht nur in fußballerischer Hinsicht ein gelungener Bundesliga-Auftakt für die Eintracht. „Ohne die Zuschauer wäre das nicht möglich gewesen“, betonte der Trainer. Er durfte aber auch mit sich selbst zufrieden sein: Seine Taktik ging voll auf. Schalke, das mit dem neuen Trainer Markus Weinzierl und dem neuen Manager Christian Heidel selbst zu gern einen gelungenen Neustart gefeiert hätte, hatte wohl einen eher defensiven Gegner erwartet – und wurde überrumpelt. Zudem nutzte die Eintracht eine gewisse Unbeweglichkeit im königsblauen Abwehrzentrum. „Das haben wir richtig studiert“, lobte Kovac auch sich selbst ein wenig.

„Wir wollten versuchen, viel Ballbesitz zu haben, um bei der Hitze nicht zu viel laufen zu müssen“, erklärte Meier wiederum. Auch dieser Kovac-Plan wurde von den Spielern gut umgesetzt. Im ersten Sturm und Drang überzeugte die Eintracht nicht zuletzt durch Kombinationskunst, später dann vor allem mit unbändigem Kampfgeist. Gerade in der zweiten Halbzeit zog sie sich weiter zurück, hielt aber kräftig dagegen. „Bei so einer Hitze kannst du nicht immer drauf gehen. Du musst dann auch mal gut stehen, und das haben wir gemacht“, meinte Meier.

Er selbst hätte für mehr Ruhe sorgen können, verschoss aber einen von Mijat Gacinovic erdribbelten Elfmeter ganz schwach (68.). Und dann wurde es noch einmal spannend: Der bis dahin aufmerksame Innenverteidiger Michael Hector sah nach einer Notbremse gegen Klaas-Jan Huntelaar „Rot“. Bitter für ihn: In seinem zweiten Eintracht-Spiel erlebte er damit seinen zweiten Platzverweis (siehe Extra-Artikel). Und fast wäre der ganze Aufwand nicht belohnt worden: Mit einer prächtigen Parade aber rettete der wieder überragende Schlussmann Lukas Hradecky nach dem folgenden Freistoß gegen Huntelaar.

So stand am Ende der verdiente Lohn für eine geschlossene Mannschaftsleistung, zu der auch die Neuzugänge beitrugen: Hector trotz des Platzverweises in der Abwehr, Guillermo Varela solide auf der rechten Abwehrseite, Omar Mascarell mit Übersicht im Mittelfeld, Stürmer Branimir Hrgota mit viel Ballgefühl und Torgefahr und in der Spitze. Sinnbildlich für den Frankfurter Auftritt waren obendrein die Spurts des eingewechselten Timothy Chandler in diesem „Glutofen“, wie Sportvorstand Fredi Bobic bezeichnete. „Diese Leidenschaft muss charakteristisch für uns werden“, sagte Kovac, Bobic ergänzte: „Wir müssen über die Mentalität kommen, Mannschaften, die auf dem Papier mehr Qualität haben, zu bezwingen.“

Er freute sich vor allem über ein „gutes Gefühl für die Jungs, nach der quälend langen Vorbereitung und einer Pokalrunde, bei der alle Bundesligisten nur froh waren, wenn sie durchgekommen sind“. So ein Start tue gut, meinte Bobic, nicht ohne warnend anzufügen: „Aber Darmstadt wird schon wieder ein ganz anderes Spiel. In der Bundesliga ist jedes Spiel ein Kampf, um man muss den Kampf immer wieder annehmen, um Siege wie diese zu erzwingen.“

Dieser Start freilich macht erst einmal Hoffnung, nach dem Fast-Abstieg, nach den vielen Fragezeichen des Sommers, nach der von Fan-Ausschreitungen überschatteten Fast-Blamage von Magdeburg. „Das“, schloss Fredi Bobic, „ist ein schöner Tag für Eintracht Frankfurt.“

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