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Eine Auswechslung, die gestern Abend im Stadion der Frankfurter Eintracht für Gänsehaut-Momente sorgte: Marco Russ (links) kommt für den jungen Aymen Barkok ins Spiel.

Eintracht Frankfurt

Die Rückkehr von Marco Russ sorgt für Gänsehautmomente

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Der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Aber im Mittelpunkt stand am Ende das Comeback von Marco Russ.

Am Ende des Spiels war gerade noch Zeit für eine rührende Schlusspointe. Die 90 Minuten waren abgelaufen, eine dreiminütige Zugabe hatte bereits begonnen, als der junge Aymen Barkok vom Rasen trottete und Marco Russ für ihn ins Spiel kam – unter dem tosenden Jubel der Anhänger und lauten Sprechchören. Erstmals nach 285 Tagen, erstmals seit dem Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg im Mai, erstmals seit seiner tags zuvor erhaltenen Krebsdiagnose, die alle fußballerischen Dramen in den Hintergrund gedrängt hatte, war der Verteidiger wieder für die Frankfurter Eintracht im Einsatz. „Das war ein Gänsehautmoment, für ihn, für uns, für alle“, freute sich Kollege Timothy Chandler.

Russ’ Rückkehr war die schönste Randgeschichte des Dienstagabends, und kurz danach konnten die Frankfurter Fans erneut jubeln: Mit dem 1:0 (1:0) gegen Zweitligist Arminia Bielefeld ist die Eintracht vor 39 000 Zuschauern ins Halbfinale des DFB-Pokals vorgedrungen, und das diese Etappe auf dem Weg zum Endspiel in Berlin eine zähe Angelegenheit war, interessierte in der ersten Freude darüber die wenigsten Fans.

„Wir haben schlecht gespielt, aber unser Ziel erreicht“, empfahl Kapitän Alexander Meier, dieses Spiel rasch abzuhaken, bei Niko Kovac klang das ähnlich. „Ich bin froh, dass wir im Halbfinale sind, nachdem wir in der Bundesliga drei Mal verloren und kein Tor geschossen haben“, betonte der Trainer. „Für uns war es wichtig, dass wir nach drei Niederlagen mal wieder gewinnen. Heute haben wir es geschafft.“ Kovac wusste auch, bei wem er sich besonders zu bedanken hatte und hob die „überragende Torwartleistung von Lukas“ hervor. Tatsächlich war Schlussmann Hradecky öfter gefordert, als er das gegen den Drittletzten der Zweiten Liga wohl erwartet hatte. Gegen Andreas Voglsammer (50.) und Christopher Nöthe (85.) vereitelte er beste Ausgleichschancen, und es waren nicht die einzigen Szenen, in denen Gefahr vor ihm aufzog.

Die Verunsicherung des ersten Durchhängers einer bislang sonst so erfolgreichen Saison war der Eintracht anzumerken, dabei half nicht einmal die frühe Führung. Danny Blum, erstmals nach langer Verletzungspause wieder in der ersten Elf, hatte die Hereingabe von Taleb Tawatha nach einem missglückten Bielefelder Rettungsversuch und nur sechs Minuten zum 1:0 genutzt. Nach dem guten Start aber kam die Eintracht aus der Spur. Offenbar hingen ihr die Rückschläge doch nach. Dass Makoto Hasebe (Fieber) und Bastian Oczipka (Knöchelverletzung) kurzfristig ausfielen, machte es nicht leichter. Haris Seferovic stand nach seinem Platzverweis bei Hertha BSC gar nicht im Kader.

Ein paar Alternativen hatte Kovac ja noch: Den beim 0:2 in Berlin auf der Bank verbliebenen Meier und die dort gesperrten Abraham und Mascarell stellte er ebenso in die Startelf wie Blum und Barkok. Insgesamt lief aber bald wenig zusammen, viel zu viele Bälle gingen verloren. Die Arminia, die mit Rechtsverteidiger Michael Görlitz und Ersatzspieler David Ulm zwei Ehemalige vom FSV Frankfurt mitgebracht hatte, kämpfte immerhin wacker. Während die Eintracht immer weiter nachließ wurde und sich nur glücklich schätzen konnte, einen guten Torwart zu haben.

Letztlich aber konnten Kovac und Co. die Gunst der guten Auslosung nutzen – in der Trommel hätten sich für das Viertelfinale gewiss stärkere Gegner gefunden. So steht die Eintracht erstmals seit 2007 wieder im Halbfinale. „Es zählt nur das Weiterkommen, die Art und Weise möchte ich links liegen lassen“, breitete Kovac den Mantel des Schweigens über viele Schwächen aus. Am Sonntag gegen den SC Freiburg gilt es, auch in der Liga den Trend zu wenden – womöglich ohne Hasebe und Oczipka, sicher ohne den dann noch gesperrten Abraham. Erst einmal aber durfte man sich über das Halbfinale am 25. oder 26. April freuen. Und über die Russ-Rückkehr.

Mit Töchterchen Vida auf dem Arm feierte er mit der Mannschaft vor der Fankurve, seine Frau Janina hatte sie ihm auf den Rasen gebracht, mit Tränen in den Augen. Nur Sohn Moses war zu Russ’ Bedauern zu krank dafür. „Für mich war es wichtig, dass alle im Stadion dabei waren, die mich unterstützt haben“, sagte er. Nach dem Abpfiff gegen Nürnberg hatte er mit beiden Kindern an fast gleicher Stelle gestanden, es waren bewegende Bilder. Nun ist die Tumorerkrankung überwunden, Marco Russ zurück auf dem Platz – und ein Kreis geschlossen.

Eintracht Frankfurt: Hradecky – Chandler, Abraham, M. Hector, Tawatha (59. Varela) – Mascarell – D. Blum, Gacinovic, Barkok (90.+2 M. Russ), Rebic (83. Tarashaj) – Meier. – Bielefeld: Hesl – Görlitz, Behrendt, Börner, Schuppan – Salger, Schütz – Hemlein (81. Prietl), Brandy (46. Voglsammer), Nöthe – Klos. – SR: Zwayer (Berlin). – Zuschauer: 39 000. – Tore: 1:0 Blum (6.). – Gelbe Karten: Varela – Schuppan (2), Behrendt (2).

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