1. Startseite
  2. Eintracht

Russ: "Wir haben so viel Angst wie die Fans"

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Markus Katzenbach

Kommentare

Untröstlich: Marco Russ nach dem Abpfiff ? da hilft auch der Zuspruch von Bayers Kießling wenig.
Untröstlich: Marco Russ nach dem Abpfiff ? da hilft auch der Zuspruch von Bayers Kießling wenig. © PATRIK STOLLARZ (AFP)

Der Abstieg rückt immer näher, Marco Russ geht das besonders nahe: „Wir haben genau so viel Angst wie die Fans.“

Dass alles noch schlimmer als befürchtet gekommen war, erfuhr Marco Russ erst, als er vom Rasen stapfte. „Ich habe gerade die ganzen anderen Ergebnisse gesehen. Man schielt ja immer so ein bisschen auf die Tafel oben, aber so ganz kriegt man das doch nicht mit“, berichtete er. Die Nachrichten von den Erfolgen der gesammelten Konkurrenz im Klassenkampf trafen die Eintracht fast noch härter als die eigene Niederlage in Leverkusen, ihr Ersatzkapitän Russ legte den Finger in die Wunde: „Jetzt haben wir die Quittung für das bekommen, für das, was ich seit Wochen sage. Wir können uns nicht nur darauf verlassen, dass die anderen nicht punkten.“

Genau darauf aber sind die Frankfurter Berufsfußballer nun, da der Karren fast gegen die Wand gefahren ist, umso mehr angewiesen, wenn sie doch irgendwie noch die Klasse halten wollen. „Wir können es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, wir müssen hoffen, dass die anderen Mannschaften vor uns Federn lassen“, rechnete Russ. „Damit wir, wenn wir irgendwann mal Punkte holen sollten, aufholen.“ Bei Bayer Leverkusen war das möglich, wieder einmal. Doch am Ende gab es mit dem 0:3 eine Niederlage, die höher ausfiel, als es das Spiel hergab. „Wir spielen mit einer Mannschaft, die um die Champions League kämpft, bis zum Rückstand auf Augenhöhe. Das kann ja auch nicht so schlecht sein“, meinte Russ. „Der einzige Punkt ist: Wir schießen vorne keine Tore, und dann kriegen wir hinten eins. Und dann machen wir auf und werden ausgekontert.“ Schon in der ersten Halbzeit hatte die Eintracht verheißungsvolle Ansätze – doch dabei blieb es dann auch. „Wenn wir ein bisschen cleverer, ein bisschen zielstrebiger sind, laufen wir allein aufs Leverkusener Tor zu“, urteilte er aus der Abwehr heraus. „Aber so ist es halt zu wenig.“

Nun ist schon fast ein Wunder zur Rettung nötig. Besonders viel Glauben daran verbreitete der nach zwei Wochen Pause wegen Oberschenkelproblemen anstelle des nun angeschlagenen Carlos Zambrano zurückgekehrte Innenverteidiger nicht – dafür spricht das Tabellenbild auch eine zu deutliche Sprache.

Wie nahe der schwer drohende Abstieg Russ geht, dem inzwischen auch schon 30 Jahre alten Eintracht-Eigengewächs, wurde nach dem Abpfiff in der Begegnungszone zwischen Fußballern und Fragestellern in der Leverkusener Arena deutlich. „Es ist eine riesig schwere Situation. Wir haben genau so viel Angst wie die Fans“, sagte der sichtlich geschockte Russ, nach einer Niederlage, die in Leverkusen ja fast erwartbar war, aber besonders schwer wog – weil in der Ferne Darmstadt und Hoffenheim, Bremen und Augsburg kräftig Punkte einfuhren.

Was da noch Hoffnung macht? „Auch wenn das absurd klingt: Aber auf der Leistung von heute können wir aufbauen. Wir haben relativ kompakt gespielt“, fand der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen tapfer und zurecht, wusste aber selbst, dass auch das wahrscheinlich nichts mehr helfen wird. „Es muss ja weitergehen“, sagte Marco Russ wiederum, der zu allem Überfluss am Sonntag dann mit einer Mandelentzündung flach lag und gegen Mainz 05 auszufallen droht. Als er in Leverkusen noch bei Stimme war, forderte er: „Wir müssen es die nächsten Spiele irgendwie so hinbiegen, dass wir in Bremen noch ein Endspiel um die Relegation haben.“ Viel spricht im Moment nicht dafür.

(mka)

Auch interessant

Kommentare