Eintracht vs. Mainz

Sandro Schwarz: "Wir werden ein anderes Gesicht zeigen"

Sandro Schwarz ist Ur-Mainzer, wohnt aber in Frankfurt – nicht weit entfernt von der Arena im Stadtwald. Am Samstag (15.30 Uhr) schlägt der Trainer dort mit dem FSV Mainz 05 auf, der gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpft. Im Interview mit Redakteur Daniel Seehuber blickt der 39-Jährige auf das Derby und spricht über die Lage in Mainz.

Sie sind gebürtiger Mainzer, spielten bereits in der Jugend für den FSV Mainz 05 und sind mit der Stadt eng verbunden. Sie wohnen aber mit Ihrer Frau und Ihren Kindern in Frankfurt-Niederrad. Gefällt Ihnen Frankfurt besser als Ihre Geburtsstadt?

SANDRO SCHWARZ: In Frankfurt ist meine Familie, mein privater Mittelpunkt. Wir gehen gern in Niederrad auf den Spielplatz oder mal ein Eis essen, außerdem bringe ich hier die Kinder in den Kindergarten. Aber Mainz ist meine Heimat, hier bin ich fußballerisch aufgewachsen und habe in der Gemeinschaft Mainz 05 unfassbar viel erlebt, was mich tief geprägt hat.

Warum wohnen Sie in Frankfurt?

SCHWARZ: Meine Frau kommt aus Frankfurt; es hat sich damals einfach so ergeben, auch weil ihre Familie in der Nähe ist. Aber ein Umzug nach Mainz ist nicht kategorisch ausgeschlossen – das Thema müssen wir zu Hause allerdings sachte angehen (lacht).

Nervt Sie die Pendelei nicht?

SCHWARZ: Nicht wirklich! Ich habe zu den Zeiten, zu denen ich fahre, selten Stau.

Wie oft wurden Sie bereits angesprochen, wann Sie wieder nach Mainz ziehen werden?

SCHWARZ: Die Frage kommt hauptsächlich von Journalisten, um ehrlich zu sein (lacht).

Am Samstag steht das Derby bei Eintracht Frankfurt auf dem Programm. Muss Ihre Mannschaft ohne Sie mit dem Bus nach Frankfurt fahren?

SCHWARZ: Natürlich nicht! Der Ablauf vor dem Derby ist wie vor jedem anderen Spiel der gleiche. Und dazu gehört, dass wir uns als Team mit der Mannschaft, dem Trainerstab und dem Betreuerstab zusammen auf das Spiel einstimmen. Da sind immer alle dabei, egal ob jemand privat in der Nähe des Stadions wohnt oder nicht.

Das jüngste Derby liegt nur rund fünf Wochen zurück. Im Viertelfinale des DFB-Pokals hatte Ihr Team keine Chance und unterlag mit 0:3. Warum wird es diesmal enger zugehen?

SCHWARZ: Wir haben uns im Defensivbereich stabilisiert und in den vergangenen Auswärtsspielen keine Gegentore zugelassen. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Es geht für uns also darum, defensiv an die vergangenen Auswärtsleistungen anzuknüpfen und dazu die Zielstrebigkeit in der Offensive aus dem Schalke-Spiel mitzunehmen.

In welchen Bereichen erwarten Sie von Ihrem Team eine Leistungssteigerung?

SCHWARZ: Defensiv haben wir uns bereits gesteigert, und auch von der Körpersprache her werden wir am Samstag auf jeden Fall ein anderes Gesicht zeigen.

Der FSV Mainz 05 befindet sich in akuter Abstiegsgefahr. Wie erleben Sie den Druck, und wie gehen Sie damit um?

SCHWARZ: Den größten Druck erfahre ich nicht von außen, den mache ich mir selber. Darüber hinaus kenne ich den Abstiegskampf schon aus meiner Zeit als Spieler hier. Klar würden wir uns wünschen, dass unsere Saison immer entspannt ausklingt, aber mir ist auch bewusst, dass bei Mainz 05 der Kampf um die Klasse realistisch gesehen eher das normale Tagesgeschäft ist als der Kampf um die internationalen Plätze. Als Club mit dem zweitkleinsten Budget der Liga muss bei uns jedes Jahr schon sehr viel sehr richtig laufen, damit wir in der Bundesliga bleiben.

Sie haben kürzlich mal gesagt, dass man wieder mehr die Mainzer Identität aufleben lassen müsse. Was ist aus Ihrer Sicht abhandengekommen?

SCHWARZ: Der FSV Mainz 05 ist ein Verein zum Anfassen, in dem miteinander geredet, einander zugehört, sich gegenseitig respektiert und miteinander geweint oder gefeiert wird. Wie an jeder guten Beziehung muss daran gearbeitet werden, und man darf das nicht schleifen lassen. Wir müssen wieder enger zusammenrücken, gerade jetzt im Saisonfinale. Als Team liefern wir die Vorlage dazu – wir wollen den Funken vom Rasen auf die Tribünen überspringen lassen, damit wir gemeinsam den Klassenerhalt erzwingen können.

Glauben Sie, dass die frühere Mainzer Gelassenheit zurückkommen kann? Passt eine gewisse Unaufgeregtheit überhaupt noch zu einem Bundesligisten, der sich in einem knallharten Wettbewerb befindet?

SCHWARZ: Profifußball ist und war auch damals schon für Mainz 05 knallharter Wettbewerb. Lediglich die Ansprüche sind gestiegen, was vielleicht auch ein Stück weit dem Erfolg der letzten Jahre geschuldet und eine natürliche Entwicklung ist. Während wir Ende der 1990er-Jahre schon froh waren, überhaupt in der zweiten Liga bleiben zu können, reißt die Leute heute nach über zehn Jahren Bundesliga und einigen internationalen Abenteuern ein Klassenerhalt nicht mehr vom Hocker. Dabei muss sich jeder vor Augen halten, dass genau dieser für einen kleinen, sich selbst finanzierenden Verein wie Mainz 05 immer noch ein mittleres Wunder ist.

Ihr Team überzeugte nach einem ängstlichen Auftritt beim Hamburger SV (0:0) zuletzt gegen Schalke 04 (0:1) mit einer starken kämpferischen Leistung. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Ihr Team den Klassenerhalt packt?

SCHWARZ: Wir haben in den vergangenen Wochen Mentalität gezeigt. Gerade zuletzt gegen Schalke waren wir das bessere Team – und wenn wir auf dem Platz weiter ackern, dann werden wir mit Herz und Einsatz auch wieder das Glück erzwingen können.

Die Eintracht spielt eine überraschend starke Saison und darf von der Qualifikation für die Champions League träumen. Was überrascht Sie an der Eintracht am meisten?

SCHWARZ: Ehrlich gesagt bin ich gar nicht überrascht. Die Eintracht hat einen individuell starken Kader, den Niko Kovac zu einer Top-Einheit geformt hat. Dass diese Kombination aus sehr guter Mannschaft und sehr gutem Trainer Spiele gewinnt und oben mitspielt, ist eher logisch als überraschend.

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