02.05.2015, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, SV Werder Bremen - Eintracht Frankfurt, v.l. Trainer Thomas Schaaf (Eintracht Frankfurt)
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02.05.2015, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, SV Werder Bremen - Eintracht Frankfurt, v.l. Trainer Thomas Schaaf (Eintracht Frankfurt)

Eintracht Frankfurt

Schaafs Beziehungskrise mit der Eintracht

  • vonJochen Müller
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Am vergangenen Samstag vor dem Spiel gegen Werder Bremen (0:1) wurde Thomas Schaaf ungeschönt vor Augen geführt, was er mit der Eintracht alles NICHT hat. Wohl noch nie in der Geschichte der Bundesliga wurde ein ehemaliger Trainer von seinem Ex-Verein mit so viel Liebe und Zuneigung empfangen. Die Jubelstürme für das Bremer Urgestein glichen einem Orkan, selbst den Eintracht-Sympathisanten werden sich bei diesen atemberaubenden Szenen die Nackenhaare aufgestellt haben. Doch der überschwängliche Empfang hinterließ einen Beigeschmack. Die bedingungslose Zuneigung der Bremer verdeutlichte wie nie zuvor die kühle Distanz, die Schaafs Verhältnis zur Eintracht charakterisiert. Das Dilemma: Schaaf und die Diva vom Main werden einfach nicht miteinander warm. Aber wieso eigentlich?

Oberflächlich betrachtet läuft alles bestens. Von ernsthaften Abstiegssorgen blieb die Eintracht in dieser Saison verschont. Und das alles unter den schwierigen Vorzeichen einer Umbruchsaison. Langjährige Leistungsträger wie Pirmin Schwegler und Sebastian Jung verließen im vergangen Sommer den Verein. Umstände, die anderen Vereinen schon das Rückgrat gebrochen und die Klassenzugehörigkeit gekostet haben, wurden von Schaaf absolut souverän gelöst. An 21 Spieltagen bettete er seine Eintracht gar auf einen einstelligen Tabellenplatz - und das in seiner Premierensaison am Main. In der vergangenen Runde mit Armin Veh an ihrer Seite stand die Frankfurter Mannschaft nie besser als Platz elf, lange Zeit musste um den Klassenerhalt gezittert werden. Für launige Farbtupfer im Grau des Liga-Alltags sorgten allerdings die gelungenen Auftritte im Europapokal.

Der Adler hebt nicht ab

Unter Schaaf läuft es sportlich deutlich besser, allen Verletzungssorgen zum Trotz. Mit meist erfrischendem Offensivfußball (zumindest vor Alexander Meiers Verletzung) verlor man von den fünf Top-Teams der Liga nur gegen den FC Bayern München. Eintracht-Herz, was begehrst du mehr? Dennoch ist die Stimmung seit Monaten im Keller. Diagnose: Enttäuschte Erwartungen. Mit einer überraschend guten Hinrunde schürten Schaaf und die Eintracht schon früh die Hoffnung auf die Europapokal-Qualifikation. Doch in der Rückrunde vergab man reihenweise „Matchbälle“, als man mit einem Favoritensieg gegen strauchelnde Teams aus Köln oder Freiburg auf die internationalen Plätze hätte vorstoßen können - und stets verlor. Die Folge war ein besonders unangenehmer „Coitus interruptus“, der in seiner Häufigkeit für ordentlich Frust unter den Eintracht-Anhängern sorgte. Mittlerweile ist der Europa-Zug längst abgefahren, Schaaf und die Eintracht haben ihn verpasst. Leider wird man das Gefühl nicht los, ein Fensterplatz wäre durchaus drin gewesen.

So kann der Adler nicht abheben und auch die Fan-Liebe bleibt aus. Schaafs recht spröde und oft knorrige Art tut ihr Übriges. Der geborene Mannheimer ist niemand, der mit seinen Worten für Aufbruchsstimmung sorgt oder die Träume der Anhänger bedient. Auch wenn es mal richtig gut läuft: Schaaf steht – ähnlich wie seinerzeit Friedhelm Funkel – mit beiden Füßen auf der Euphorie-Bremse. Dabei gefällt der Eintracht das Gerede von einer besseren Zukunft doch so sehr, auch wenn es ihr schon oft zum Verhängnis wurde. Dazu kommt, dass auch Schaafs Verhältnis zur Mannschaft nicht das Beste sein soll. Stichwort: mangelnde Kommunikation. Wie in vielen getrübten Beziehungen hat man sich anscheinend nicht allzu viel zu sagen.

Die Raute im Herzen

Die Eintracht bereitet Schaaf auch nicht das warme Nest, das er aus Bremer Zeiten noch kennt. Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, der bei der Trainersuche den Flirt mit Schaaf eingeleitet hatte, hört 2016 auf. Schon jetzt schwindet sein Einfluss im Klub zusehends. Sportdirektor Bruno Hübner wollte sowieso einen anderen Trainer verpflichten, bekam aber einen Korb nach dem anderen. Einen starken und loyalen Partner, wie ihn Schaaf mit Manager Klaus Allofs in Bremen hatte, wird er in Frankfurt schmerzlich vermissen. Auch deshalb ist es aktuell schwer vorstellbar, dass Schaafs Ehe mit der Eintracht über das Vertragsende im Jahr 2016 Bestand haben wird.

Überhaupt erscheint Schaafs unlösbare Bindung mit der Werder-Raute aus heutiger Sicht als Hypothek. Verständlich, denn was für den kleinen Thomas mit elf Jahren als unschuldiger Sandkasten-Flirt begann, mauserte sich im Laufe der Jahre zu einer waschechten Beziehung mit allem ganzen Drum und Dran, umjubelten Erfolgen und vor allem: Liebe. Schon mit Schaaf als Spieler aber vor allem in seiner 14-jährigen Trainerzeit unternahmen die zwei Turteltauben ausgedehnte Reise durch Europa, nicht selten in der luxuriösen Königsklasse. Die gemeinsame Sammelleidenschaft für nationale und internationale Titel hielt die Beziehung frisch. Und so ziemlich jeder Fußballfreund, der die beiden siegen sah, rief begeistert:

„Man, was für ein tolles Paar“.

Seite 2: Sex mit der Ex

Erste Beziehungskrise

Doch mit ausbleibendem Erfolg bröckelte die traute Zweisamkeit. Und 2013, nach 41 gemeinsamen Jahren, war plötzlich Schluss zwischen Raute und „Tommy“. Schaafs Erklärung nach seinem überstürzten Abschied aus Bremen klang nach Seelenstriptease:

„Es gab in meinen Augen keine Begründung, keine inhaltliche Auseinandersetzung. Es war eine emotionale Geschichte.“

Enttäuschte Liebe also. Dem Trennungsschmerz zum Trotz widerstand Schaaf der Versuchung, mit dem nächstbestem Vereins-Flittchen durchzubrennen. Ein Jahr lang erteilte er allen Avancen einen Korb. Doch dann traf er sie, die Eintracht - schön, ungebunden und verheißungsvoll. Keine Liebe auf den ersten Blick zwar, doch die Frankfurterin beeindruckte ihn mit den Erzählungen ihrer unvergesslichen Europareise mit ihrem "Ex" Armin Veh. Der hatte sie gerade sitzen gelassen, weil sie ihm nicht mehr gut genug erschien. Die Anfangseuphorie auf beiden Seiten war groß. Und mit dem 5:2 im Hinspiel gegen Bremen schien Schaaf ein Statement in Richtung seiner früheren Angetrauten abzugeben:

„Sieh her, mir geht’s gut, ich komme auch ohne Dich klar!“

. Doch er hatte sich selbst etwas vorgemacht, ein halbes Jahr später hat ihn die unromantische Wirklichkeit eingeholt. Spätestens nach der Niederlage am Samstag, der vierten in sechs Spielen, ist die tiefe Beziehungskrise zwischen dem 54-Jährigen und der Eintracht nicht mehr zu übersehen. Das Kribbeln der ersten Wochen ist verflogen, die angedachte Europareise abgeblasen. Was auch immer Schaaf und die Eintracht heute verbindet - große Zuneigung ist es nicht.

Sex mit der Ex

Thomas Schaaf trägt zwar den Adler auf der Brust, doch sein Herz hat die Form einer Raute. Bei seiner Vita ist das absolut verständlich. Trotz Gefühlsverwirrung, er ist auch am Main ein akribischer Arbeiter, opfert der SGE jede freie Minute - doch er und seine Neue hören einfach nicht auf zu fremdeln. Bleibt zu hoffen, dass sich die verklemmte Beziehung spätestens in der nächsten Saison zu einer hemmungslosen "Amour fou" entwickelt. Bis dahin aber holt sich Schaaf die fehlende Zuneigung bei seiner Verflossenen, wie am vergangenen Samstag in Bremen. Die zahllosen Umarmungen mit alten Weggefährten, der Liebes-Tsunami, der sich von den Rängen des Weserstadions über den Trainer ergoss – das war, um es im Beziehungsvokabular zu sagen,

Sex mit der Ex

. Was aktuell zwischen Schaaf und der Eintracht läuft, geht höchstens als Händchenhalten durch.

jml

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