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So schlecht hat Trainer Kovac die Eintracht noch nie erlebt

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Von: Christian Heimrich

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Ein Häufchen Elend vor dem Wolfsburger Tor: Marco Fabián.
Ein Häufchen Elend vor dem Wolfsburger Tor: Marco Fabián. © Christian Klein (FotoKlein)

Die desaströse Leistung beim 0:2 gegen Wolfsburg hat den Frankfurter Trainer mächtig geärgert. Dabei wurde viel Geld und viel Kredit verspielt.

Es war kein guter Nachmittag für Axel Hellmann. Der Marketing-Vorstand der Frankfurter Eintracht hatte einige Tiefschläge zu verkraften und verließ das Stadion entsprechend angefressen. Da war zum einen das geschäftsschädigende Desaster durch die Insolvenz der Firma, mit deren Bezahlkarten die Fußball-Fans in der Arena Bier und Bratwurst kaufen (lesen Sie dazu auch unseren gesonderten Bericht). Da war aber auch der indiskutable Auftritt der Profis mit dem Adler auf der Brust beim 0:2 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg.

Seit Monaten predigen die Club-Chefs und der Trainer, dass jeder Bundesliga-Tabellenplatz im einstelligen Bereich bei der Bemessung des TV-Geldes zusätzliche Millionen in die klamme Kasse spülen kann. Von bis zu sieben Millionen bei Erreichen von Platz acht war die Rede. Doch der liegt nach dem Auftritt vom Samstag in weiter Ferne – genauso wie Europa.

Ganz zu schweigen von dem durch das Match gegen Wolfsburg eingetretenen Imageschaden. Eine koreanische Wirtschaftsdelegation mit dem früheren Eintracht-Star Bum-Kun Cha war im Stadion. Sie wird von dem unansehnlichen Gekicke genauso wenig angetan gewesen sein wie die 70 „Top-Leute aus der Wirtschaft“ (Hellmann) auf der Tribüne, darunter Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie interessierten sich für das System der „virtuellen Werbebanden“ in der Arena. Störender Nebeneffekt: Sie sahen auch virtuellen Fußball.

Mit echtem Fußball, dem Willen, den Gegner zu bezwingen und Tore zu erspielen, hatte die Darbietung jedenfalls kaum etwas zu tun. Die Eintracht agierte pomadig, ideenlos, kraftlos. Endloses Quer- und Rückgeschiebe einerseits, fast schon groteske Fehler andererseits. Auch Niko Kovac war bedient: „Ich habe heute bei vielen Spielern nicht die Bereitschaft gesehen, alles für den Nebenmann zu geben“, prangerte der Trainer an. „Es war zu viel Stückwerk, zu viel Einzelkämpfertum. So habe ich die Mannschaft, seit ich hier bin, noch nie gesehen. Das war von vorne bis hinten nicht das, was ich mir vorstelle, einfach gesagt schlecht.“

„Schwere Beine“

Eine Erklärung für den verstörenden Auftritt seiner Mannschaft hatte der Trainer zunächst nicht. Gestern Morgen saßen Spieler und Trainerstab zusammen, um Spiel und Ergebnis zu analysieren und Gründe für das Geschehene zu finden. Das Ergebnis: Schwere Beine und schwere Köpfe machen der durch Verletzungen ohnehin dezimierten Mannschaft im Saisonendspurt zu schaffen. Aus dem Mittelfeld kommen so gut wie keine Impulse, die wenigen Torchancen werden zum Teil kläglich vergeben. „Wir laufen auf der Felge“, gab Kovac zum wiederholten Mal zu bedenken. Das wird durch Zahlen untermauert: Frankfurter Spieler liefen am Samstag 111,8 Kilometer, die aus Wolfsburg 114,4 Kilometer. Zweikampf-Quote: 44 zu 56 Prozent.

Aber solche Fehler wie vor beiden Gegentoren sind auch ein Zeichen mangelnder Qualität. Vor dem 0:1 durch Didavi (48.) ließen sich mit Bastian Oczipka und Michael Hector gleich zwei Frankfurter Verteidiger vom nicht gerade als Virtuose am Ball bekannten Mario Gomez düpieren. Und Taleb Tawatha leistete dann nur noch „Begleitschutz“ für den Torschützen Didavi. Vor dem 0:2 durch Gomez (63.) wurde Guillermo Varela vom Passgeber Ntep der Ball gar durch die Beine gespielt.

Von da an war die Luft auf Frankfurter Seite komplett raus. Viele der 49 000 Besucher hatten die Nase voll vom blutleeren Eintracht-Gekicke. Aber während sich zum Beispiel die Gegentribüne nun mehr und mehr leerte, ertönte aus dem von den „Ultras“ beherrschten Stehblock weiterhin fröhliches Gesinge. Nach dem 0:2 wurde gar „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ angestimmt – die Tatsache ignorierend, dass die schlechteste Mannschaft der Rückrunde in der Verfassung vom Samstag die Reise zum Pokalfinale eigentlich besser nicht antreten sollte.

„Wir sind in der zweiten Halbzeit auseinandergefallen. Die komplette Mannschaft hat keine gute Leistung gezeigt, da zähle ich mich auch dazu“, musste mit einem Tag Abstand auch Niko Kovac zugeben. Der Trainer hatte die Partie gegen Wolfsburg zu einer Art Casting für den Endspiel-Kader erklärt. Wirklich empfehlen konnte sich niemand. Zwei Chancen gibt es nun noch – am kommenden Samstag in Mainz und zum Saisonfinale in Frankfurt gegen Leipzig. „Nach 34 Spieltagen kann man alles bewerten, dann ist die Wahrheit da“, sagte der Trainer. Für ihn und die Eintracht könnte sie unangenehm werden.

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