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Bei der Eintracht geht es im Training zur Sache: Hier demonstriert von Sebastian Rode (links) und Ante Rebic.

Eintracht Frankfurt

Cheftrainer Adi Hütter verlangt seinen Spielern im Trainingslager in Florida alles ab

Im Lager des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt an Floridas Westküste verschwendet niemand einen Gedanken an einen Einbruch in der Rückrunde der Bundesliga.

Es ist nicht gerade ungewöhnlich, dass Ante Rebic auf dem Fußballplatz keine Freunde kennt. Der kroatische Vizeweltmeister haut sich eigentlich immer rein, ob im Traing oder im Spiel. Stürmt er auf seine Gegenspieler zu – mit leicht gesenktem Kopf, langen Schritten, hohem Tempo –, dann zuckt manch einer auch mal weithin sichtbar für einen kurzen Moment zusammen. Ante Rebic, dieser Mann aus Split, bekam nicht umsonst in den vergangenen Monaten von den Medien Spitznamen wie Büffel, Abrissbirne oder Wuchtbrumme verpasst. Die hatte er sich redlich verdient.

Lustige Kollegen, wieder eine Verspätung, geheimes Training im Trainingslager der Eintracht Frankfurt in Florida

Eintracht Frankfurts Wuchtbrumme Ante Rebic

So dürfte es also auch niemanden mehr überraschen, wenn der Angreifer mit dem kurzgeschorenen Haupt unter Floridas Sonne grätschend auf seine Mitspieler zufliegt. Wenn er Sebastian Rode mit gestrecktem Bein auf dessen Fußspitze erwischt. Wenn er Jetro Willems im Trainingsspielchen mit beiden Armen bearbeitet, ihn mit dem Ellenbogen unabsichtlich in der Magengrube trifft. Wenn er Goncalo Paciencia das blaue Leibchen einreißt. Nein, das überrascht nun wirklich niemanden mehr. Ein Klaps auf die Schulter, und die Situationen sind erledigt, abgehakt, bereinigt. Man kennt das ja von Ante Rebic.

Zumal der 25-Jährige nur einer unter vielen ist. Bei Eintracht Frankfurtgeht es im Trainingslager auf US-amerikanischem Boden mächtig zur Sache. „Wir sind gut dabei“, sagt Sebastian Rode. „Wir arbeiten hart“, ergänzt Torhüter Kevin Trapp. „Es ist anstrengend, aber wir trainieren sehr konzentriert“, findet der Älteste der Reisegruppe, der Japaner Makoto Hasebe. Einig sind sie sich jedenfalls allesamt, die Kicker vom Main. Und tatsächlich, die Aussagen der Frankfurter Spieler, die in dieser oder zumindest ähnlicher Form wohl bei jeder Vorbereitung und bei jedem Verein dieser Welt getätigt werden, sind keineswegs aus der Luft gegriffen. Adi Hütter, der Trainer des Bundesliga-Sechsten, fordert diese hohen Zweikampfintensität von seinen Mannen ein. Das macht er schon die ganze Saison, natürlich auch daheim im Frankfurter Stadtwald, das macht er jetzt, an der Westküste Floridas, aber noch ein bisschen eindrücklicher als sonst.

Nach dem Aufwärmen müssen die Spieler von Eintracht Frankfurt im Training in Florida gleich Volldampf geben

Wann sich das zeigt? Eigentlich in jeder noch so kleinen Übungsform. Die Einheiten des Fußballlehrers aus Österreich sind allesamt nach einem ähnlichen Muster gestaltet. Fast immer eineinhalb Stunden lang, beginnend mit einer viertelstündigen Aufwärmphase bei den Konditionstrainern.

Anschließend kein langes Abwarten, stattdessen Volldampf. Auf kleinen Feldern, etwa 20 mal 30 Meter groß, treten die Spieler gegeneinander an. Mal im Sechs gegen Sechs, dann in Über- und Unterzahlsituationen. Laut geht es dann zu, Anweisungen in Englisch mischen sich mit deren in Spanisch und Französisch. Auf das „Go, go, go“ von Jonathan de Guzman folgt das „Allez Seb“, von Trapp in Richtung seines stürmenden Kollegen Haller. Und schweißt Luka Jovic mal wieder einen Ball in den Winkel – fast schon Alltag für den Serben, der gefühlt von Tag zu Tag besser wird – hat selbst Chef Hütter mal ein Lob parat: „Bravo Luka“.

Nun sind die beschriebenen Übungsformen sicher keine ureigenen Hütterschen – vielmehr stehen sie wohl in fast jedem Fußballhandbuch. Perfekt zum Spielstil von Eintracht Frankfurt passen sie aber allemal. Viele nicklige Zweikämpfe, kurze Distanzen, die schnelle Lösungen erfordern. Gefällt Hütter eine dieser nicht, greift er zu seiner um den Hals baumelnden Pfeife, pustet hinein und erklärt. In ruhigem Ton, mit raumgreifenden Armbewegungen. Bei den Spielern scheint das anzukommen.

Ein Absturz von Eintracht Frankfurt erscheint unwahrscheinlich

Wer die vielen gelungenen Passstafetten auf engstem Raum sieht, der kann sich kaum vorstellen, dass die Eintracht-Mannschaft von heute ein ähnliches Schicksal wie jene von vormals ereilen könnte. Ein leistungsmäßiger Einbruch, das Abrutschen in der Tabelle wie in den Rückrunden der vergangenen beiden Spielzeiten, ist nur schwer vorstellbar. Zwar sicher nicht ausgeschlossen, kann sich im Fußball schnell alles drehen, können sich Verletzungen häufen, Formschwächen einschleichen, unwahrscheinlich ist ein Absturz aber allemal.

Hütter leitet dieser Tage eine Mannschaft an, die stabil wirkt, die vorwärts kommen will und dafür nicht nur konzentriert zur Sache geht, sondern sich auch untereinander immer weiter anstachelt. Ob nun Sprintübungen am Anfang der Einheiten, zweikampfintensive Spielformen auf engen Feldern oder das fast schon übliche Abschlussspielchen über den halben Platz, die Profis sind mit vollem Einsatz bei der Sache. So kann es auch vorkommen, dass selbst die wandelnde Abrissbirne Ante Rebic mit voller Wucht ein Knie in den Oberschenkel gerammt bekommt, mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden sinkt und Simon Falette, der französischer Übeltäter, ihm nur kurz die Schulter tätschelt, ehe er einfach weitermacht.

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