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Eintracht Frankfurt

Sebastian Rode freut sich auf den Neuanfang in der alten Heimat

Nach zwei verlorenen Jahren will Sebastian Rode in Frankfurt wieder richtig angreifen. Heute geht es ins Trainingslager nach Florida.

Eigentlich hat Sebastian Rode seine Zelte mit einiger Verspätung wieder in Frankfurt aufgeschlagen. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass er bereits im Sommer des vergangenen Jahres wieder den Adler-Dress überstreifen würde. Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund hatten dem 28-Jährigen allerdings recht spät, irgendwann tief im August, signalisiert, dass der BVB auf seine fußballerischen Dienste keinen gesteigerten Wert mehr legen würde und er sich ruhig einen neuen Verein suchen könne. „Die Eintracht hat dann noch mal alles versucht“, erzählt der Mittelfeldmotor, „aber es hat leider nicht geklappt.“

Ein gutes halbes Jahr später sitzt der Profi gut gelaunt in einer viel zu kleinen Loge der Frankfurter Arena und setzt sein typisches Spitzbubenlächeln auf. „Ich freue mich auf die Aufgabe. Die Eintracht ist eine Herzensangelegenheit.“ Ein abgedroschener Satz, der dem in der Region verwurzelten Südhessen aber abzunehmen ist. Rode, aus Alsbach-Hähnlein stammend, ist ein geerdeter Typ, dem Starkult fremd ist, der nie Flausen im Kopf hatte. Rode hat denselben Freundeskreis wie früher, seine Familie lebt seit jeher an der Bergstraße; er hat seine langjährige Freundin Johanna, die er in der Schule kennen und lieben lernte und die Tochter von Ex-Eintracht-Finanzchef Thomas Pröckl ist, mittlerweile zur Frau genommen, bald wird das Haus in Bensheim gebaut. „Das Grundstück haben wir schon ein Jahr“, bekundet er. Aber mit seiner Entscheidung, zur Eintracht zurückzukehren, nach zwei „wundervollen Jahren“ bei Bayern München und zweieinhalb völlig verkorksten bei Borussia Dortmund, „hat das nichts zu tun“.

Für Rode ist seine Heimkehr an den Main „ein Neuanfang, das ist ganz klar“, er habe mit dem, was war, „abgeschlossen, ich will zu alter Form finden“, sagt das „Mentalitätsmonster“, wie ihn Ex-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer ehrfürchtig nannte.

„Beschissen“

Die vergangenen 24 Monate bezeichnet der Dauerläufer im Mittelfeld ohne Umschweife als „beschissen“, kein Bundesligaspiel hat er da absolviert, eine langwierige Schambeinentzündung legte ihn auf Eis. Düstere Gedanken krochen in ihm hoch, solche, die das Karriereende als Drohkulisse immer weiter in den Vordergrund schoben. „Wenn die Schmerzen nicht weggehen, denkt man schon das eine oder andere Mal daran“, räumt er ein.

Und die Beschwerden, mal diffus, mal stärker, gingen nicht weg. Er versuchte alles, schuftete in der Reha, holte sich Rat in der Darmstädter Kostbar, dort, wo nur auf den Teller kommt, was gesund ist. Er habe sich streng an den Essensplan gehalten, Zucker reduziert, auf Weizenmehl und Kuhmilch verzichtet, doch den durchschlagenden Erfolg hatte auch diese Ernährungsumstellung nicht. „Ich habe trotzdem einiges beibehalten“, sagt er. Im Frühjahr 2017 entschied er sich für eine Operation, die „hervorragend“ verlaufen sei. „Seitdem bin ich beschwerdefrei. Ich habe wieder Vertrauen in meinen Körper.“

In Dortmund (Sebastian Rode schießt gegen Ex-Club - Fans flippen aus) bremste ihn aber Trainer Lucien Favre aus, für den Spieler war klar, dass er es woanders versuchen musste. Er durfte keine Zeit mehr verlieren – nicht nach zwei verlorenen Jahren. Deshalb sei die neuerliche Offerte der Eintracht genau zur richtigen Zeit gekommen. Den Club habe er nie aus den Augen verloren, schon damals, als er ging, habe der Verein eine Menge Potenzial in sich schlummern gehabt: „Jetzt ist es erwacht.“

Seppl verehrt Pep

Er ist gespannt auf die brachiale Kraft im Angriff. „Da ist so viel Qualität und Power, was die da vorne abreißen, ist phänomenal.“ Was er nicht sagt, aber weshalb er verpflichtet wurde: Ein „Seppl“ Rode, der gesund und topfit ist, passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Spielweise. Denn großartig, findet er selbst, habe er sich nicht verändert, er gehe keinem Zweikampf aus dem Weg. Fußballerisch hat er sich, zumindest bei den Bayern unter dem von ihm verehrten Pep Guardiola, klar weiterentwickelt, ist gereift, spielt mit Auge und Köpfchen. „Pep fordert das so. Jeder Spieler profitiert von ihm. Er ist phänomenal.“ Rodes größtes Problem, und das weiß der kluge Akteur, ist die fehlende Spielpraxis, nur zwei Regionalligapartien mit der zweiten Mannschaft des BVB stehen zu Buche, häufiger wollte er dort nicht mittun. „Es musste auch passen, es macht ja keinen Sinn, auf irgendeinem Dorfsportplatz zu spielen, das hat dann mit Bundesliga nichts zu tun.“

Heute wird er gemeinsam mit den übrigen Spielern in den Flieger steigen und nach Florida jetten. Er freut sich auf das Trainingscamp, das Kennenlernen, die Sonne. „Die Jungs werden mich gut aufnehmen“, sagt er. David Abraham, Kevin Trapp, Marco Fabián, Jonathan de Guzman, Allan Souza und Carlos Salcedo wird er erst in den Staaten treffen, alle drei reisen aus ihren Urlaubsdomizilen direkt an.

Rode brennt auf seine neue Aufgabe an alter Stätte, das hört man aus jedem Satz. Wie es dann aber im Sommer weitergehen wird? Er zuckt mit den Schultern. „Weiß ich nicht, wird man sehen. Das hier soll erst mal eine Win-win-Situation werden.“ Mit halbjähriger Verspätung.

von INGO DURSTEWITZ

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