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Unter Beobachtung: Sebastian Rodes Rückkehr zur Eintracht hat sowohl bei den Verantwortlichen als auch den Fans jede Menge Erwartungen geweckt.

Eintracht Frankfurt

Sebastian Rode macht im Trainingslager in Florida einen guten Eindruck

Eintracht-Sportdirektor Hübner warnt indes vor überzogenen Erwartungen. Hinter Rode liegt eine lange Phase ohne Pflichtspiel.

Eines Abends, als die Sonne im Sunshine State gerade am Horizont zu verschwinden drohte und die erfrischende Brise vom Golf von Mexiko die Luft herunter kühlte, da machten es sich vier alte Bekannte mitten auf einer grünen Wiese gemütlich, genossen den Moment und quatschten über das, was war und das, was noch kommen sollte. Fast schon romantisch, diese Szenerie.

Nun hat die Wiese natürlich wenig mit einer solchen im üblichen Sinne gemein, freundschaftlich verbunden sind die alten Bekannten aber allemal. An diesem herrlichen Abend unter Floridas Himmel hatten sich vier Fußballprofis von Eintracht Frankfurt mitten auf ihrem Trainingsplatz niedergelassen: Kevin Trapp, Marco Russ, Marc Stendera und Sebastian Rode.

Marc Stendera, Kevin Trapp, Marco Russ und Sebastian Rode wieder bei Eintracht Frankfurt vereint

2014 war das, da lief jenes Quartett das letzte Mal gemeinsam im Adler-Dress zusammen auf. Es war eine berauschende Saison, eine mit ordentlichen Ergebnisse in der heimischen Liga und herausragenden Momenten in Europa. Während Russ und Stendera seitdem ständig zum Kader der Hessen zählten, lockte Trapp und Rode die große Fußballwelt.

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Ersterer ging nach Paris, wurde französischer Meister und spielte ebenso Champions League wie Rode beim FC Bayern. Nun sind beide wieder zurück, das Quartett von damals im Hier und Jetzt vereint.

„Es fühlt sich für mich an, als komme ich nach Hause“, sagte Rode dem vereinseigenen TV: „Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und man am Ende der Saison behaupten kann, dass es eine Win-Win-Situation für beide Seiten war.“ Der 28-Jährige, den die Münchner 2016 für eine Ablöse von rund zwölf Millionen Euro an Dortmund weiterverkauften, der dort aufgrund von vielen kleineren und einer großen Verletzung (Schambeinentzündung) aber nie richtig zum Zug kam, er nimmt in Frankfurt einen neuen Anlauf.

Für ein halbes Jahr haben die Hessen den Mittelfeldspieler ausgeliehen, sollte Rode funktionieren, ist nach halbjähriger Testphase eine Weiterbeschäftigung bei der Eintracht trotz des bis 2020 in Dortmund laufenden Vertrages durchaus wahrscheinlich.

Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter findet lobende Worte für Sebastian Rode

In den bisherigen Trainingseinheiten, zugegebenermaßen waren es erst sieben Stück, macht der Mann mit dem drahtigen Oberkörper und den dünnen Beinen einen guten Eindruck. Rode ist viel unterwegs, antizipiert die Situationen, stibitzt Bälle – er macht all das, was ihn schon während seiner ersten Zeit in Frankfurt auszeichnete. Die Verantwortlichen geben an, davon keineswegs überrascht zu sein. „Er kann Fußball spielen, sonst wäre er nicht beim FC Bayern und in Dortmund gewesen“, sagt etwa Trainer Adi Hütter. Freilich hat die Eintracht Rode vor dessen Verpflichtung nicht nur bei seinen beiden Einsätzen im Regionalligateam des BVB beobachtet, sondern auch im Training.

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„Wir sind alle von seinen Qualitäten überzeugt“, sagt Torhüter Trapp. Und Sportdirektor Bruno Hübner, auch einer, der Rode von früher persönlich kannte, findet gar: „Seppl ist ein absoluter Vollprofi, sonst wäre er bei seiner Verletzungshistorie schon längst weg vom Fenster. Es liegt in seiner Mentalität, dass er Verantwortung übernehmen will. Er spricht viel, zieht die Mannschaft mit.“

Bei all dieser auf ihn hinab prasselnden Lobhudelei scheint Rode, der nach seinem Wechsel zu Jahresbeginn gemeinsam mit seiner Frau Johanna noch bei seinen Eltern in Alsbach-Hähnlein wohnt, zeitnah aber eine Wohnung in Frankfurt beziehen will, niemand zu sein, dem die Gefahr des Abhebens droht.

Dafür hat er in den vergangenen Jahren zu viele Rückschläge in seiner Profikarriere erleben müssen, dafür ist er grundsätzlich ein zu bodenständiger Typ. Einer, der immer freundlich im Umgang mit seinen Mitmenschen ist, jeden Fan und jeden Reporter grüßt, der spürbar froh ist, endlich wieder seinem Beruf mit einer Chance auf Einsatzzeiten nachgehen zu können. „Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme und freue mich auf die Zeit“, sagt Rode, dessen bisher letztes Bundesligaspiel lange zurückliegt. Am 13. Mai 2017 durfte Rode drei Minuten in Augsburg mitwirken. Seitdem stand er nur noch im Training, in Testkicks, in einem unbedeutenden Supercupspiel und zwei Regionalligapartien auf dem Rasen.

Eine lange Phase ohne Pflichtspiele liegt hinter Sebastian Rode

Entsprechend warnt Bruno Hübner vor überzogenen Erwartungen. Rode müsse zunächst die Intensität des Trainings verkraften, so der Sportdirektor, außerdem liege eine lange Phase ohne Pflichtspiel hinter dem 28-Jährigen. Andererseits wären die Frankfurter mit ihrem Ex sicher keine zweite Liaison eingegangen, wären sie nicht von seinen Qualitäten überzeugt. Rode wird, selbst wenn er einschlägt, sicher nicht alle Spiele über die volle Zeit absolvieren. Das muss er auch gar nicht. Er soll aber sehr wohl zu einer brauchbaren Alternative für Gelson Fernandes werden, der zuletzt nach der Leistenverletzung von Lucas Torro auf der Sechserposition mehr oder weniger als Alleinunterhalter fungierte. Rode und Fernandes sind ähnliche Spielertypen, solche, wie sie Hütter gefallen. Laufstark, aggressiv, fleißig. Dazu ist das fußballerische Potenzial Rodes sicher noch ein wenig höher einzustufen als das von Fernandes. In Hübners Worten klingt das so: „Wenn Seppl in seiner Zeit beim FC Bayern unter einem Trainer wie Pep Guardiola nichts dazugelernt hätte, dann wäre das schlecht.“

von DANIEL SCHMITT

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