Eintracht Frankfurt

SGE setzt bei Kader-Zusammenstellung auf Karte "international"

  • VonPeppi Schmitt
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Noch dürften mehrere Spielerverpflichtungen für die kommende Saison ausstehen. Aber der Trend bei den Frankfurtern ist schon klar zu erkennen.

Vor einem Jahr war der Weg, den die Frankfurter Eintracht beim Aufbau ihres Spielerkaders eingeschlagen hatte, noch durchaus ungewöhnlich. Sportvorstand Fredi Bobic hatte in Ermangelung größerer finanzieller Mittel darauf gesetzt, „mit viel Fantasie“ die Mannschaft aufzubauen. Diese Fantasie hatte sich ausgedrückt in vielen jungen Profis, die bis dahin nur Insidern bekannt und aus aller Herren Länder in die multinationale Metropole am Main gekommen waren.

In diesem Sommer, in dem die Eintracht im Vergleich zur Konkurrenz wieder nicht viel Geld besitzt, im Vergleich zum vergangenen Jahr aber doch über deutlich mehr Mittel verfügt, gehen Bobic und seine Mitstreiter ihren Weg konsequent weiter. Mit einem Unterschied: Die Eintracht vertraut nicht mehr in erster Linie dem Geschäftsmodell mit sogenannten „Leihspielern“, sondern versucht, die Neuzugänge fest zu binden. Was zwei Vorteile hat. Zum einen besteht eine deutliche größere Planungssicherheit, zum andern können Werte im eigenen Klub geschaffen werden.

Fünf Neue haben die Frankfurter schon verpflichtet, der sechste ist sozusagen im Anflug. In allen Mannschaftsteilen haben Bobic und Manager Bruno Hübner für frisches Blut gesorgt. Freilich ist, vor allem durch nicht planbare äußere Umstände, der Kader (noch) nicht wirklich verstärkt worden. Das kann und muss noch kommen. Im Tor wird der ehemalige Frankfurter Jan Zimmermann den nach Zürich gewechselten Heinz Lindner als zweiten Mann ersetzen, Zimmermann kommt vom Zweitligaabsteiger 1860 München ablösefrei. In der Abwehr haben die Frankfurter für Guillermo Varela (zurück zu Manchester United) Danny da Costa (Bayer Leverkusen/ eine Millionen Euro Ablöse/ Quelle: transfermarkt.de) geholt. Dazu Carlos Salcedo aus Guadalajara (Leihgebühr 450 000 Euro). Der mexikanische Nationalspieler ist bislang der einzige Neue, der auf Leihbasis gekommen ist, die Eintracht aber hat sich eine Kaufoption sichern können. Pech, dass Salcedo sich beim Confed-Cup schwer an der Schulter verletzt hat und deshalb drei Monate ausfällt.

Die Lücken, die die Abgänge von Jesus Vallejo (zurück zu Real Madrid) und Michael Hector (zurück zum FC Chelsea) gerissen haben, sind also nicht gestopft.

Hahn wohl zum HSV

Im Mittelfeld haben die Frankfurter mit der Verpflichtung von Gelson Fernandes (Stade Rennes/ 500 000 Euro Ablöse) auf die unklaren Verhältnisse um Rekonvaleszenten wie Omar Mascarell und Marc Stendera reagiert. Schon in der vergangenen Saison war die Besetzung im defensiven Mittelfeld nicht ausreichend, zur Winterpause hatte ja schon Szabolcs Huszti den Klub verlassen. So richtig komplett scheint die Eintracht aktuell in diesem Bereich deshalb auch noch nicht.

Besser sieht es in der Offensive aus. Für Haris Seferovic, der nach Lissabon gewechselt ist, wurde Sebastien Haller aus Utrecht geholt. Der Franzose ist der bislang teuerste Einkauf in der Frankfurter Geschichte. Er soll zwischen sechs und acht Millionen Euro Ablöse gekostet haben. Und wieder haben die Frankfurter Pech, denn mit Alex Meier fällt ein anderer Stürmer nach einer Knöcheloperation ebenfalls mindestens zwei Monate aus. Dennoch ist die angreifende Abteilung der Eintracht schon ganz gut aufgestellt. Mit Daichi Kamada wird in dieser Woche ein hoffnungsvoller offensiver Mittelfeldspieler einen Vertrag unterschreiben. Der 20 Jahre alte Japaner kommt von Sagan Tosu und soll angeblich zwei Millionen Euro Ablöse kosten. Zudem wird in den nächsten Tagen mit der Vollzugsmeldung gerechnet, dass der 19 Jahre alte Serbe Luka Jovic von Benfica Lissabon für ein Jahr ausgeliehen wird. Fehlt eigentlich nur noch ein Mann für den rechten Flügel. Das sollte Andre Hahn aus Mönchengladbach sein, doch der hat sich jetzt wohl für den HSV entschieden.

Sportchef Bobic ist seinem Weg also treu geblieben und hat weiter „international“ eingekauft. Das hat letzte Saison gut geklappt. Die Hoffnung ist groß, das es weiter funktioniert und Trainer Niko Kovac auch diesmal wieder das richtige Händchen bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft beweist. Freilich, noch kann die Einkaufstour für 2017/18 nicht beendet sein.

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