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SGE-Fans in Sorge: Zu viel Kommerz, zu wenig Eintracht

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Von: Stefan Fritschi

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Fans zur Saisoneröffnung an der Commerzbank Arena - Eintracht Frankfurt Saisoneröffnung, Commerzbank Arena
Fans zur Saisoneröffnung an der Commerzbank Arena - Eintracht Frankfurt Saisoneröffnung, Commerzbank Arena © Marc Schüler

Die aktive Fanszene mit den Ultras an der breiten Spitze boykottierte wie in den vergangenen Jahren die offizielle Saisoneröffnung. Die Kommerzialisierung der Veranstaltung wird angeprangert. Und die Personalpolitik des neuen Sportvorstands Fredi Bobic wird skeptisch beäugt.

"Ich fand die Atmosphäre im Stadion heute schon toll“, sagte Michael Hector höflich. Und der Neuzugang vom FC Chelsea aus der englischen Premier League schob einen nicht zu unterschätzenden Satz hinterher. „Aber ich habe von meinen Mitspielern gehört, dass es während der Saison noch viel lauter wird. Ich kann mein erstes Spiel daher kaum erwarten. Vor solch einem Publikum möchte ich spielen.“

Ja, die Fanszene von Eintracht Frankfurt hat viel, viel mehr zu bieten als beim 3:1 über den spanischen Europa-League-Teilnehmer Celta Vigo. Dies ist spätestens seit Bordeaux in ganz Fußball-Europa bekannt. Und es gibt freilich Gründe dafür, weshalb der harte Kern in der Kurve wieder bei der offiziellen Saisoneröffnung abwesend war und Fahnen wie Banner fehlten. Eine Woche zuvor, beim Match in Bergamo, hatten über tausend SGEler noch für Europapokalstimmung gesorgt; mit Atalanta-Fans besteht auch eine Freundschaft.

„Es war kein attraktiver Gegner“, stellte Ina Kobuschinski, die Vorsitzende des Fanclubverbands, nüchtern fest. Doch es lag in erster Linie nicht an dem wenig erfolgreichen Club aus Galizien, dass die aktive Fanszene, in der die Ultras den Ton angeben, das Spiel nicht annahm. Die Veranstaltung, betonte sie, sei „zu sehr auf Kommerz ausgerichtet“. „Es ist uns klar, dass sich die Sponsoren an so einem Tag zeigen wollen. Aber es sollte auch Platz sein für uns“, kritisierte Kobuschinski. „Letztes Jahr haben wir nur noch einen Stand gehabt – in einer Ecke“, führte sie aus. Gegen Vigo gab es keinen mehr. Und das sei so gewollt gewesen.

Auch Basti Beck vom Frankfurter Fanprojekt fühlte sich nicht sonderlich wohl beim sonnigen Sonntagnachmittag „ohne Fahnen, Banner, Stimmung“. Offiziell sollen es 40 000 Zuschauer gewesen sein im Stadion. Ein paar Tausend weniger kommt der Realität schon eher entgegen. Und der Geräuschpegel tendierte gegen null – aber dies war in den Jahren zuvor bei den Saisoneröffnungsspielen kaum anders. „Es ist kein normales Spiel, viele Leute haben keine Lust auf dieses Konstrukt“, bemängelte Beck, dass die Saisoneröffnung mit einem Testspiel gekoppelt wird, für das bezahlt werden muss.

Noch in diesem Jahr, meinte Kobuschinski, solle es Gespräche geben mit Finanzvorstand Axel Hellmann, damit die Veranstaltung künftig fanfreundlicher konzipiert werde. Hellmann dürfte eigentlich ein offenes Ohr für die Anliegen der Anhängerschaft haben, stammt er doch selbst aus der Fanszene. Doch unumstritten ist er in dieser gewiss nicht.

Personalpolitik irritiert

Doch die Konzeption der Saisoneröffnung ist nicht der alleinige Grund für die Zurückhaltung. Der neue Sportvorstand Fredi Bobic samt seiner Personalpolitik werde „mit Skepsis gesehen“, sagte Beck. „Wir sind alle ein bisschen irritiert über die Einkäufe“, bemängelt Kobuschinski den Weg, Spieler von (Groß-)Clubs auszuleihen. Michael Hector ist erst 24 Jahre alt. Doch er spielte schon für zwölf Clubs, fast immer auf Leihbasis. Wie kann sich da die Bereitschaft entwickeln, ans Limit zu gehen? Wie soll da Identifikation entstehen?

Nur mit Erfolg kann dies übertüncht werden. Trifft dies nicht ein, droht eine unangenehme Saison, ähnlich der vergangenen, in der der Abstieg gerade noch vermieden wurde.

„Es wäre menschlich und fußballerisch eine Katastrophe für uns“, hatte der sonst so schweigsame Alex Meier deutliche Worte gewählt, als sich der Weggang von Stefan Aigner zu 1860 München abgezeichnet hatte. Keiner kennt das Innenleben der Mannschaft so wie er. Und merkt, wenn etwas in die falsche Richtung geht.

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