Ervin Skela
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Interview mit Ervin Skela

Skela: „Ich habe mich durchgesetzt“

  • vonKlaus Veit
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Ervin Skela wurde am 17. November 1976 in Albanien geboren. Als 19-Jähriger ging er nach Deutschland, zum 1. FC Union Berlin in die Regionalliga. Zu Beginn der Saison 2001/02 wechselte er zum damaligen Zweitligisten Eintracht Frankfurt, spielte hier bis 2004. Es war eine wechselhafte Zeit. In der Saison 2002/03 war Ervin mit zehn Treffern bester Torschütze der Eintracht, die Mannschaft stieg in die 1. Liga auf. Ein Jahr später konnten aber auch acht Skela-Tore den Wiederabstieg nicht verhindern. Daraufhin verließ der albanische Nationalspieler (75 Einsätze) die Eintracht. Inzwischen verstärkt er das Trainerteam der Eintracht Frankfurt Fußballschule.

Ervin Skela wurde am 17. November 1976 in Albanien geboren. Als 19-Jähriger ging er nach Deutschland, zum 1. FC Union Berlin in die Regionalliga. Zu Beginn der Saison 2001/02 wechselte er zum damaligen Zweitligisten Eintracht Frankfurt, spielte hier bis 2004. Es war eine wechselhafte Zeit. In der Saison 2002/03 war Ervin mit zehn Treffern bester Torschütze der Eintracht, die Mannschaft stieg in die 1. Liga auf. Ein Jahr später konnten aber auch acht Skela-Tore den Wiederabstieg nicht verhindern. Daraufhin verließ der albanische Nationalspieler (75 Einsätze) die Eintracht. Inzwischen verstärkt er das Trainerteam der Eintracht Frankfurt Fußballschule. Hallo, Ervin! Erzähle uns doch bitte einmal, wie Du zum Fußball gekommen bist!

Naja, bei uns in Albanien war alles etwas anders in Deutschland. Wir hatten 45 Jahre Kommunismus. Mit acht Jahren habe ich in einer Sportschule angefangen. Da haben wir dann vier Stunden pro Woche gekickt, aber die Umstände waren schwer. Keine gescheiten Schuhe, keine richtigen Bälle, da hat man halt mit Liebe zum Fußball und seinem Talent versucht, etwas zu erreichen.

Und das hat ja bei Dir wohl geklappt...

Ja, irgendwann in den achtziger Jahren hat sogar Barcelona in meinem Heimatort Vlora gespielt. Da war ich Balljunge und entsprechend begeistert. Und mit 15 habe ich dann meinen ersten Erstliga-Einsatz gehabt. Da war ich der Jüngste im Team. Mit der U15, der U17 und der U18 habe ich dann für Albanien gespielt. Da kam ich auch mal raus aus unserem Land, das viele Menschen verlassen wollten. Mit Schiffen übers Mittelmeer oder mit langen Märschen über die Berge haben sie versucht, ihr Glück zu finden.

Waren Deine Eltern eine Hilfe auf dem Weg zum Fußball-Profi?

Ja, sie haben mir viel geholfen, dafür danke ich ihnen. Mein Vater war Ingenieur, meine Mutter Ärztin. Angesehene Berufe also, aber das hat sich finanziell nicht ausgezahlt. Mein Vater hat damals umgerechnet 80,DM, meine Mutter 60 DM im Monat verdient.

Und wie bist Du dann nach Deutschland gekommen?

Ich hatte das Glück, dass mich bei der U17 in Österreich ein Scout entdeckt hatte. So bekam ich einen Vertrag bei Union Berlin.

Die spielten Dritte Liga. Wie bist Du da aufgenommen worden?

Das war schon ein Abenteuer. Es war mein erster Flug ganz alleine. In Berlin sollte ein Mann auf mich warten, der ein Schild mit der Aufschrift „Skela“ hoch hält. Aber da war niemand. Und ich 18 Jahre alter Jüngling konnte nur Albanisch und etwas Italienisch. Naja, nach einer halben Stunde tauchte dann jemand auf. Er habe im Stau gestanden sagte er. Das war im Januar 1995. Beim zweiten Training fiel Schnee. Auch das war neu für mich. Und ich musste versuchen, die Sprache zu lernen. Mit Büchern, DVDs und dem Fernsehen. Damals gab es eine Sendung, die hieß „Glücksrad“ Da gab es Gegenstände zu gewinnen, die Namen habe ich mir gemerkt.

War das Heimweh groß?

Naja, ich hatte Glück, dass sich Sergej Barbarez und Marco Rehmer sehr viel um mich gekümmert haben. Sie haben mir die Stadt gezeigt, Sergejs Frau hat für mich gekocht. Es war eine schwierige Zeit, aber ich denke gerne daran zurück. Das ging hart auf hart, aber dann war ich stolz, dass ich mich durchgesetzt habe.

Und Du hast deutlich mehr verdient als Deine Eltern?

Klar, aber ich kannte den Unterschied zwischen Brutto und Netto nicht. Ich sollte 2500 DM pro Monat bekommen, aber ich bekam nur rund 1300 DM überwiesen. Ich dachte: „Wer hat mir mein Geld geklaut?“ Mein Trainer Hans Meier musste mir dann erst mal den Unterschied zwischen Brutto und Netto erklären.

Nach ein paar anderen Stationen bist Du dann 2001 zur Eintracht gekommen. Wie war das?

Das war ein großer Sprung für mich, aber ich hatte hier große Erfolge. Wir sind aufgestiegen, ich war Publikumsliebling. Das 6:3 gegen Reutlingen, so Spiele hast du nur in Frankfurt. Ich bin noch heute glücklich, dabei gewesen zu sein. Im Nachhinein war es ein Fehler, nach dem Abstieg zu gehen. Aber ich hatte ein Angebot von Leverkusen, hätte dort Champions League spielen können. Das reizt natürlich einen 23-Jährigen. Aber bis zum Ende meiner Laufbahn hatte ich die Eintracht im Herzen.

Und jetzt bist Du zumindest wieder bei der Eintracht Fußballschule. Wie gefällt es Dir da?

Super! Charly, Oka und die anderen sind alle coole Typen hier. Und es ist toll, wenn man Kindern zeigen kann, wie man besser wird. Das macht riesigen Spaß.

Und was kannst Du den Kids an grundsätzlichen Tipps mit auf den Weg geben?

Das A und O ist, dass man immer mit Spaß an die Sache geht. Hör zu, was der Trainer sagt!,Benimm, dich, schau hin, was andere machen. Ein Fehler ist kein Problem. Man muss es immer wieder probieren und an sich glauben. Und liegst du am Boden, dann steh auf! Es geht immer weiter.

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