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Geschockt: Sonny Kittel hatte auf einen neuen Vertrag gehofft.

Eintracht Frankfurt

Sonny Kittel: Aussortiertes Talent

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Eigentlich wollte der Fußball-Bundesligist mit dem oft verletzten Kittel weitermachen. Doch dann gab es Ärger.

Sonny Kittel hat sein ganzes Sportlerleben bei und mit der Frankfurter Eintracht verbracht. Mit sechs Jahren kam er 1999 vom VfB Gießen an den Riederwald in den Frankfurter Osten und durchlief dort alle Jugendmannschaften. Mit 17 Jahren gelang ihm schon der Sprung in den Profikader, unter Trainer Michael Skibbe feierte er am 28.August 2010 gegen den Hamburger SV sein Bundesligadebüt. Sonny Kittel, heute 23, galt als Vorzeigespieler der Frankfurter Nachwuchsarbeit, das größte Talent im letzten Jahrzehnt.

Jetzt muss er gehen. Der Vertrag läuft am 30.Juni aus und wird nicht verlängert. Vor ein paar Tagen teilte ihm die sportliche Führung mit Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner mit, er habe keine sportliche Zukunft mehr bei seinem Heimatverein. Für Kittel eine Enttäuschung, aber kein Niederschlag. So sieht es zumindest sein Berater. „Es ist vielleicht wirklich besser, wenn er mal etwas Neues kennenlernt“, sagt Alen Augustincic, Chef der gut vernetzten Agentur „Soccertalk“. Er sieht keine Probleme, Kittel in einem anderen Profiklub, ob in erster oder zweiter Liga, unterzubringen. „Es gibt genügend Optionen“, sagt er. Kittel ist ablösefrei, Kittel ist jung, Kittel hat zweifellos große Qualitäten, vor allem im technischen Bereich. All dies spricht für den jungen Mann.

Aber da ist auch diese unsägliche Verletzungsserie. Der ehemalige Jugendnationalspieler, der seinen größten Triumph mit der Deutschen Meisterschaft mit der Eintracht U 17 2010 gefeiert hat, ist seit vielen Jahren vom Pech verfolgt. Zwei Kreuzbandrisse hat er hinter sich, dazu noch zwei Knorpelschäden. Alles Verletzungen, die zu den schlimmsten im Profisport gehören. Kittels beide Kniegelenke sind im Sinne des Wortes vorgeschädigt. 52 Bundesligaspiele hat er für die Eintracht bestritten, dabei drei Tor erzielt. Da sind nicht viele Einsätze, aber in Anbetracht der Verletzungsausfälle auch nicht so wenige. Sonny Kittel hat sich immer wieder heran gekämpft, hat nie aufgegeben, hat die Schinderei in der Reha immer mit dem Ziel durchgezogen, sich seinen Traum vom Profifußball weiter erfüllen zu können. Und wenn er dann mal wieder auf dem Platz stand, wenn er zurückkehrte aus den Fitness- und Rehastudios, strahlte er immer Optimismus aus. „Ich spiele einfach gerne Fußball“, hat er zuletzt im Winter wieder gesagt, als er zurückgekehrt war, „ich freue mich auf jeden Tag.“

Auch unter Niko Kovac erhielt er seine Chancen. In Erinnerung ist das Spiel bei Bayer Leverkusen am 16.April, als er eine Chance der Kategorie „hundertprozentig“ zur Führung vergeben hat. „Den hätte er machen müssen“, hatte Kovac damals gesagt. Es wäre die Führung für die Eintracht gewesen, am Ende hatte eine 0:3-Niederlage gestanden. Danach hat Kittel nur noch einmal gespielt, eine Woche später beim 2:1 gegen Mainz wurde er noch einmal eingewechselt, dann war Schluss. In Darmstadt, gegen Dortmund und in Bremen hatte er keine Einsatzminuten mehr. Dann kamen die Relegationsspiele und ein kleiner Eklat. Als Kittel vor dem Hinspiel erfuhr, dass er nicht im Kader stehen würde, war er, so wird es berichtet, erbost und fuhr enttäuscht nach Hause. Eine aus der Enttäuschung heraus vielleicht verständliche, aber im Sinne des Teamgeistes keine sonderlich kluge Reaktion. Klar, das Kovac Kittel auch fürs Rückspiel nicht nominierte. Immerhin, der Krach blieb weitgehend intern. Es wurde kommuniziert, dass der junge Mann erkrankt sei. Das war wohl geschwindelt, um keine unnötigen Schlagzeilen zu produzieren.

Ein paar Tage nach der Rettung wurde Kittel dann mitgeteilt, dass die Zeit bei „seiner“ Eintracht zu Ende gehen wird. Dabei war ihm im Laufe der Saison durchaus Hoffnung auf eine Vertragsverlängerung gemacht worden. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hatte Kittel und dem ebenfalls schwer verletzten Johannes Flum kurz vor Weihnachten noch gesagt: „Wir lassen die Jungs nicht im Stich, sie können sich auf uns verlassen.“ Für Kittel gilt das nun nicht mehr.

Für Flum aber sehr wohl. Die Eintracht hat dem 28 Jahre alten Mittelfeldspieler, der sich am 1.Dezember letztens Jahres einen Bruch der Kniescheibe zugezogen hat und erst seit Mitte April wieder im Training steht, ein neues Angebot unterbreitet. Sind letzte Details geklärt, wird der ehemalige Freiburger dieses Angebot annehmen und bei der Eintracht bleiben.

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