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Spielt David Abraham (rechts) wieder, oder entscheidet sich Trainer Adi Hütter, weiter auf Marco Russ zu setzen? Egal wie, jubeln wollen die EIntracht-Spieler nach der Partie gegen Düsseldorf so oder so.

Eintracht Frankfurt

Im Spiel gegen Düsseldorf nur nicht nachlassen

Eine rauschende Ballnacht wie gegen Lazio Rom muss es nicht sein, aber ein Sieg soll es schon werden, wenn die Eintracht am Freitag Friedhelm Funkels Fortuna erwartet.

Nach der mit neun Punkten hübsch vergoldeten Festspielwoche und dem anschließenden kollektiven Durchatmen in der Länderspielpause steht für die zurzeit ziemlich hoch fliegenden Fußballer von wieder Kärrnerarbeit an. Sie eröffnen morgen den achten Bundesliga-Spieltag, der Kontrahent: Fortuna Düsseldorf, ein Aufsteiger, Tabellenvorletzter, fünf Punkte, 5:11 Tore, die letzten drei Partien gingen alle verloren. 0:2 gegen Schalke, 0:3 in Nürnberg, 1:2 gegen Leverkusen. Das ist nicht so wirklich prickelnd. Die Eintracht hingegen hat ihre letzten drei Pflichtspiele souverän und ansehnlich gewonnen. 2:1 in Sinsheim gegen Hoffenheim, 4:1 gegen Lazio Rom, 4:1 gegen Hannover 96, macht neun Punkte und 10:3 Tore. Die Hessen kratzen an den Europapokalplätzen. Was soll da am Freitagabend unter Flutlicht gegen den Neuling aus dem Rheinland schon schiefgehen?

Die breite Öffentlichkeit erwartet gegen einen Neuling, der sogar schon tief nach unten in den Keller gerutscht ist, vielleicht keine rauschende Ballnacht wie jene gegen Lazio, aber ein Sieg sollte schon herausspringen. Er muss ja nicht mal besonders hoch sein, so 2:0 würde reichen. Doch so einfach ist das logischerweise nicht. Die Fortunen werden ihr Heil nicht in bedingungsloser Offensive suchen, im Spiel nach vorne sind sie ohnehin nicht allzu gefährlich. Gegen einen gut verteidigenden Gegner aber kann man sich schon mal die Zähne ausbeißen, zumal die Eintracht auch nicht so viele Räume bekommen wird. Sie wird erneut einen hohen Aufwand betreiben, den Gegner attackieren, beschäftigen und zu Fehlern zwingen müssen. Und die Frankfurter werden wieder eine gewisse Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen müssen, vor dem Tor waren sie bisher extrem effizient.

Nach Borussia Dortmund haben sie die beste Chancenverwertung der Liga, aus 28 Möglichkeiten machten sie zwölf Tore. Das ist herausragend gut. Die Zahl der Torchancen ist es freilich nicht, weniger als 28 Gelegenheiten hatte kein anderes Team, nicht mal die Aufsteiger Nürnberg (31) oder Düsseldorf (32.). Daran wird die Eintracht arbeiten, denn auch wenn die Stürmer eine hohe Qualität haben und etwa Luka Jovic ein Vollstrecker erster Güte ist, so gibt es keine Garantien, dass es so weitergeht wie bisher. Und die Gleichung ist einfach: Die Wahrscheinlichkeit, mehr Tore zu schießen, steigt durch eine höhere Anzahl an Möglichkeiten.

Gegen die Rheinländer wird zudem Pokalheld Ante Rebic fehlen, nach seiner Gelb-Roten Karte in Sinsheim ist er gesperrt. Und die Frankfurter sollten ihren Defensivverbund weiter festigen, das wurde zuletzt deutlich besser. In den vergangenen drei Partien kassierten sie nur drei Gegentreffer. Für Torhüter Kevin Trapp trotzdem zu viel, er ärgert sich darüber, dass er in acht Pflichtspielen kein einziges Mal eine weiße Weste bewahren konnte. Beim einzigen Spiel ohne Gegentreffer (gleich zu Saisonbeginn 2:0 in Freiburg) hütete noch Frederik Rönnow, aktuell die Nummer zwei, den Kasten.

Natürlich hat die klar verbesserte Abwehrarbeit auch etwas mit der Rückkehr zur Dreierkette und dem zuletzt überragenden Makoto Hasebe zu tun. Interessant ist aber allemal, dass die letzten drei überzeugenden Erfolge in Abwesenheit des Kapitäns David Abraham und mit dem alten Haudegen Marco Russ eingefahren wurden. Abraham ist wieder fit. Heißt das auch, dass er automatisch wieder in die Deckung rutscht? Kann so kommen, muss aber nicht. Der 32-Jährige spielt bisher keine gute Saison, wackelt auffällig häufig. Und seine Spieleröffnung, ohnehin nicht seine Stärke, ist in dieser Runde doch arg verbesserungswürdig. Marco Russ hat indes sehr ruhig und abgezockt gespielt, obzwar er, im Gegensatz zu Abraham, nicht der Schnellste ist.

Für die Eintracht ist die Partie gegen Friedhelm Funkels Fortuna der Auftakt zu drei Wochen, die wegweisend sein können. Die kommenden Gegner sind zumindest von der Papierform her schlagbar. Nach dem Düsseldorf-Spiel trifft die Eintracht im eigenen Stadion in der Europa League auf Apollon Limassol, anschließend geht es nach Nürnberg, Stuttgart und auf Zypern erneut gegen Limassol. Zum Abschluss, bevor es am 12. November in die nächste Länderspielpause geht, kommt Schalke 04 nach Frankfurt. Die Gelsenkirchener haben bisher auch nicht unbedingt die Sterne vom Himmel gespielt.

In den kommenden Wochen kann die Eintracht die Weichen stellen, sich in der Liga von den Abstiegsrängen absetzen, sich vielleicht noch weiter nach oben orientieren und international den Einzug ins Sechzehntelfinale perfekt machen. In einer Gruppe mit den Schwergewichten Olympique Marseille und Lazio Rom wäre das eine nicht hoch genug zu bewertende Leistung. Doch noch ist das graue Theorie, und Trainer Adi Hütter hat vorsorglich mahnende Worte gesprochen: „Wenn wir zehn Prozent nachlassen, wird es schwierig.“

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