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Stadt Darmstadt sperrt Eintracht-Fans aus

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Fans von Eintracht Frankfurt - Eintracht Frankfurt  vs. 1. FSV Mainz 05, Commerzbank Arena
Fans von Eintracht Frankfurt - Eintracht Frankfurt vs. 1. FSV Mainz 05, Commerzbank Arena © Marc Schüler

Fans von Eintracht Frankfurt dürfen nach einem Urteil des DFB-Sportgerichts keine Karten für das Spiel gegen Darmstadt 98 am Samstag kaufen. Die Stadt Darmstadt verbietet Fans jetzt, in die Innenstadt zu kommen. Rechtsanwälte glauben, dass dies nicht haltbar ist.

Anhänger der Frankfurter Eintracht dürfen von Freitag, 19 Uhr, bis Sonntag, 7 Uhr, die erweiterte Darmstädter Innenstadt nicht betreten. Dies hat die Darmstädter Stadtregierung gestern verfügt und gibt dadurch der Polizei die Möglichkeit, alle infrage kommenden Personen aus dem Sperrgebiet zu verweisen. Im Stadion am Böllenfalltor findet am Samstag, 15.30 Uhr, das Hessenderby der Fußball-Bundesliga zwischen Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt statt. Beim Hinspiel hatten Eintracht-Fans im Frankfurter Stadion Fahnen der „Lilien“ verbrannt und durften deswegen nach einem Urteil des DFB-Sportgerichts auch keine Tickets fürs Rückspiel kaufen.

Kaum war das jüngste Verbot bei einer Pressekonferenz in Darmstadt verkündet worden, liefen Eintracht-Fans Sturm gegen diese Entscheidung, die Darmstadts Ordnungsdezernent Reißer damit begründete, „dass den Bürgern der Innenstadt das größtmögliche Maß an Sicherheit zu Teil wird“. Man hatte damit gerechnet, dass bis zu 3000 Eintracht-Fans auch ohne Eintrittskarten die rund 30 Kilometer Richtung Süden fahren wollten.

Nicht nur die Fans, auch die Verantwortlichen der Eintracht reagierten zumindest „verwundert“, wie Pressesprecher Jestaedt erklärte, auf dieses Verbot: „Wir wurden zuvor von dieser Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt, haben es durch eine Pressemitteilung erfahren.“ Und das einen Tag vor der üblichen Sicherheitsbesprechung mit Vertretern aus beiden Städten heute. Jestaedt: „Da werden wir schon fragen, warum dieser Weg gewählt wurde.“

Stefan Minden, Rechtsanwalt und Vizepräsident des Vereins Eintracht Frankfurt, wurde deutlicher: „Ich halte diese Allgemeinverfügung für rechtlich nicht haltbar.“ Damit würde man ja jedem Eintracht-Anhänger unterstellen, dass von ihm eine Gefahr ausginge. Hier werde „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“. Außerdem fragt sich Minden, warum das Verbot erst so kurz vor dem Spiel ausgesprochen wurde. Schließlich sei spätestens seit dem Hinspiel im Dezember bekannt gewesen, dass es sich um ein Hochrisikospiel handelt. Nun liege der Verdacht nahe, dass die Stadt Darmstadt hofft, dass eventuelle Anträge auf eine einstweilige Verfügung vom Verwaltungsgericht Darmstadt nicht mehr vor dem Anpfiff entschieden werden.

Stefan Otto, ebenfalls ein Frankfurter Rechtsanwalt, sprach von einem „absolut unangemessenen Verwaltungsakt“, der unter anderem gegen das Grundrecht der Reisefreiheit verstoße. Außerdem stellte er die Frage, wie die Polizei Eintracht-Anhänger zweifelsfrei erkennen kann: „Was passiert mit Eintracht-Fans, die in Darmstadt wohnen? Werden die von Freitag bis Sonntag aus der Stadt gejagt?“ Schon ein „Adler“-Aufkleber auf dem Fahrzeug könnte für die Beamten reichen, um einzugreifen. Bernd Denninger, Einsatzleiter der Darmstädter Polizei, ist sich dagegen sicher, die Anhänger durch Fanutensilien „oder durch ihr Verhalten“ zu erkennen. Denninger wird einen der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Darmstadts leiten.

Im November 2012 hatte die Stadt Fürth vor dem Frankenderby gegen den 1. FC Nürnberg übrigens mit einer ähnlichen Verfügung versucht, Club-Fans aus der Stadt zu halten. Doch das Verwaltungsgericht Ansbach hatte dieses Verbot aufgehoben. Die Anordnung sei unverhältnismäßig, urteilten die Juristen. Sport Seite 7

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