+
Prima Schusstechnik, aber hält auch die Achillessehne? Eintracht-Stürmer André Silva. 

Europa League

Das frühe Endspiel für Eintracht Frankfurt

  • schließen

Eintracht Frankfurt will den Schwung aus der Liga in die wichtige Partie gegen Standard Lüttich mitnehmen.

Der so spektakuläre wie gleichermaßen elegant herausgespielte 3:0-Triumph über Bayer Leverkusen, alles andere als Laufkundschaft, am vergangenen Freitag war genau der richtige Brustlöser für die Wochen der Wahrheit bei Eintracht Frankfurt. Denn es geht jetzt Schlag auf Schlag, ein wegweisendes Spiel löst das nächste ab, alle drei Tage sind die Hessen am Ball, da tut ein wenig frisch getanktes Selbstbewusstsein gut. 

„Wir wollen die Stimmung und das Gefühl vom Freitagabend mitnehmen“, blickt etwa Mittelfeldspieler Djibril Sow mit einem positiven Gefühl auf die Begegnung morgen in der WM-Arena (21 Uhr, live bei RTL Nitro) gegen Standard Lüttich. Es geht nun ans Eingemachte, schon am dritten Spieltag in der Gruppe F steht fast schon ein Endspiel an, zumindest sollte die Eintracht es tunlichst vermeiden, die Partie gegen den belgischen Spitzenklub im eigenen Stadion in den Sand zu setzen. Über die Bedeutung dieser Europa-League-Partien macht sich Trainer Adi Hütter keine großen Illusionen: „Das sind Schlüsselspiele.“

SGE kann Gruppenzweiter hinter Arsenal werden

Am morgigen Donnerstag und 14 Tage darauf, am 7. November in Lüttich, entscheidet sich aller Wahrscheinlichkeit nach, wer hinter dem FC Arsenal als Gruppenzweiter ins Sechzehntelfinale einzieht und in diesem Wettbewerb überwintern darf. Im Grunde müssten die Hessen in den beiden Spielen gegen den belgischen Vertreter, aktuell Zweiter hinter Spitzenreiter FC Brügge in der heimischen Jupiler Pro League, vier Punkte aufs Konto schaufeln, um einigermaßen zuversichtlich in die letzten beiden Spiele in London und in Frankfurt gegen Vitoria Guimaraes (am 12. Dezember) zu gehen. In diesem letzten Spiel könnte die Qualifikation für die K.o.-Runde dann eingetütet werden. So weit die graue Theorie. Oft kommt es ja ganz anders als vorgesehen, kein Mensch zum Beispiel hätte gedacht, dass die Eintracht die Leverkusener nach allen Regeln der Kunst schon vor der Pause auseinandergenommen hätte.

Für Eintracht Frankfurt geht es auch darum, wieder ihre – fast – makellose Heimserie aufzupolieren. Bis zur 0:3-Niederlage gegen den FC Arsenal waren die Hessen in 16 internationalen Heimspielen unbesiegt geblieben, einerlei ob der FC Porto, Newcastle United, Inter Mailand, Lazio Rom, Olympique Marseille, Benfica Lissabon oder der FC Chelsea zu Gast waren. Im eigenen Stadion sind die Frankfurter eine Macht, da können sie – mit der Unterstützung ihrer frenetischen Zuschauer – just diese Wildheit, Ungezähmtheit und Bissigkeit ausspielen, die sie so stark gemacht hat.

Standard Lüttich verfügt über zweitbeste Hintermannschaft

Ein Schlüssel zum Erfolg dürfte erneut auf den Flügeln liegen. Das Spiel über die Außen, in erster Linie über das zügellose PowerpaketFilip Kostic, aber auch Danny da Costa, ist das ganz große Pfund, mit dem die Eintracht auch in dieser Runde wuchern kann. Exakt 151 Flanken haben die Frankfurter in acht Spielen in den Strafraum bugsiert, mehr als jeder andere Klub in der Liga, sechs ihrer bislang 14 Toren resultierten dann aus diesen Hereingaben. Bas Dost und Goncalo Paciencia sind zudem ideale Abnehmer, haben sie ihre Stärken doch in der Luft. Andererseits verfügt Standard Lüttich in dieser Saison über die zweitbeste Hintermannschaft (mit neun Gegentoren in elf Spielen) in Belgien, lediglich Tabellenführer FC Brügge steht hinten noch stabiler (drei).

Interessanterweise spielen beide Klubs nach dem Auftritt auf der internationalen Bühne in ihren Ligen gegen den jeweiligen Spitzenreiter, die Eintracht spielt am Sonntag bekanntlich bei Borussia Mönchengladbach, Lüttich, vom ehemaligen Weltklassetorhüter Michel Preud’homme trainiert, beim FC Brügge. Und gegen den Royal Football Club de Liège haben die Hessen vor vielen Jahren, 2006, schon einmal in aller Freundschaft gespielt. Im Trainingslager im portugiesischen Portimao, noch unter Trainer Friedhelm Funkel, entwickelte sich alsbald eine knüppelharte Partie. Der Brasilianer Chris musste nach einem Ellbogenschlag an der Augenbraue geklammert werden, Ioannis Amanatidis geriet bald mit Gegenspieler Oguchi Onyewu derart hitzig aneinander, dass der Schiedsrichter beiden Trainern die Auswechslung der Streithähne empfahl. Lang ist’s her.

SGE-Trainer Hütter wird rotieren

Zweimal in ihrer jüngeren Geschichte hat die Eintracht erst gegen belgische Teams international gespielt, in allen vier Spielen gegen KV Mechelen (1988/89), jeweils 0:1, und KAA Gent (1991/92), 0:0 und 0:1, brachte sie das kleine Kunststück fertig, kein einziges Tor selbst zu erzielen. Das sollte sich morgen ändern.

„Natürlich werde ich rotieren“, hat der Frankfurter Trainer Adi Hütter in der vergangenen Woche mit Blick auf die sieben Spiele in 24 Tagen gesagt. Er kann es sich jetzt auch erlauben, die Mannschaft in Maßen zu ändern; gerade im Mittelfeld hat er ja durchaus Alternativen, die nicht viel schlechter sind als die vermeintliche erste Garnitur – zumal ja auch Dominik Kohr seine Gelb-Rote-Sperre abgesessen hat und wieder zur Verfügung steht. Auch Evan Ndicka hat bewiesen, dass er international tauglich ist, gegen Vitoria Guimaraes hatte der Linksverteidiger das einzige Tor erzielt, er könnte Martin Hinteregger ersetzen. Hütter muss die richtige Mischung finden, einerseits absolute Leistungsträger wie etwa Kostic, Makoto Hasebe, Sebastian Rode, vielleicht sogar Gelson Fernandes, für die defensive Statik enorm wichtig, nicht zu überfordern, andererseits das Team auch nicht nachhaltig zu schwächen. Diese Balance zu finden ist die Kunst.

Ob André Silva nach seinen Achillessehnen-Problemen schon wieder so weit ist, im Angriff für Furore zu sorgen, ist offen. Womöglich will Hütter ja auch nicht das neue „Traum-Duo“ im Sturm auseinanderreißen, Bas Dost und Goncalo Paciencia. Aber im Grunde harmonieren die Drei auch in unterschiedlicher Konstellation.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare