+
Begehrter Redner: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann ist zurzeit ein gefragter Mann. Auch eine Folge des sportlichen Erfolgs.

SGE

Strategie, Internationalisierung und Digitalisierung: Eintracht Frankfurt wappnet sich für die Zukunft

Das Image der Frankfurter Eintracht hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Das beweist auch die Tatsache, dass Eintracht-Vorstand Axel Hellmann jetzt beim Marketing Club Frankfurt sprach.

Frankfurt - Was tut ein stolzer Marketing Club, noch dazu der größte Regionalverein im Land, wenn er das neue Jahr mit etwas Verspätung öffentlicht begrüßt? Er holt sich die stärkste Marketingmaschine der Stadt herbei, um seine Mitglieder beim Neujahrsempfang in optimistische Grundstimmung zu bringen. Ungefähr 330 Gäste waren gekommen, um den Worten des Marketingvorstands von Eintracht Frankfurt zu lauschen. Man kennt sich und man schätzt sich: Axel Hellmann, 47, als operativer Eintracht-Mann der Hauptredner, und Claudio Montanini, 54, als Präsident des Marketing Club Frankfurt der Gastgeber und nebenbei Aufsichtsratsmitglied des Frankfurter Vorzeigevereins, der nicht immer ein Vorzeigeverein war. Es gab Zeiten, da hätte der Marketing Club nicht im Traum daran gedacht, einen Vertreter der Eintracht als gefeierten Redner zu laden, zu sehr war dieser Verein herabgewirtschaftet.

Eintracht Frankfurt: Hellmann hat vieles richtig gemacht

Hellmann hat eine Menge richtig gemacht in den vergangenen Jahren. Und wer so viel richtig gemacht hat, kann es sich durchaus leisten, auch mal ein wenig dicker aufzutragen, salbungsvoll von „in der Bundesliga einmaligen Leidenschaft“ und „emotional-magnetischer Kraft“ zu sprechen, die dieser Verein als „heilige Lebensgemeinschaft“ entfaltet habe, oder davon, dass Eintracht Frankfurt fraglos der „der größte emotionale Reaktor der Region“ sei, auch davon, dass es sich beim Wappenadler Attila um ein Tier handele, „das Würde und Stolz und Größe ausstrahlt“. Genau danach, nach Würde, Stolz und Größe, habe man sich „bei uns in dunklen Zeiten immer gesehnt“.

Lesen Sie auch: Eintracht Frankfurt startet kostenlosen Service für Fans mit Mobilitätseinschränkungen

Dass diese düsteren Stunden, die der Eintracht im Sommer 2002 um ein Haar gar die Lizenz gekostet hätten, überwunden wurden, gehört zur DNA des Traditionsvereins. Wobei Hellmann Tradition als einen Wettbewerbsvorteil ansieht, „den Eintracht Frankfurt immer haben wird“. Tradition sei gleichwohl keinesfalls mit Romantik gleichzusetzen, tatsächlich lassen sich in der sportlichen Geschäftsausrichtung des Klubs ja auch keine romantischen Züge mehr erkennen. Hellmann erklärte den Strategiewechsel von einem Kader mit möglichst vielen deutschen Spielern, die möglichst lange im Verein bleiben, zu einem internationalen Aufgebot, in dem „eine höhere Fluktuation nicht schlimm“, sondern sogar gewollt sei. Genau dieses Dynamik, bezeugte Marketingmann Montanini, passe wunderbar zu Frankfurt als Schmelztiegel und „Deutschlands Jobrotationsmaschine“ schlechthin.

Die Eintracht“, jubelte Montanini, habe sich „aus regionaler Bekanntheit zu einem internationalen Klub entwickelt“ und etwa Frankfurts Bemühungen um des Brexits müde Londoner Banker im Standortmarketing beflügelt. Und dann wurde der Marketing-Club-Präsident grundsätzlich: „Was die Elbphilharmonie für Hamburg ist, könnte die Neue Oper für Frankfurt sein. Dazu gehören aber auch die vieldiskutierte Multifunktionshalle, die ein Sport- und Entertainmenttempel sein könnte, sowie eine größere und aufgewertete Arena für den mitreißenden Europafußball von Eintracht Frankfurt.“

Der Doppelpass mit Hellmann funktionierte wunderbar, der Eintracht-Vorstand nahm den Ball auf und beschrieb seine Digitalisierungsstrategie keinesfalls kleinmütig. Im Gegenteil; die Eintracht wolle „der digitalste Bundesligist werden“. Dazu sei es vonnöten, „über das Stadion und unsere bisherigen medialen Angebote hinauszudenken.“ Die Entwicklung eines „eigenen digitalen Ökosystems“ sei „total zentral“. Der Status quo sieht jedoch noch betrüblich aus: Die Arena im Stadtwald habe in ihrem derzeitigen Zustand kaum „digitale Lebensfunktionen“, monierte Hellmann, die Eintracht habe deshalb einen 30-Punkte-Katalog an die Stadt übermittelt und sei ihrerseits bereit, 30 Millionen Euro zu investieren, „um das Stadion zukunftsfähig zu machen“.

Eintracht Frankfurt will Abstand beim Privatfernsehen aufholen

Entscheidend sei es, mutig voranzugehen. „Eintracht Frankfurt hat erst das Privatfernsehen verschlafen und später die Einführung des Pay-TV“, in beiden Phasen seien Konkurrenten „durch die Decke gegangen – jetzt wollen wir diesen Abstand wieder aufholen“. Die ersten Schritte sind getan, vor allem der DFB-Pokalsieg hat für einen Boom gesorgt, unter anderem sind allein 2018 nicht weniger als 17 500 neue Mitglieder in den Verein eingetreten, eine beispiellose Dynamik, bald sind es insgesamt 80 000.

Auch interessant: Eintracht Frankfurt: Timothy Chandler drängt nach seiner Zwangspause zurück in die Mannschaft

„Wir haben“, so Hellmann, „zuletzt sportlich überperformt, jetzt müssen wir den wirtschaftlichen Anschluss schaffen.“ Dazu gehöre eine internationale Vernetzung. Die USA sind dabei neben China ein Kernmarkt, „wir werden ein Büro in New York eröffnen“, zudem kooperiert die Eintracht mit einer Highschool in der Autobauer-Stadt Detroit. Die Dependance in Peking (China) wurde im Herbst eröffnet. Dort gibt es Kooperationen mit der Sportuniversität Peking und dem chinesischen Universitätssportverband. Man sehe sich hier wie dort auch als Repräsentant der Stadt Frankfurt. Das hörten die Gäste des Marketing Clubs gerne. Es gab reichlich Beifall.

von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare