Eintracht Frankfurt

Taktiktafel: Eine Kopie ohne Tempowechsel

  • VonRoland Stipp
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Ob am Stammtisch oder in den Redaktionen, es wird viel und gerne über taktische Grundordnungen diskutiert. Die sind aber nur einer von vielen Aspekten des Fußballs. Die Partie zwischen der Eintracht und Mainz hat gezeigt, dass es eine noch wichtigere Rolle spielt, welche Bereitschaft die Spieler an den Tag legen.

Beide Trainer beschäftigten sich nach dem relativ lockeren 3:0-Sieg der gegen kaum ernstzunehmende Mainzer nicht zufällig mit Einstellungsfragen. Vor allem Sandro Schwarz hatte da natürlich Redebedarf. Seine „Nullfünfer“ hatten so gar nicht den Eindruck erweckt, sich gegen die Niederlage stemmen zu wollen. Von Leistungsbereitschaft sei wenig zu sehen gewesen, meinte der Coach. „Leistung bedeutet ja, immer mit maximaler Intensität bei der Sache zu sein und bei Tempowechseln im Spiel auch in den Schrittwechsel hineinzukommen. Und zu Leistung gehört die optimale Körperspannung. Das hat man bei uns vermisst“, urteilte Schwarz. Recht hatte er.

Viel zu zögerlich

Man konnte sich von Beginn an nur wundern, wie zögerlich die Mainzer anliefen, wenn die Eintracht hinten heraus spielte. Die Spitzen Quaison und Ujah kamen zwar durchaus bis in die Mitte der gegnerische Hälfte nach vorne, liefen aber immer wieder zu spät los oder bremsten viel zu früh ab.

Energisches Forechecking sieht jedenfalls anders aus. Und so lief es auf der einen Seite ganz anders als auf der anderen, obwohl doch die taktische Grundordnung der Mainzer eine ziemlich genaue Kopie dessen war, was die Eintracht seit Wochen spielt – nur eben mit einer ganz anderen Intensität. Und dabei spielt es keine Rolle, wer dieses System erfunden oder zuerst gespielt hat – Ähnlichkeiten in derlei Dingen liegen in der Natur der Sache.

An der Taktik ließ sich die Schwäche der Mainzer also nicht festmachen. Wobei es ein taktisches Schmankerl schon noch gab: In der Pause stellte Mainz auf ein 4-2-3-1-System um – und die Eintracht auch. Es sah fast aus, als hätten sich beide Trainer abgesprochen oder der eine den anderen belauscht. Jedenfalls wurde so ein zusätzlicher Beweis dafür geliefert, was Sandro Schwarz zum Thema Leistungsbereitschaft zu sagen hatte. Wieder war ja die Grundordnung identisch und wieder spielte nur eine Mannschaft druckvoll und wurde regelmäßig torgefährlich; und das war nicht Mainz.

Eine Überwindungssache

„Fußball ist keine Einstellungssache, sondern Überwindungssache. Es ist ja nicht so, dass man von Anfang an die falsche Einstellung hat und larifari in ein Spiel hinein geht. Man nimmt sich schon vor, alles umzusetzen und sich zu zerreißen. Aber was wir brauchen ist die Bereitschaft, in jede Situation alles reinzulegen. Und zwar gerade dann, wenn es nicht läuft, wenn Dinge passieren in einem Spiel, die man nicht will. Es gilt, sich gegen Widerstände zu wehren und dran zu bleiben, sich zu überwinden. Das ist Fußball. Und das hatte Frankfurt und Mainz hatte es nicht.“ Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Eines noch zu Niko Kovac, der die Gelegenheit nutzte, mit einem offenbar verbreiteten Vorurteil aufzuräumen, das seine Idee von Fußball betrifft. Ob denn ein Plan dahinter gesteckt habe, dass seine Mannschaft weniger oft mit hoch und weit nach vorne geschlagenen Bällen agiert habe als zuletzt, wurde er nach dem Spiel gefragt.

Ein bisschen schmunzelte der Erfolgscoach da und ein bisschen wurmte ihn die Sache wohl auch. Unter ihm sei es jedenfalls, das könne er garantieren, nie der Plan gewesen, hohe Bälle auf die Stürmer zu spielen. Dass das doch vorkomme, habe einen einfachen Grund: „Wenn sie einen Langen vorne drin haben, denken doch wirklich alle, sie müssten die Bälle auch hoch bringen.“ Die neun Zentimeter Unterschied zwischen Luka Jovic (1,81 Meter) und dem diesmal nicht eingesetzten Sebastien Haller (1,90) machen also offenbar einen großen Unterschied – und haben auch nicht viel mit Taktik zu tun.

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