Eintracht Frankfurt

Taktiktafel: Eintracht mit einigen Hausaufgaben für die Winterpause

  • VonRoland Stipp
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Eintracht Frankfurt darf nach dem 2:1 in Heidenheim weiter vom Pokalsieg träumen. Zusammen mit dem achtbaren Abschneiden in der Fußball-Bundesliga kann man dem Team von Trainer Niko Kovac also ein gutes Halbjahreszeugnis ausstellen. Woran es zu arbeiten gilt, wurde im letzten Spiel 2017 aber auch noch einmal deutlich.

Was die Torvermeidungsstrategie angeht, muss sich die Eintracht vor kaum einem Gegner mehr verstecken. Das Spiel mit einer der Situation angepassten Dreier- bis Fünfer-Abwehrkette funktioniert längst richtig ordentlich, notfalls spielen auch mal sechs oder sieben Mann auf einer Höhe. Die Vorteile des Verteidigens auf einer Linie weiß die Mannschaft von Niko Kovac bestens zu nutzen und das defensive Umschalten funktioniert so, wie sich der Trainer das ausgedacht hat – aus drei Verteidigern werden schnell zumindest vier oder fünf, wenn sich der Gegner dem Tor nähert. Gut ist auch, wie die zentralen Mittelfeldspieler helfen, das Ganze zu stabilisieren. Und die Angreifer arbeiten ebenfalls viel nach hinten mit, das muss man sagen. Kein Wunder also, dass es nicht leicht ist, gegen diese Mannschaft einen Treffer zu erzielen. So weit, so gut.

Verteidigen ist aber eben nur die eine Hälfte des Fußballs, Angreifen gehört auch dazu. Und für die erste Phase des Angriffs, den Aufbau in der eigenen Spielfeldhälfte, hat die Eintracht noch kein schlüssiges Konzept vorzuweisen. Was gegen Heidenheim wieder deutlich wurde. Die Probleme von Kovacs Team im Spiel mit Ball wurden besonders offenbar, weil hier ein klassentieferer Gegner weit zurückgezogen wartete, die Übergangszone von der Mittellinie bis rund 25 Meter vor dem eigenen Tor extrem verengte und mit einfachsten Mitteln die Schwäche der Frankfurter aufdeckte, was den sicheren Balltransport nach vorne angeht.

Die fehlende Breite

Das fing schon mit der fehlenden Breite im Spiel der drei Verteidiger an. Russ, Hasebe und Salcedo standen viel zu eng beieinander und konnten so von den Heidenheimer Angreifern oft so unter Druck gesetzt werden, dass sie keine Zeit fanden, einen Mitspieler in der Übergangszone anzuspielen (siehe Grafik). Deshalb ging es oft früh auf die Flügel zu Marius Wolf oder Jetro Willems, die weit zurückhängen mussten, um für diese Pässe anspielbar zu sein. Auch sie konnten deshalb von den Hoffenheimer Angreifern immer wieder attackiert werden, selten einmal aufdrehen und Raum gewinnen.

Nach wenigen Minuten machte Heidenheims Trainer Frank Schmidt die Sache zusätzlich kompliziert für die Eintracht, indem er Stürmer Verhoek den zentralen Verteidiger Hasebe zustellen ließ, Spielverlagerungen der Eintracht also zusätzlich erschwerte. Wobei: Das hatten die Frankfurter schon selbst ganz gut hinbekommen, indem sie im Spielaufbau allzu oft auf einer Linie standen.

Nur wenn Hasebe mal ein paar Meter nach vorne und damit in den Rücken der beiden Angreifer lief, besserte sich die Situation – doch das kam viel zu selten vor. Ein weiterer Kniff, gegen den die Eintracht kaum einmal eine Lösung fand, war das konsequente Formen eines Abwehrdreieicks im Mittelfeld durch die Heidenheimer. Griesbeck oder Tisch-Rivero schoben immer wieder so weit nach vorne, dass der sich anbietende zentrale Mittelfeldspieler der Eintracht (Gacinovic oder Boateng) kaum anspielbar war. Ins Zentrum Bewegung hinein zu bekommen, wenn Heidenheim geordnet stand, war der Eintracht nicht gegeben.

Aufbau mit Ausdauer

Sie musste immer wieder außen herum spielen, was nun einmal länger dauert und dem Gegner Zeit gibt, sich immer wieder neu zu stellen. Und so stand es nach 90 Minuten 0:0, und hätte es nicht eine falsche Abseitsentscheidung zuungunsten des Zweitligisten gegeben, wäre der Pokaltraum geplatzt gewesen.

Niko Kovac und seine Mitarbeiter haben das alles natürlich auch gesehen, wissen bestens über Stärken und Schwächen ihres Teams Bescheid und haben dementsprechende Pläne für die Vorbereitung sicher schon in der Tasche. Weil, das ist ja das Gute: Spielaufbau und fußballspezifische Ausdauer lassen sich bestens zusammen trainieren nach einer kurzen Winterpause.

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