Eintracht Frankfurt vergeigt Rückrunde

Der tiefe Fall der Frankfurter Eintracht

  • VonStefan Swoboda
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In der Abwehr brennt es ebenfalls lichterloh. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Die Adler stellen zurzeit die schlechteste Defensive der Liga. Schon 60 Buden kassierte die SGE und hat damit beste Chancen, am Ende der Saison den inoffiziellen Titel «Schießbude der Liga» verliehen zu bekommen. Das ist schlichtweg bundesligauntauglich. Lediglich die Teams aus Bremen und Paderborn (je 59 Gegentore) sowie der VfB Stuttgart (58 Einschläge) verteidigen ähnlich schlecht.

Die Frankfurter Eintracht stolpert seit Wochen von einer Katastrophe in die nächste. Von der Aufbruchsstimmung im vergangenen Herbst ist nichts als eine blasse Erinnerung geblieben. Der aktuelle Alltag besteht aus Durchhalteparolen und fiesen Hiobsbotschaften. Nach der Tragödie um Sonny Kittel, dem Aus von Alexander Meier und den brutal schwachen Auftritten in der Rückrunde ist die Luft am Riederwald endgültig raus. Das merkt man jedem an, der den Adler im Herzen trägt.

Thomas Schaaf betonte nach der Winterpause, dass die Eintracht einen positiven Weg eingeschlagen habe. Damals hatte er Recht. In der Hinrunde stürmten die Fußballer aus der Mainmetropole auf den neunten Tabellenplatz, holten 23 Punkte und begeisterten phasenweise ganz Fußball-Deutschland mit tollem Offensivfußball. Sogar die Qualifikation für die Europa-Liga schien drin zu sein. Wenige Monate später muss man leider sagen, dass das Zwischenhoch lediglich den absoluten Supergau verhindert hat.

Grausame Bilanz

Die aktuelle Bilanz der Eintracht liest sich nämlich wie die eines Absteigers. Seit sechs Spielen warten Makoto Hasebe und seine Teamkollegen auf einen Sieg. Auswärts geht bei den Hessen gar nichts mehr. Man muss schon weit zurückgehen, wenn man sich auf die Suche nach dem letzten Dreier in einem fremden Stadion begibt. Das war am 12. Spieltag in Mönchengladbach. Damals gewannen die Adler mit 3:1 im Borussia-Park. Seitdem hagelte es auswärts praktisch nur noch Pleiten, gerade einmal zwei Pünktchen wurden in den letzten zehn Versuchen eingefahren. Damit ist die SGE die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga. Selbst der HSV, der gerade einmal acht Tore auf fremden Plätzen erzielte, rangiert in dieser Statistik mit zwölf Zählern vor der Schaaf-Truppe, die immerhin 20 Treffer verbuchen konnte, damit allerdings nur zehn magere Pünktchen in der kompletten Saison holte.

Dazu kommt der totale Zusammenbruch der Offensivabteilung. Alexander Meier fehlt an allen Ecken und Enden. Ohne den «Fußballgott» herrscht im Sturm die totale Flaute. Seit vier Spielen traf kein Frankfurter mehr ins Schwarze. Das letzte Stürmertor erzielte Haris Seferovic am 26. Spieltag bei der 1:3-Niederlage in Stuttgart. Beim 2:2 gegen Hannover waren noch Alexander Madlung und Stefan Aigner erfolgreich.

Es ist schon fast grotesk, dass die Eintracht zum jetzigen Zeitpunkt statistisch gesehen noch immer über die viertbeste Offensive der Liga verfügt. Immerhin wirkt sich diese Tatsache noch positiv aus: Mit einer Tordifferenz von minus neun haben die Adler nach dem FSV Mainz 05 (ausgeglichene Tordifferenz) und dem 1. FC Köln (minus sechs)  den drittbesten Wert aller Mannschaften, die theoretisch noch absteigen könnten.

Abhängig von einem Trio

Der Blick auf die interne Torschützenliste sorgt dennoch für große Skepsis: 19 Treffer steuerte Alexander Meier bei, Stefan Aigner erzielte neun Tore und Haris Seferovic traf achtmal ins Schwarze. Das Trio kommt also insgesamt auf 36 Treffer. Anders formuliert: Vorne ist die Eintracht von diesen Spielern abhängig, was in der aktuellen Situation für Verzweiflung im Stadtwald sorgt. Aigner plagt sich mit hartnäckigen Oberschenkelproblemen herum und Seferovic konnte in der zweiten Saisonhälfte nicht an die starken Leistungen der Hinrunde anknüpfen. Beide sind aktuell weit von ihrer Topform entfernt. Die dringend benötigten Treffer müssen also andere Spieler erzielen. Aber wer soll das machen? Die restliche Mannschaft hat bislang gerade einmal 15 Tore zustande gebracht. Kaum vorstellbar, dass sich in den letzten Saisonspielen hier noch etwas verändert. Zumal von Nelson Valdez und dem jungen Nachwuchsstürmer Luca Waldschmidt keine Wunderdinge zu erwarten sind. Beide waren lange verletzt, wie so viele andere auch

(Werfen Sie dazu auch einen Blick auf den Infokasten am Ende des Textes)

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Eine Rückrunde zum Vergessen

In der Abwehr brennt es ebenfalls lichterloh. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Die Adler stellen zurzeit die schlechteste Defensive der Liga. Schon 60 Buden kassierte die SGE und hat damit beste Chancen, am Ende der Saison den inoffiziellen Titel «Schießbude der Liga» verliehen zu bekommen. Das ist schlichtweg bundesligauntauglich. Lediglich die Teams aus Bremen und Paderborn (je 59 Gegentore) sowie der VfB Stuttgart (58 Einschläge) verteidigen ähnlich schlecht.

In der Rückrundentabelle rangiert die SGE nach dem 31. Spieltag auf dem 15. Tabellenplatz. Mickrige 13 Punkte holten die Hessen in den bislang 14 Auftritten seit der Winterpause. Schaut man sich die Formkurve der letzten fünf Spiele an, ist die Depression perfekt. Keine andere Bundesliga-Mannschaft verbuchte zwischen dem 27. und 31. Spieltag weniger Punkte auf der Habenseite. Nur zwei Zähler sammelten die Adler in dieser Zeit und liegen damit noch hinter Hannover 96 (drei Punkte) und der TSG 1899 Hoffenheim (vier Punkte) auf dem letzten Platz.

In Bremen wurde wieder deutlich, wie sehr es im Spiel der Eintracht krankt. Keine Struktur, kein Wille, noch weniger Leidenschaft. Die gesamte Mannschaft wirkt wie gehemmt. Vorne fehlt der Vollstrecker, im Mittelfeld die ordnende Hand und in der Defensive ist ein Chef weit und breit nicht in Sicht. Hätte Keeper Kevin Trapp keinen Sahnetag an der Weser erwischt, wäre die Niederlage deutlich höher ausgefallen. Die Eintracht hatte zwar einige Torchancen, vergeigte sie jedoch kläglich.

Auf der nächsten Seite: Ein letzter Mutmacher

Ein letzter Mutmacher

Unter dem Strich muss man sich am Riederwald glücklich schätzen, dass es wenigstens in den Heimspielen noch halbwegs läuft. Bei aller Kritik sollte daher nicht vergessen werden, dass die Mannschaft am nächsten Wochenende gegen die TSG 1899 Hoffenheim ihre Heimserie ausbauen kann. Zum zehnten Mal in Folge könnten die Adler in der Commerzbank-Arena ungeschlagen bleiben. Das ist immerhin ein wenig Balsam auf die geschundene Fanseele. 13 von aktuell 14 eingefahrenen Punkten in der Rückrunde wurrden zuhause geholt. Immerhin drei Heimsiege wurden in den sechs Heimspielen in der Commerzbank-Arena bejubelt. Das ist eine gute Bilanz.

Kevin Trapp appelliert deshalb auch an seine Teamkollegen. «Es ist unsere Pflicht, den Zuschauern etwas zurückzugeben», sagte der 24-Jährige im Hinblick auf die letzten drei Spiele. Neben dem Duell mit der Hopp-Truppe stehen für die Eintracht noch Begegnungen bei Hertha BSC Berlin und schlussendlich gegen Bayer Leverkusen an.

Spannender Sommer steht bevor

Die Planungen für die neue Saison laufen unterdessen auf Hochtouren. Im Prinzip steht bei den Adlern alles auf dem Prüfstand. Auf nahezu jeder Position, Keeper Trapp natürlich ausgenommen, benötigt der Verein dringend eine Blutauffrischung. Dazu muss abgewartet werden, in welcher Verfassung Torgarant Meier nach seiner Verletzung zurückkommt. Der Frankfurter «Fußballgott» ist ja bekanntlich nicht mehr der Jüngste. Eine derartige Torausbeute kann man nicht jedes Jahr von dem mittlerweile 32-jährigen erwarten. Die traditionell klamme Kasse lässt nicht viel Spielraum zu. Pfiffige Lösungen müssen her.

Auf Bruno Hübner kommt viel Arbeit zu . . .

Ausfälle ohne Ende: Das Verletzungsprotokoll der Eintracht

Das Verletzungsprotokoll

der aktuellen Mannschaft

Kevin Trapp:

Der Eintracht-Kapitän erlitt am sechsten Spieltag einen Syndesmosebandriss. Der Keeper kehrte erst am 19. Spieltag zwischen die Pfosten zurück.

Felix Wiedwald:

Der Trapp-Vertreter erkrankte am 15. Spieltag am Pfeifferschen Drüsenfieber und musste einige Wochen pausieren.

Carlos Zambrano:

Mandelentzündung, Außenbandriss im Knie und ein Muskelfaserriss. Der Frankfurter Abwehrchef wurde in der laufenden Spielzeit häufig ausgebremst. .

Stefan Aigner:

Musste sich zu Saisonbeginn einer Arthroskopie unterziehen. Fiel zwischen dem ersten und dritten Spieltag aus. Brauchte lange, um seine Topform zu erreichen. War erst Mitte der Hinrunde wieder richtig fit. Zählte in der Rückrunde zu den Stützen des Teams. Plagt sich seit dem 30. Spieltag mit Oberschenkelproblemen herum, fehlte gegen Dortmund und Bremen.

Aleksandar Ignjovski:

Eine hartnäckige Magen-Darm-Grippe bremste den Neuzugang Mitte der Hinrunde aus. Hinzu gesellte sich eine Oberschenkelzerrung, die den Serben vollkommen aus der Bahn warf. Musste sich schon vor der Saison wegen einer Sprunggelenksverletzung unters Messer legen. Jetzt endlich wieder dabei.

Constant Djakpa:

Hat sich am vierten Spieltag beim Auswärtsspiel auf Schalke das Kreuzband gerissen. Fiel monatelang aus. Ist jetzt wieder zurück.

Marco Russ:

Fiel am 17. Spieltag mit einem Muskelfaserriss aus. Beim Auswärtsspiel in Köln zog er sich eine Meniskusverletzung zu. Das vorzeitige Saison-Aus drohte. Am 31. Spieltag kehrte er überraschend ins Team zurück.

Nelson Valdez:

Der Neuzugang erlitt einen Kreuzbandriss. Zog sich die schwere Verletzung beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg zu. Feierte in der Rückrunde gegen Paderborn sein Comeback.

Marc Stendera:

Der junge Mittelfeldspieler kämpfte sich nach einem im Juli 2013 erlittenen Kreuzbandriss zurück ins Team. Wurde behutsam zu Saisonbeginn aufgebaut und zählt seit Mitte der Hinrunde zu den Stammkräften. Kam aber auch nicht beschwerdefrei durch die Saison. Musste wegen einer Mandelentzündung und Wadenproblemen drei Spiele pausieren.  

Johannes Flum:

Ein Muskelfaserriss setzte ihn am vierten Spieltag außer Gefecht. Hinzu gesellten sich noch muskuläre Probleme, die den Ex-Freiburger vollkommen außer Tritt brachten. Bis zum zehnten Spieltag stand er auf der Verletztenliste.

Sonny Kittel:

Benötigte verständlicherweise lange, um sich von den schweren Verletzungen in seiner jungen Karriere zu erholen. Der Pechvogel, der bereits zwei Knorpelschäden und einen Kreuzbandriss überwinden musste, wurde wie Stendera zum Anfang der Hinrunde wieder aufgebaut. Durfte am zehnten Spieltag endlich wieder Bundesliga-Luft atmen. Spielte sich in der Rückrunde in die Startelf. In Bremen dann der Schock: Kittel riss sich das Kreuzband im linken Knie und zog sich noch eine Verletzung am Innenband zu. Fällt nun wieder sechs Monate aus.

Alexander Meier:

 Erzielte sensationelle 19 Tore, ehe er vom Verletzungspech ausgebremst wurde. Musste wegen Patellasehnenproblemen operiert werden und fällt damit monatelang aus. Fehlt der Mannschaft an allen Ecken und Enden.

Luca Waldschmidt:

Der blutjunge Stürmer, der vor der Saison mit einem Profivertrag ausgestattet wurde, ist dramatisch ausgebremst worden. Die komplette Hinrunde war er mit einer Schambeinentzündung zum Zuschauen verdammt. Jetzt endlich verletzungsfrei. Feierte gegen Dortmund sein Bundesliga-Debüt.

Joel Gerezgiher:

Syndesmosebandanriss in der Hinrunde, Muskelfaserriss in der Rückrunde. Der junge Mittelfeldspieler muss in dieser Saison viele Rückschläge verdauen.

Slobodan Medojevic:

Der Neuzugang fiel am zwölften Spieltag mit einer Erkältung aus.  

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