Alles im Griff: Heinz Lindner gestern bei der eiskalten Vorbereitung auf den Flutlichtauftritt am Freitagabend bei Schalke 04.
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Alles im Griff: Heinz Lindner gestern bei der eiskalten Vorbereitung auf den Flutlichtauftritt am Freitagabend bei Schalke 04.

Eintracht Frankfurt

Torhüter Heinz Lindner ist plötzlich im Fokus

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Der Ausrutscher seines guten Freundes beschert Lindner einen Rollentausch: Weil Hradecky ein Spiel gesperrt wurde, darf der Ersatztorhüter noch einmal zwischen die Frankfurter Pfosten.

Heinz Lindner ist ein freundlicher und höflicher Mensch. Er entschuldigt sich, wenn andere mal auf ihn warten mussten, reicht jedem zur Begrüßung die Hand, hat immer ein Lächeln parat, auch in diesen Tagen, in denen er auf einmal mehr als sonst gefragt ist. In bislang eineinhalb Jahren bei der Frankfurter Eintracht hat der Schlussmann aus Linz selten im Blickpunkt gestanden – weil er die Bank und nicht das Tor gehütet hat. Doch das ist seit dem Samstag anders. Der Ausrutscher seines guten Freundes Lukas Hradecky bescherte diesem einen Platzverweis und Lindner in Leipzig einen plötzlichen Kaltstart in die Bundesliga – und einen weiteren Auftritt auf großer Bühne, am Freitagabend bei Schalke 04. „Jetzt ist der Moment gekommen, auf den ich hingearbeitet habe“, sagt der 27-Jährige. „Das Spiel nehme ich mit, das will ich gut bestreiten.“

Wie es dazu kam, hat er selbst gar nicht richtig mitgekriegt. In der eisigen Arena der Himmelsstürmer von RB Leipzig war er noch so damit beschäftigt, sich auf der Bank einzumummeln gegen die Kälte, als Hradecky nach kaum zwei Minuten bei einem Klärungsversuch außerhalb des Strafraums ausrutschte, sich in der Not den Ball vor einem heranbrausenden Leipziger mit der Hand schnappte – und dafür regelgerecht Rot sah. Gestern sperrte das DFB-Sportgericht ihn für ein Spiel, den Besuch in Gelsenkirchen.

„Lukas hat mir im Flugzeug erzählt, wie es war, und zu Hause habe ich es im Fernsehen gesehen“, berichtet Lindner. „Dumm gelaufen. Das war ein Reflex.“ Viele Torhüter, glaubt er, hätten genauso reagiert: „Das passiert intuitiv.“ Für ihn selbst, der zuvor für die Eintracht nur ein Pokalspiel im August 2015 bestreiten durfte, weil Hradecky da gerade erst verpflichtet worden und noch nicht richtig im Training war, wurde daraus eine Liga-Premiere mit gemischten Gefühlen. Drei Tore kassierte er in dem ungleichen Spitzentreffen in Unterzahl, den ersten gleich nach seiner Einwechslung: Den nach Hradeckys Fehlgriff fälligen Freistoß boxte er weg, beim Nachschuss schliefen die Verteidiger. Lindner aber bewies, dass sich die Eintracht auf ihren Ersatztorhüter verlassen kann, in dem er Schlimmeres verhinderte als das 0:3, das es am Ende wurde.

„Das ist abgehakt. Der Fokus liegt auf Schalke, da wollen wir das wieder hinbiegen“, sagt Lindner. Seine Vorbereitung darauf ändert sich kaum, obwohl alles anders ist als sonst. „Ich muss immer so arbeiten, als ob ich reinkommen könnte, damit ich da bin, wenn die Mannschaft mich braucht“, beschreibt er seine gar nicht leichte Reservistenrolle. Im Training immer alles geben, um doch nur auf der Bank zu sitzen? Das war bis Leipzig Lindners Los, und nach Hradeckys Sperre wird es wieder so sein.

„Lukas ist unsere Nummer eins, er macht das gut“, akzeptiert das der achtmalige österreichische Nationalspieler. „Ich versuche aber damit so umzugehen, dass ich der Mannschaft trotzdem helfe. Ich bin kein Unruhestifter, im Gegenteil, ich versuche, die Stimmung hochzuhalten.“ Mit Hradecky ist er befreundet, obwohl sie Rivalen sind, um den einen Platz zwischen Pfosten. „Ich suche mir meine Freunde nicht danach aus, ob sie sportliche Konkurrenten sind oder nicht“, sagt er. Hradecky wiederum betonte trotz des Ärgers über seinen Platzverweis, wie sehr er sich über Lindners Chance freue. „Das zeigt seinen Charakter“, meint Lindner.

Zufrieden mit seiner beruflichen Situation freilich kann er nicht sein: „Ich bin Profi geworden, um zu spielen.“ Im Sommer läuft der Zweijahresvertrag aus, die Zeichen stehen auf Abschied – auch wenn Lindner sagt, es sei nichts ausgeschlossen, auch der Verbleib in Frankfurt nicht. Ob dieses Spiel nun eine gute Gelegenheit ist, sich ins Schaufenster zu stellen? „Im Vordergrund steht für mich, dass ich der Mannschaft so gut wie möglich helfen will“, sagt er. „Um meinen Vertrag hätte ich mir auch so keine Sorgen gemacht. Das ist ein Bonus: Ich kann zeigen, dass ich ein guter Torwart und zu Recht bei Eintracht Frankfurt bin.“

Der Sommer ist noch weit, jetzt sind die Gedanken auf den Flutlicht-Abend im stimmungsvollen Schalker Stadion gerichtet, seinen ersten Bundesliga-Einsatz von Anfang an. „Für solche Spiele spielst du Fußball“, freut sich Heinz Lindner. Und er ist endlich wieder mittendrin statt nur am Rand dabei.

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