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Eintracht-Trainer Adi Hütter. Foto: dpa

Eintracht Frankfurt

Trainer Adi Hütter honoriert die positive Entwicklung mit einem Kurzurlaub

Nach dem Stolperstart läuft es jetzt bei der Frankfurter Eintracht. Der Glaube an die eigene Stärke ist deutlich spürbar.

Adi Hütter ist offenbar ein Mann, der seine Spieler gut einschätzen kann. Jemand, der weiß, wann er lieber mal Fünfe gerade sein lässt und stattdessen seinem Bauchgefühl vertraut. Nach sieben Pflichtpartien innerhalb von 24 Tagen verzichtete der Trainer von Eintracht Frankfurt am Montag auf das obligatorische Auslaufen am Tag nach einem Spiel und schickte seine Berufskicker lieber direkt in ihren Kurzurlaub.

Sie hatten es sich verdient. Erst am Mittwochnachmittag sollen sich die Nicht-Nationalspieler wieder auf dem Gelände im Stadtwald vorstellen, bis dahin einfach mal abschalten vom hektischen Treiben, vom ganzen körperlichen und mentalen Stress der vergangenen Wochen. Und vom krönenden Abschluss am Sonntagnachmittag mit dem 2:1-Erfolg bei der TSG 1899 Hoffenheim.

Binnen acht Tagen ist in Frankfurt die

Stimmung gekippt

. Die Anspannung, ja auch die vorhandene Verunsicherung vor dem so wichtigen Heimspiel gegen Hannover, ob eine Saison im tiefen Tabellenkeller der Bundesliga bevorstehen könnte, ist passé. Stattdessen verdiente Siege gegen 96 und Lazio Rom, ein etwas glücklicher, aber ziemlich abgezockt herausgespielter in Sinsheim.

Der Glaube an die eigene Stärke, auch in schwierigen Phasen die passenden Antworten zu finden, vor allem die nötige fußballerische Qualität im Kader zu haben, ist deutlich sichtbar. Die spielerische Schwere der Anfangsphase ist einer gewissen Leichtigkeit des Seins gewichen. „Die Entwicklung stimmt mich absolut positiv“, sagte Hütter, „man hat gesehen, was die Mannschaft alles leisten kann.“

Im Kraichgau war das vor allem eine Willensleistung. Da waren Fußballkämpfer auf dem Rasen, die die bei insgesamt nur sechs Abschlüssen eiskalt herausgeschossene 2:0-Führung irgendwie über die Zeit retten wollten. Die sich gefühlt in jeden Ball warfen, der auf den eigenen Kasten zuflog. Und die am Ende beachtliche Werte vorweisen konnten.

Obwohl die Hessen nach der Hinausstellung von Ante Rebic eine halbe Stunde lang in Unterzahl agieren mussten, zogen sie deutlich mehr Sprints als der Gegner an. Die Frankfurter liefen zwar insgesamt vier Kilometer weniger als Hoffenheim (logisch bei einem Spieler weniger auf dem Feld), dafür flitzten sie fast zwei Kilometer mehr in höchstem Tempo.

Selbst Dauerspieler Danny da Costa, der aufgrund der Verletzung von Timothy Chandler bisher alle 630 Bundesliga-Minuten ran musste, hechelte noch in der Schlussphase die Außenlinie hoch und runter. Von seinem Pendant auf der linken Seite, Filip Kostic, ganz zu schweigen. Das sei nun mal eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu sein, relativierte Trainer Hütter. Sicher richtig, aber eben doch nicht immer selbstverständlich.

Nun ist es nicht nur ihr Wille, den die Mannschaft des 48-jährigen Österreichers derzeit in die Waagschale werfen kann. Auch spielerisch lässt sich da einiges gut an, was noch vor einem Monat wenig stimmig wirkte. Das 3-5-2-System hat sich bewährt. Hinten geben erfahrene Kräfte wie Torhüter Kevin Trapp, der überragende Makoto Hasebe, auch Eintracht-Urgestein Marco Russ die nötige Stabilität – und das in Abwesenheit der eigentlich als Stammpersonal vorgesehenen Innenverteidiger David Abraham und Carlos Salcedo.

Vorne sind die überdurchschnittlichen Qualitäten von Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic ohnehin bekannt. Acht Bundesligatreffer, dazu drei Tore in der Europa League erzielten die Angreifer zusammengerechnet schon.

Nach sieben Spieltagen reicht diese Kombination für zehn Punkte und Rang sieben. Ordentlich. Genauso ordentlich wie vor einem Jahr. Da hatte der mittlerweile in München heftig in die Kritik geratene Niko Kovac mit seinen Frankfurtern die identische Bilanz vorzuweisen – ebenfalls zehn Zähler, Platz acht. Der ähnliche Saisonverlauf ist insofern hervorzuheben, da die heutige Eintracht im Vergleich zur damaligen Eintracht ein schwieriges Auftaktprogramm hinter sich zu bringen hatte: Marseille und Rom, zwei Spitzenmannschaften in Europa, dazu Dortmund, Leipzig, Mönchengladbach und Bremen, die aktuell vier besten Teams der Bundesliga.

Also alles gut? Nun ja, zumindest besser als es nach dem Pokal-Aus und der Supercup-Klatsche zu erwarten war. Ein paar Verbesserungsmöglichkeiten liegen dennoch auf der Hand: Da sind die Disziplinlosigkeiten, die zu drei Platzverweisen führten (zweimal Willems, jetzt Rebic), auch fehlt gegen starke Gegner ab und an die Ruhe am Ball. Und dennoch ist ein optimistischer Blick in die Zukunft kein allzu gewagter. Da treffen die Hütter-Schützlinge auf schlagbare Kontrahenten, auf Teams aus dem unteren Tabellendrittel, auf zwei Aufsteiger. Erst im eigenen Stadion gegen Fortuna Düsseldorf, anschließend bei der Schießbude der Liga, dem 1. FC Nürnberg. Dazu zwei Duelle in der Europa League gegen Apoel Limassol.

Klingt machbar, sogar so machbar, dass tatsächlich mehr gehen könnte. „Sobald wir auch nur zehn Prozent nachlassen, wird es schwierig“, warnte Hütter dennoch, „wir wissen, dass wir einen weiten Weg vor uns haben.“ Das klingt so, als könne der Trainer genau einschätzen, wann er bei seinen Spielern Fünfe gerade sein lassen kann und wann eher nicht.

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