Erfolgreicher A-Jugend-Stürmer: Renat Dadashov (links)
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Erfolgreicher A-Jugend-Stürmer: Renat Dadashov (links)

Geschichten der Saison

Wie Trainer Niko Kovac "Überflieger" Aymen Barkok aus dem Hut zauberte

  • VonPeppi Schmitt
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Bei der Eintracht werden in puncto Talentförderung neue Wege beschritten. Junge Spieler sollen vermehrt in den Profikader eingebaut werden.

Eine andere Herangehensweise als sein Vorgänger hatte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic bei seinem Amtsantritt angekündigt. Das sollte sich nicht nur auf die Profiabteilung des Fußball-Bundesligisten beziehen, sondern auch andere Bereiche umfassen. Vor allem die Jugendabteilung hatte Bobic im Blick. „Ich will bald alle Spieler vom Riederwald kennen“, hat er gesagt. Sollte heißen: Bobic wollte sich einen Überblick über die Talente von der U 15 über die U 16 bis hin zu den beiden „Bundesligamannschaften“ U 17und U 19 verschaffen. In absehbarer Zeit wird nun auch der Fehler, die U 23 vom Spielbetrieb abzumelden, mit der Partnerschaft zum SC Hessen Dreieich (wir berichteten) korrigiert. Damit will die Eintracht eine Auffangstation zwischen Jugend und Profis zwischenschalten.

Von Anfang dieser Spielzeit an war auch klar, dass junge Spieler in den Lizenzspielerkader eingebaut werden sollten. Nicht immer dauerhaft, aber immer mal wieder in einer Art „Schnupperkurs“. So, dass sich vor allem auch Trainer Niko Kovac ein Bild machen konnte. Bei den ersten Trainingslagern waren die beiden Abwehrspieler Furkan Zorba und Noel Knothe aus der U 19 nicht nur dabei, sondern mitten drin.

Dies war zum einen der Personalnot geschuldet, zum anderen aber auch dem Grundgedanken, dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben. „Die Jungs machen ihre Sache sehr gut“, hatte Bobic damals gesagt. Da konnte er nicht wissen, dass der Trainer im Laufe der Vorrunde mit Aymen Barkok einen anderen „Überflieger“ aus dem Hut zaubern würde.

Es war im November/Dezember, als der Stern von Barkok aufging. Am 20. November erzielte der 18 Jahre alte Sohn marokkanischer Eltern kurz nach seiner Einwechslung in Bremen den 2:1-Siegtreffer. Von da an gehörte er fest zum Kader. Wer auch immer bei der A-Jugend in den Monaten zuvor so genau hingeschaut hatte, er muss ein gutes Auge für Talente haben. Denn Barkok war im letzten Herbst noch einer von vielen Spielern der U 19, talentiert und ehrgeizig. Aber nicht besonders auffällig.

Doch im Winter nach den ersten Spielen bezeichnete ihn Trainer Kovac schon als „Juwel“, das dem Verein vielleicht irgendwann einmal „Kleingeld“ einbringen könnte. „Ich bin froh, dass wir ein solches Talent binden konnten“, sagte der Eintracht-Coach, „wenn alles gut läuft, wird er uns noch viel Freude bereiten.“ Die Eintracht hatte den Vertrag mit Barkok vorzeitig bis 2020 verlängert. Beim Derby gegen Mainz hatte der junge Mann eine weitere Sternstunde, erzielte das 2:0 selbst und bereitete das 3:0 vor. „Ich kann das alles kaum glauben“, sagte Barkok nachher. Anfang Juli wird er mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft an der EM in Georgien teilnehmen.

Barkok also hat sich durchgesetzt, auch wenn in der Rückrunde die Formkurve zwischenzeitlich nach unten gezeigt hat. Das aber, so versichern alle Fachleute, ist normal. Auch Abwehrspieler Zorba hat einen Vertrag erhalten, wartet freilich noch auf seinen ersten Bundesligaeinsatz. Die Eintracht zieht den eingeschlagenen Weg voll durch. Sie wehrte zwischenzeitlich einen Angriff von RB Leipzig ab und machte U-17-Nationalspieler Sahverdin Cetin deutlich, dass seine Zukunft am Main liegen wird. Cetin durfte auch im Trainingslager im Winter in Abu Dhabi vorspielen. Und mit Deji Beyreuther berief der Trainer zum letzten Heimspiel gegen Leipzig einen weiteren Jugendspieler in den Kader.

Im Laufe der letzten Monate wurden weitere Schritte unternommen, um die eigenen Talente in sportlichen Wert zu setzen, ihnen Mut zu machen, die Chance auf den Profifußball in Frankfurt zu suchen. So haben die beiden erfolgreichen A-Jugend-Stürmer Renat Dadashov und Nelson Mandela Profiverträge unterschrieben. Dadashov hatte die Eintracht im Winter aus Leipzig zurückgeholt und damit auch die Chancen der U 19 auf den Klassenerhalt verbessert. Das hat geklappt. Nun soll Dadashov, der noch ein Jahr in der A-Jugend spielen kann, nach und nach in den Profikader integriert werden. Der Mittelstürmer hat alle deutschen U-Nationalmannschaften durchlaufen, wird aber in Zukunft für sein Heimatland Aserbaidschan spielen. Da stand er vor kurzem zum ersten Mal im Aufgebot der A-Nationalmannschaft.

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