Hat da etwa einer nicht flach gespielt? Armin Veh (links) und Assistent Schur schauen genau hin.
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Hat da etwa einer nicht flach gespielt? Armin Veh (links) und Assistent Schur schauen genau hin.

Eintracht Frankfurt

Unter Veh: Die Eintracht entdeckt den Kurzpass neu

  • vonPeppi Schmitt
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Zwischen Veh und seinem Nachfolger und Vorgänger Schaaf gibt es viele Unterschiede – nicht nur sportlicher Art.

Am Dienstagnachmittag hat Armin Veh Klartext gesprochen. Zunächst intern in einem Sechs-Augen-Gespräch mit Carlos Zambrano und Bruno Hübner, dann auch in der Öffentlichkeit. Der Trainer der Frankfurter Eintracht ist das Gezerre um die Zukunft seines vermeintlichen Abwehrchefs leid. Er will Klarheit und drängt darauf, diese in dieser Woche zu bekommen. Zambrano soll zustimmen, eine Ausstiegsklausel, die ihm einen Wechsel für die bescheidene Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro bis Ende August ermöglicht, zu streichen. Andernfalls werde die Eintracht sich nach einem anderen Innenverteidiger umsehen, sagte Veh (wir berichteten).

„Wenn er das nicht tut, muss ich davon ausgehen, dass er doch noch weg will“, sagt der Trainer deutlich. So eine klare Aussage hätte Vehs Vorgänger Thomas Schaaf gegenüber den Medien nie gemacht. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Trainer der Eintracht.

Gerade im sportlichen Bereich hat es wieder einen Paradigmenwechsel gegeben. Was Schaaf favorisiert hatte, will Veh nicht. Und was Schaaf nicht wollte, forciert Veh. Wieder „in“ ist der Kurzpass, verpönt sind hohe Anspiele. „Die pfeift der Trainer sofort ab“, sagt Stefan Aigner. „Wir werden hoch stehen, offensiv spielen und viel Ballbesitz haben“, erwartet Veh. Dabei geht er bewusst das Risiko ein, mal in einen Konter zu laufen. „Deshalb brauchen wir einen Torwart, der sich in Eins-zu-eins-Situationen behaupten kann“, fordert er.

Heinz Lindner, geholt von Austria Wien, hat hier durchaus Stärken. „Aber er muss noch mehr mitspielen, weiter rauskommen“, sagt der Coach. Das angesprochene „hoch stehen“ betrifft in erster Linie die Außenverteidiger. Während sie sich unter Schaaf in Strafraumhöhe zum Anspiel bereithalten mussten, schickt Veh sie zwanzig, dreißig Meter weiter nach vorne. Die veränderte Spielanlage fordert ein verändertes Training. Immer und immer wieder wird das Passspiel geübt. Veh setzt wie in seiner ersten Amtszeit darauf, früh das „Einspielen“ zu fördern. Im Großen und Ganzen hat die Mannschaft in den bisherigen ernsthaften Testspielen mit einer ähnlichen Formation begonnen. Diese frühe Festlegung zieht er auch beim Training durch.

Ein deutlicher Unterschied zum Training in der Vorbereitung zur letzten Saison war der anfängliche Verzicht auf das Spielgerät bei vielen Übungseinheiten. Die Konditionsarbeit wurde oft ohne Ball, zumindest aber ohne Kontakt zum Gegner durchgeführt. Das passt eigentlich nicht zu Vehs Liebe zum Fußball. „Die meisten Verletzungen passieren in den Zweikämpfen“, begründet er, „deshalb haben wir in den ersten beiden Wochen weitgehend drauf verzichtet.“ Ihm sei wichtig, „dass wir die Spieler verletzungsfrei durchbringen“. Bislang ist dies (fast) gelungen, nur Luc Castaignos hat sich eine Muskelverletzung zugezogen.

Bei der Taktik hat sich der Trainer nicht endgültig festgelegt. „Das 4-2-3-1 kann diese Mannschaft“, sagt er, so hat sie unter ihm früher meist gespielt, „jetzt versuchen wir, ein anderes System einzuüben“. Ein 4-4-2 mit zwei Angreifern ist denkbar, auch wenn durch den Ausfall von Castaignos diese Pläne einen Rückschlag erhalten haben.

Und natürlich gibt es von Trainer zu Trainer unterschiedliche personelle Vorstellungen. Besonders deutlich wird dies bei Johannes Flum, der bei Schaaf außen vor war, unter Veh zwar nicht gesetzt, aber wieder mittendrin ist. Dafür hatte der neue Trainer keine Verwendung mehr für Nelson Valdez, den Schaaf geholt hatte. Makoto Hasebe, zuletzt auf der „Sechs“ eine Bank, spielt nun zumindest vorübergehend rechter Verteidiger.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten zwischen Veh und Schaaf: Beide halten große Stücke auf die Talente Luca Waldschmidt und Joel Gerezgiher, trauen ihnen den Sprung in die Bundesliga zu.

Im vorletzten Test vor dem Pokalspiel in Bremen (8. August) ließ Veh gestern in weiten Teilen seine vermeintlich beste Mannschaft spielen. Vor der Pause konnte Hessenligist Eintracht Stadtallendorf trotzdem mithalten. Da tat sich die Eintracht schwer. Mit dem zweiten Treffer kurz nach der Halbzeit lief es dann besser und es reichte am Ende vor 3000 Zuschauern zu einem standesgemäßen 6:1 (1:1).

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