Eintracht Frankfurt

Varela: Ein Tattoo zu viel

  • VonPeppi Schmitt
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Ausgerechnet in der Woche vor dem Pokalfinale geht Guillermo Varela zum Tätowierer. In Frankfurt hat er keine Zukunft mehr.

Guillermo Varela wird nie wieder für die Frankfurter Eintracht spielen. Sportvorstand Fredi Bobic hat den uruguayischen Verteidiger nicht nur für das Endspiel am Samstag in Berlin gegen Borussia Dortmund suspendiert, sondern ihn gleich ganz rausgeworfen. Varela musste bereits seinen Spind in der Kabine räumen, durfte seit Mittwoch nicht mehr mittrainieren und wird auch nicht als Zuschauer in Berlin dabei sein.

Alle Überlegungen, den von Manchester United ausgeliehenen Spieler über die Saison hinaus zu behalten, sind ebenfalls obsolet. „Das ist kein Thema mehr“, sagte Bobic. Die Eintracht verhängte zudem laut „Bild“ eine Rekordstrafe in Höhe von 50 000 Euro.

Varela hatte seinen Rausschmiss mit einer selten dämlichen Aktion provoziert. Am Montag hatte er sich in einem Studio in Bad Vilbel ein Tattoo auf den rechten Unterarm stechen lassen. Tätowierer Illja wiederum hatte nichts Besseres zu tun, als ein Foto von der Aktion über Facebook zu verbreiten. Begleitet worden war Varela von seinem Mannschaftskollegen Andersson Ordonez, der ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist.

Eintracht-Boss Bobic sprach von einem „klaren Fehlverhalten“, das die Suspendierung zur Folge haben müsse. Der 24 Jahre alte Varela hatte sich mit der unüberlegten Aktion über eine Anweisung von Cheftrainer Niko Kovac hinweggesetzt. Kovac hatte schon vor einigen Wochen den Spielern untersagt, sich während der Saison Tattoos stechen zu lassen.

Grund: Beim Tätowieren kommt es ziemlich häufig vor, dass sich die Wunden entzünden. Deshalb empfehlen Mediziner nach einer Tätowierung einige Tage keinen Sport zu treiben. Varela war dies ebenso wie seinen Mannschaftskollegen bekannt.

„Grob fahrlässig“

Laut einer Pressemitteilung der Eintracht habe sich das frisch gestochene Tattoo tatsächlich entzündet. Die Sanktionen freilich hätte es so oder so gegeben. Bobic deutlich: „Dieses Verhalten ist grob fahrlässig und schadet der ganzen Mannschaft. Deshalb ist Guillermos Weg bei der Eintracht mit dieser Aktion beendet.“ Der Verein könne es „nicht dulden“, dass sich ein Spieler vor so einem wichtigen Spiel den Anweisungen des Trainers und der Ärzte widersetzt.

Gerade vor dem großen Finale ist es für die Eintracht unglaublich ärgerlich, dass wegen Varelas Dummheit Unruhe aufgekommen ist. Auch sportlich ist es ein Rückschlag. Der Verteidiger hätte gute Chancen gehabt, in Berlin auf dem Platz zu stehen oder zumindest eingewechselt zu werden. Am letzten Samstag gegen Leipzig hatte er noch in der Anfangself gestanden, insgesamt hatte er wegen Verletzungen nur sieben Einsätze in der Bundesliga. Im Pokal hat er zweimal gespielt, war beim Auftaktsieg in Magdeburg beim Elfmeterschießen erfolgreich und war im Halbfinale gegen Mönchengladbach eingewechselt worden. In diesem Elfmeterschießen war er an Torwart Sommer gescheitert. Varela hatte zuletzt zum engsten Stamm des Teams gehört. Die Mannschaftskollegen wollten und durften sich zur Maßnahme des Clubs nicht äußern. „Herr Bobic hat etwas gesagt und dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte David Abraham.

Die Eintracht hatte in den letzten Wochen sogar darüber nachgedacht, Varela über diese Saison hinaus zu behalten, sein Talent war unumstritten. Das wäre zwar schwierig geworden, weil der Uruguayer nur noch ein Jahr bei Manchester United unter Vertrag steht und die Statuten deshalb ein weiteres „Leihgeschäft“ nicht mehr erlaubt hätten. Doch es waren Gespräche mit dem frisch gebackenen Europa-League-Sieger angedacht, um eine Lösung zu finden, zumal Varela signalisiert hatte, „dass ich gerne bleiben würde.“

Theoretisch hätte Manchester United den Vertrag noch einmal verlängern und den Spieler noch einmal ausleihen können. „Wir hatten uns bereits Gedanken zu einer möglichen Verlängerung gemacht“, sagte Bobic, „das ist jetzt natürlich kein Thema mehr.“ Varela werde nicht nur suspendiert, sondern zudem noch mit einer „empfindlichen Geldstrafe“ belegt. Bobic: „Mit einem derart egoistischen Verhalten und dessen Veröffentlichung hat er dem Team geschadet und uns zu diesen Maßnahmen gezwungen.“

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