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Er fällt monatelang aus: Luca Torro, Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Die Verletzung von Luca Torro wiegt schwer – Kommt noch ein Mittelfeldspieler?

Eigentlich hat die Frankfurter Eintracht einen sehr breit aufgestellten Kader. Die Verletzung von Luca Torro trifft den Fußball-Bundesligisten allerdings an einer sensiblen Stelle.

Als Junge, das hat Lucas Torro zuletzt dem vereinseigenen Fernsehen des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt verraten, schaute er sich immer die Spiele an, die dienstags bis donnerstags über die Mattscheibe flimmerten. Europapokal. „Das war die Elite, die dort spielte“, sagte er. Und eines Tages wolle er da kicken. Da spielte er noch bei CD Alcoyano in der Provinz Alicante in Spanien, und keiner hatte daran gedacht, dass irgendwann mal Real Madrid anklopfen und den Jungen in die Kapitale holen würde. Gut, mit einem Einsatz im galataktischen weißen Ballett hat es für Torro nie gereicht, aber in der Europa League, da durfte er ran.

Da spielte er schon für Eintracht Frankfurt, er spielte im Geisterspiel gegen Olympique Marseille (und produzierte einen Katastrophen-Pass, der ums Haar zum 0:2 geführt hätte, erzielte dann aber sein bisher einziges Pflichtspieltor für die Hessen), und er spielte beim magischen 4:1 gegen Lazio Rom – obwohl er am Vormittag erfahren hatte, dass sein Bruder völlig unerwartet gestorben war.

Zurzeit sieht es allerdings so aus, dass in dieser Saison kein weiteres Spiel auf internationaler Bühne für den defensiven Mittelfeldspieler dazukommt – es sei denn, Eintracht Frankfurt stößt bis ins Viertel- oder gar Halbfinale vor: Torro laboriert an einer Schambeinentzündung, er wird in den nächsten Tagen in Barcelona an den Adduktoren operiert, und er wird aller Voraussicht nach vier bis fünf Monate fehlen. Frühestens Ende März wird er zurückkommen; wenn es ganz schlecht läuft, ist sogar die komplette Saison für den 24-Jährigen gelaufen. Solch eine Verletzungen kann sehr langwierig sein.

Torro hat sich bei der Eintracht bislang stetig weiterentwickelt, er hat eine Weile gebraucht, sich an das intensivere Spiel in Deutschland zu gewöhnen. „Hier wird ein ganz anderer Fußball gespielt als in Spanien“, hat er gemerkt. Zuletzt war der kopfballstarke Profi deutlich stabiler, avancierte zur Stammkraft, erfüllte seine defensiven Aufgaben vorbildlich.

Der Ausfall des Sechsers trifft die Eintracht an sensibler Stelle. So viele defensive Mittelfeldspieler stehen dem Club nicht mehr zur Verfügung; im Grunde ist es nur noch Gelson Fernandes, der das Ablaufen und Abräumen vor der Abwehr gelernt hat. Marc Stendera, der ab und an ebenfalls auf der Position des Sechsers eingesetzt wurde, ist von Haus aus offensiv. Mijat Gacinovic und Jonathan de Guzman sind nach vorne ausgerichtet, von Marco Fabian, Francisco Geraldes, Allan Souza ganz zu schweigen. Makoto Hasebe ist ein gelernter Sechser, aber der Japaner spielt momentan derart überragend in der Dreierkette, dass Trainer Adi Hütter dort sicher keine Veränderung vornehmen wird. Zur Not könnte Marco Russ, eigentlich Innenverteidiger, ins Mittelfeld rutschen, das hat er in der Vergangenheit schon getan, aber ob der mittlerweile 33-Jährige noch die für die Position erforderliche Schnelligkeit aufbringt, ist fraglich. Und ständig mehr Tore zu schießen als der Gegner, wird auf Dauer schwierig – trotz des fabelhaften Sturms. Perspektivisch aktiv werden

Manches spricht also dafür, dass die Frankfurter Eintracht in der Winterpause ihre Fühler nach einem defensiven Mittelfeldspieler ausstreckt. Es wäre nachgerade leichtsinnig, lediglich mit einem Sechser in die Rückrunde zu gehen, zumal die Frankfurter im zweiten Teil der Runde fast traditionell Schwierigkeiten haben. Dazu kommen die K.-o.-Spiele in der Europa League; die Hessen haben ja nicht nur national, sondern auch international Blut geleckt und wollen möglichst lange in dem dann immer lukrativer werdenden Wettbewerb bleiben.

Ohnehin muss die Eintracht auf dieser Position perspektivisch aktiv werden; Fernandes ist auch schon 32 Jahre alt, ein Transfer, auch ein namhafter, im Vorgriff auf die neue Saison, wäre also denkbar. Und vielleicht nimmt der Club auch noch mal richtig Geld in die Hand. Denn die Chance, in dieser Saison Ziele zu erreichen, die gar nicht gesteckt waren, ist groß – lädierte Adduktoren sollten da kein Hindernis sein.

Thomas Kilchenstein

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