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...kriegen die Frankfurter, hier David Abraham, kaum...

Eintracht Frankfurt

Viel Lob für die Eintracht: Von Ballettschühchen und Bergstiefeln

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Von Peppi Schmitt

Sie waren hin- und hergerissen bei der Frankfurter Eintracht nach dem torlosen Unentschieden beim FC Augsburg. Klar, der Punkt hilft weiter im Abstiegskampf und die Leistung hat auch durchaus optimistisch gestimmt. Und doch war dieser eine Punkt eigentlich zu wenig. „Wir sollten nicht größenwahnsinnig werden und mit dem Unentschieden zufrieden sein“, riet Kapitän Alexander Meier in der ihm eignen sachlichen Art. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, sagte Angreifer Stefan Aigner. „Auf Grund der zweiten Halbzeit hätten wir gewinnen müssen", sagte Armin Veh.

Vorwürfe machen wollte der Trainer seiner Mannschaft freilich nicht. Denn die Frankfurter hatten ja vieles richtig gemacht, waren in Grund nur am Augsburger Torwart gescheitert. „In der zweiten Halbzeit war es doch Frankfurt gegen Hitz“, sagte Marco Russ mit Blick auf drei sogenannte „Hundertprozentige", die der Schweizer Nationalspieler vereitelt hatte. „Der Torwart war einfach sehr, sehr gut, das muss man auch mal respektieren", sagte Aigner. Und so freundeten sich die  Frankfurter so nach und nach mit dem Remis an, was mit Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz umso leichter fiel. Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen haben sich die Hessen ein kleines Polster auf die direkten Abstiegsplätze verschafft.

Der Trainer, der an diesem Montag seinen 55.Geburtstag feiert, wollte freilich nicht nur auf die Punkte, Tore und Plätze schauern, sondern versuchte auch das Große und Ganze im Blick zu behalten. Die „Art und Weise" des Spiels habe ihm sehr gefallen, sagte Veh, „in der zweiten Halbzeit sind wir sehr dominant aufgetreten und haben uns auch wieder Torchancen herausgespielt." Ganz genauso sah es Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Er hatte eine „klare Leistungssteigerung“ gegenüber dem Wolfsburg-Spiel erkannt. Vieles hatte funktioniert bei der Eintracht, die nach dem Wechsel ihrem Gegner nicht nur spielerisch überlegen war, sondern auch kämpferisch gleichwertig. Das war den Frankfurtern in den letzten Jahren bei den Gastspielen gegen die knorrigen Augsburger meistens abgegangen. „Wir haben Aggressivität gezeigt, Zweikampfhärte und Wille", sagte Vorstand Axel Hellmann, „das war wichtig, sonst sieht man hier kein Land." Statt Ballettschühchen wie in den vergangenen Jahren habe man diesmal die „Bergstiefel" angezogen.

Beispielgebend dafür war Carlos Zambrano, der irgendwann genug hatte von den in jeder Beziehung gefährlichen Einlagen des Augsburger Sturmführers Raul Bobadilla, der bei jeder Aktion selbst foulte, gefoult wurde oder irgendwelche Theater-Nummern aufführte. In der zweiten Halbzeit zahlte der peruanische Abwehrchef der Eintracht gegen den argentinischen Angriffsführer des FCA mit gleicher Münze zurück. Das war ein wichtiges Zeichen im Abstiegskampf, von dem sich ausnahmslos alle Spieler anstecken ließen. Oft habe er in der Vorrunde lesen müssen, die Mannschaft habe „blutleer“ gespielt, formulierte Hellmann, „diesmal war es blutvoll."

Fakt bleibt, dass die Eintracht bis auf die verschlafene erste Viertelstunde die bessere Mannschaft war. Und dass diese Mannschaft endlich wieder offensiven Fußball gespielt hat ohne dabei die Defensive zu vernachlässigen. Bis auf einen Drehschuss von Bobadilla hatten die Augsburger keine wirklich gute Gelegenheit, Torwart Lukas Hradecky musste nicht ein einziges Mal eingreifen. Der Mexikaner Marco Fabian, zum ersten Mal in der Anfangsformation, war ein wirklich guter Antreiber, der Ungar Szabolcs Huszti wurde nach schwachem Beginn immer stärker. „Die beiden tun unserem Spiel gut", lobte der Trainer die Neuzugänge. Fabian kann tatsächlich den Unterschied ausmachen. Der Neue, für mehr als 3,5 Millionen Euro aus Guadalajara geholt, ist freilich nicht der gesuchte Linksaußen, sondern eher ein Spielmacher. In der Zentrale hat er große Stärken, wie einen guten Überblick, der ihn befähigt das Spiel zu „lesen“ und auf die jeweils freie Seite zu verlagern, dazu durchaus auch Durchsetzungsvermögen im Zweikampf. Fabian scheint sich sogar schneller an die Bundesliga zu gewöhnen, als es selbst der Trainer vorhergesagt hatte. Auch wenn er, wie übrigens Stendera und Zambrano auch, mit einem leichtsinnigen Ballverlust die eigen Mannschaft auch in Schwierigkeiten gebracht hat.

Profiteur von Fabians Pässen war vor allem der unglaublich kampfstarke Aigner, der die FCA-Abwehr mehr beschäftige als es dessen Trainer Markus Weinzierl lieb sein konnte. Schade eben nur, dass Aigner (70.), Meier (60.) und Huszti (82.) jeweils am glänzend reagierenden Hitz scheiterten. Sein Schuss, so staunte Aigner noch hinterher, „wäre zu hundert Prozent reingegangen, aber er hat den Arm noch hoch bekommen.“ Kollege Russ gab zu, „dass der Hitz uns genervt hat.“ „Sie haben da gar nicht so viel falsch gemacht", sagte der Frankfurter Trainer später, "aber der Torwart war diesmal noch ein Tick besser."

 

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