Sie haben Gesprächsbedarf: Armin Veh (links) und Bruno Hübner nach der Niederlage in Ingolstadt.
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Sie haben Gesprächsbedarf: Armin Veh (links) und Bruno Hübner nach der Niederlage in Ingolstadt.

Eintracht Frankfurt

Viel verspielt

  • VonPeppi Schmitt
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Der Trainer denkt über eine Pause für Makoto Hasebe nach. Luc Castaignos bekam „Nachhilfe“ per Video.

Am Montag war bei der Frankfurter Eintracht der Tag der Worte und Bilder. Die Trainingseinheit wurde vom Platz in den Kraftraum verlegt, wichtiger erschien dem Trainer die Aussprache mit der Mannschaft nach der blamablen Leistung beim 0:2 in Ingolstadt. Und auch Manager Bruno Hübner hat gesprochen, nicht zur Mannschaft, aber zu den Medienvertretern. „Wir haben viele Sympathien verspielt“, sagte Hübner knallhart, „die müssen wir jetzt erst wieder zurückgewinnen.“ An der Qualität der Mannschaft zweifelt der Manager nicht. Es gelte nun herauszufinden, „warum sie nicht bereit war, diese Qualität auch abzurufen.“

Dass der Haussegen bei der Eintracht schief hängt, ist nach den letzten beiden Begegnungen gegen Hertha BSC und beim Aufsteiger klar. All jene freilich, die Vergleiche zur vergangenen Saison und zum ehemaligen Trainer ziehen, sind auf dem Holzweg und scheinen die über Monate desaströsen Auftritte in fremden Stadien mit elf Begegnungen ohne Sieg bereits völlig vergessen zu haben. In dieser Saison hat die Eintracht in Stuttgart gewonnen, in Hamburg einen Punkt geholt, auf Schalke gut gespielt und verloren. Ingolstadt freilich war ein Rückfall in düstere Zeiten.

„Es ist anders als in der letzten Saison, trotzdem müssen wir aufpassen“, sagt auch Hübner. Fünf, sechs Spieler seien „nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen“, klagte er an, „da kann man nicht gewinnen, das lässt die Bundesliga nicht zu“. Über weitere Gründe rätseln sie noch bei der Eintracht. Hübner hofft, „dass die Mannschaft auch einiges unter sich klärt“.

Unterdessen hat der Trainer den Spielern, die nicht mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, in einem längeren Monolog deutlich gemacht, was ihm nicht gepasst hat. Das war einiges. Und er hat es mit Bildern unterlegt. So durfte oder musste sich Luc Castaignos seine schwache Partie noch einmal gemeinsam mit dem Videoanalysten Marcel Daum anschauen. Zu wenig Laufbereitschaft hatte der Trainer beim Holländer festgestellt, auch zu wenig Einsicht. „Der ist dann auch noch beleidigt, deshalb ist es wichtig, ihm Bilder zu zeigen“, sagt Veh. Castaignos weiß nun, was die Stunde geschlagen hat. Er wird weitere Chancen erhalten, aber die Geduld des Trainers ist endlich. „Luc ist schnell, hat auch einen Körper, aber den muss er auch besser einsetzen“, betont Veh, „ich habe schon ein paarmal mit ihm geredet und werde es weiter tun.“ Vor zwei Jahren sei das beim Spanier Joselu ähnlich gewesen. In der Vorrunde hatte nicht viel geklappt, in der Rückrunde dann vieles deutlich besser. Doch Castaignos muss nun bald wieder liefern.

Helfen könnte ihm dabei die Rückkehr von Haris Seferovic. Der Schweizer steht nach seiner auf Schalke erlittenen Muskelverletzung wieder im Lauftraining. Ob er schon beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag nächster Woche dabei sein kann, ist offen. „Er hat zum ersten Mal eine Muskelverletzung, deshalb kann er es selbst nicht so richtig einschätzen“, erklärt der Trainer. An diesem Freitag sollen noch einmal MRT-Aufnahmen gemacht werden, danach wisse man mehr.

Veh ist weit davon entfernt, einzelne Spieler für die aktuelle Formdelle verantwortlich zu machen. Dafür waren auch zuletzt zu viele unter Niveau. Eines der größten Rätsel ist Makoto Hasebe. Im Grunde ist der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft ein solider Spieler, auf den Verlass ist. Doch in dieser Saison ist er meist neben der Spur. „Vielleicht ist er tatsächlich überspielt“, grübelt Veh und denkt darüber nach, „dass ich ihm mal eine Woche Erholung gebe.“

Aktuell ist das freilich nicht möglich, Hasebe ist mit Japans Nationalmannschaft unterwegs, spielt im Oman gegen Syrien und in Teheran gegen den Iran. International im Einsatz sind auch die Torhüter Lukas Hradecky und Heinz Lindner, Marc Stendera (U-21-Nationalmannschaft), Carlos Zambrano, Constant Djakpa, Mijat Gacinovic (serbische U 21) und Luca Waldschmidt (U-20-Nationalmannschaft).

Bruno Hübner macht sich in diesen Tagen Gedanken über das große Ganze. In Bezug auf Vermarktung und Einnahmen aus dem Zuschauerzuspruch sei die Eintracht am Limit angekommen. Steigerungspotenzial gebe es alleine über die Fernsehgelder, die wiederum anhängig sind vom sportlichen Erfolg. „Jeder Tabellenplatz ist wichtig, jeder einzelne Auftritt“, sagt der Sportdirektor, „deshalb tut ein Spiel wie in Ingolstadt besonders weh.“

Für die Eintracht habe die Chance, bald wieder europäisch unterwegs zu sein, eine große Bedeutung. Scheinbar aber sei den Spielern dies nicht so bewusst, denn mit Leistungen wie zuletzt ist die Mannschaft davon meilenweit entfernt. „Der Verein ist bereit, alles reinzustecken in die Qualität der Mannschaft“, versichert Hübner. Manchmal, das hat er nicht gesagt, aber so klang es durch, komme von den Spielern aber zu wenig zurück.

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