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Vier Millionen auf der Bank

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Von: Peppi Schmitt

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Sieht auch nicht gerade glücklich aus: Mitten in größter Not bleibt Marco Fabián nur ein Bankplatz.
Sieht auch nicht gerade glücklich aus: Mitten in größter Not bleibt Marco Fabián nur ein Bankplatz. © Christian Klein ( FotoKlein)

Da werden Erinnerungen an Caio und Co. wach: Der vermeintliche „Königstransfer“ Fabián ist nur ein Bankdrücker.

So viel ist klar: Die Frankfurter Eintracht wird in diesem Sommer auf dem Fußballer-Basar keine großen Sprünge machen können. Ganz unabhängig von der Klassenzugehörigkeit. Beim wahrscheinlichen Abstieg des Noch-Bundesligisten müssen sogar Profis für rund zehn Millionen Euro verkauft werden, um die Finanzen in der Waage zu halten und die eine oder andere Investition für die Zweite Liga möglich zu machen. Eine schlechte Nachricht allerdings muss diese wirtschaftliche Beschränkung für die Eintracht nicht unbedingt sein – immer dann nämlich, wenn die Frankfurter mit für ihre Verhältnisse hohen Summen auf dem Transfermarkt einkauften, haben die dann verpflichteten Spieler nie gehalten, was sie versprochen oder gekostet haben.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahre. Erinnert sei an den Brasilianer Caio, die Tschechen Martin Fenin und Vaclav Kadlecc – und aktuell den Mexikaner Marco Fabián. Für den einen oder anderen Club in der Liga sind Ablösesummen von mehr als drei Millionen Euro nicht viel. Für die Eintracht ist es eine Menge Geld. Für Caio (jetzt Grashoppers Zürich) wurden im Januar 2008 3,8 Millionen Euro an Palmeiras nach Brasilien überwiesen. Im gleichen Monat war Fenin (arbeitslos) gekommen, für 3,5 Millionen Euro von FK Teplice. Im Sommer 2013 haben die Frankfurter Kadlec (FC Midtjylland) von Sparta Prag geholt und dafür 3,2 Millionen Euro bezahlt. Wirklich durchgesetzt hat sich keiner.

Im Januar nun hat die Eintracht für Fabián die festgeschriebene Ablösesumme von 3,7 Millionen Euro nach Guadalajara überwiesen. Der Nationalspieler sollte der „Königstransfer“ werden, sollte das spielerische Niveau anheben und die Torgefährlichkeit steigern, um der Eintracht den Abstieg zu ersparen. Nichts davon ist eingetreten. Bislang kommt er nur auf neun Einsätze, ein Tor hat er noch nicht erzielt. Wirklich geholfen hat er der Eintracht auch noch nicht. Dabei hatte es durchaus gut begonnen. In seinem ersten Einsatz im ersten Rückrundenspiel gegen Wolfsburg, hatte er nach seiner Einwechslung den Siegtreffer zum 3:2 von Alex Meier vorbereitet. Unter dem früheren Trainer Armin Veh war Fabián gesetzt. Auch wenn sich schnell herausgestellt hatte, dass er nicht der gesuchte Linksaußen war, sondern ein zentraler Mittelfeldspieler.

Mit dem Amtsantritt von Niko Kovac ist der Mexikaner, in seiner Heimat ein großer Star, nach und nach in der Versenkung verschwunden. Im ersten Spiel unter Kovacs Regie durfte er in Gladbach noch beginnen, übrigens im Angriff, was sich schon vorher als nicht zielführend angedeutet hatte. Nach 55 Minuten wurde Fabián ausgewechselt, seitdem sitzt er auf der Bank oder der Tribüne. „Ich habe drei Mittelfeldspieler, die nach hinten arbeiten“, hat Kovac in Leverkusen erklärt und deutlich gemacht, wo er die Defizite des Millionen-Manns sieht. In der Offensive hat der 26-Jährige Qualitäten, in der Defensive aber erscheint er dem Trainer als zu nachlässig.

Im Gesamtpaket führt dies dazu, dass Kovac Fabián nicht vertraut. Diese Einschätzung teilen nicht alle. Denn nichts braucht die Eintracht so sehr, wie Spieler, die torgefährlich sind oder zumindest werden können. Gerade deshalb war es verwunderlich, dass in Leverkusen Constant Djakpa und Luca Waldschmidt Fabián bei den Einwechslungen vorgezogen wurden. Lässt man einmal die unsinnigen verbalen Angriffe von Fabiáns Vater beiseite, der Kovac persönliche Motive bei der Nichtberücksichtigung seines Sohnes unterstellt, bleibt die Tatsache, dass unter Kovac alle Offensivspieler eine Chance bekommen haben, Fabián aber nicht. Und das ist einigermaßen irritierend.

Man muss ihn nicht als den „besten Spieler der Eintracht“ ansehen, wie es sein Freund, der Nationalmannschaftskollege Chicharito aus Leverkusen getan hat, aber Fabián hat zweifellos Qualitäten, die helfen könnten. Er könnte Kreativität und Mut einbringen, ist in der Lage auch mal einen Gegner im direkten Dribbling auszuspielen und wäre auch einen Versuch als Freistoß- und Eckballschütze wert. Schlechter als alle, die sich da zuletzt versuchen durften, kann er nicht sein.

Marco Jhonfai Fabián de la Mora, so der volle Name, steht noch bis Sommer 2019 bei der Eintracht unter Vertrag. Übrigens auch für die Zweite Liga. Noch ist also nicht endgültig ausgemacht, ob er wie seine ähnlich teuren Vorgänger ein Millionen-Flop wird.

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