Riesig war der Eintracht-Jubel nach dem 1:0 durch Branimir Hrgota.
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Riesig war der Eintracht-Jubel nach dem 1:0 durch Branimir Hrgota.

Eintracht Frankfurt

Wahnsinn: 29 Punkte

  • VonChristian Heimrich
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Es war wieder einmal ein packendes Rhein-Main-Duell. Häufig endeten diese Unentschieden, aber diesmal gab es einen Sieger. Danach bedankten sich die Spieler mit aufgezogenen Nikolausmützen bei ihren Fans.

Der Weihnachtsfrieden ist gerettet, die Frankfurter Eintracht hat sich mit einem Sieg in die Winterpause der Fußball-Bundesliga verabschiedet und mit 29 Punkten ihr Soll mehr als erfüllt. Das 3:0 (1:0) über Mainz 05 gestern Abend vor 48 500 Zuschauern war aber trotz der frühen Führung durch Branimir Hrgota (18.) ein hartes Stück Arbeit. Der Platzverweis für den Mainzer Jhon Cordoba (55.) war der Türöffner. „Joker“ Ayman Barkok erzielte das 2:0 mit einer tollen Einzelleistung selbst (75.) und bereitete das 3:0 – wiederum durch Hrgota – vor.

Sportvorstand Fredi Bobic meinte: „Für unsere Fans ist das eine überragende Geschichte. 29 Punkte sind ein gelungener Abschluss vom Ergebnis her. Aber heute war auch viel Spielglück dabei. Man hat gesehen, dass der Eine oder Andere auf der Felge geht.“

Wohl noch nie bei einem der meist hitzigen Rhein-Main-Derbys war es in der Frankfurter Arena für kurze Zeit so leise. Vor dem Anpfiff gab es – wie an allen Bundesliga-Schauplätzen an diesem Spieltag – eine Gedenkminute für die Opfer des Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Beide Mannschaften spielten mit Trauerflor.

Wie angekündigt, hatte die Polizei ihre Präsenz vor und im Stadion verstärkt. An allen Haupteingängen standen Mannschaftswagen bereit, mit denen möglicherweise angreifende Fahrzeuge blockiert werden sollten. Viele Polizisten patrouillerten mit Maschinenpistolen. Bis Spielbeginn hatte es aber keine Meldungen über größere Zwischenfälle gegeben.

Die Eintracht wäre beinahe früh in Führung gegangen. In der 3. Minute überraschte Alexander Hack seinen Torhüter Jonas Lössl fast mit einer Kopfball-Rükgabe. Der konnte das Leder aber noch um den Pfosten drehen.

Eintracht-Trainer Niko Kovac hatte sein Team gegenüber der Niederlage in Wolfsburg sowohl personell als auch taktisch verändert. Szabolcs Huszti bekam eine Pause, für ihn rückte Makoto Hasebe neben Omar Mascarell ins defensive Mittelfeld. In der Abwehr agierte eine Viererkette mit Chandler, Abraham, Vallejo und Oczipka. Der genesene Gacinovic erhielt eine neue Chance im Mittelfeld. Und in der Spitze spielte Branimir Hrgota. Alexander Meier stand wegen eines Infektes gar nicht im Kader. Die Eintracht nutzte die Tatsache, dass Mainz relativ verhalten begann, zu einem angriffslustigen Auftakt. Und sie suchte dabei ihr Heil auch mit langen Bällen auf die schnellen Gacinovc und Hrgota. Einer davon führte denn auch in der 18. Minute zum Frankfurter 1:0. Kapitän Abraham schlug das Leder aus der eigenen Hälfte zu Hrgota in den Mainzer Strafraum, der nahm es mustergültig an und vollstreckte eiskalt.

Das hätte der Eintracht Ruhe und Sicherheit geben können. Doch die Mainzer waren nun wachgerüttelt und erspielten sich ihrerseits gute Möglichkeiten gegen eine Frankfurter Mannschaft, die selbst nur noch selten gefährlich wurde. Praktisch direkt nach dem Führungstreffer musste Hradecky gegen den freigespielten 05-Angreifer Cordoba retten. In der 24. Minute parierte der Eintracht-Schlussmann prächtig nach einem Kopfball von Gbamin. Und fünf Minuten vor der Pause wurde es noch einmal so richtig gefährlich im Eintracht-Strafraum. Yunus Malli schüttelte Jesus Vallejo ab und steuerte alleine auf Hradecky zu, doch auch dieser Schuss wurde eine Beute des Frankfurter Torhüters.

Und dann patzte selbst der 45 Minuten lang makellos agierende Hradecky. Zwei Minuten nach Wiederbeginn ließ er einen Schuss von Gbamin durch die Hände an den Pfosten flutschen. Nur kurz danach landete ein kurzer Abwurf direkt beim Gegner.

Die Eintracht hatte nun endgültig gemerkt, dass sie gegen diesen unangenehmen Gegner mehr tun musste: Früher pressen, schneller spielen. Und dann spielten ihr die Mainzer mit einer Unbeherrscht in die Karten. Bei einem Laufduell zwischen David Abraham und Jhon Cordoba im Frankfurter Strafraum gingen beide zu Boden. Bei der nachfolgenden Rangelei erwischte der Mainzer mit seinem Fuß den Fuß Abrahams. Schiedsrichter Günter Perl holte die Rote Karte hervor, Cordoba musste in der 55. Minute vom Platz.

Die Dezimierung der Gäste war für Niko Kovac das Signal, selbst frische Kräfte zu bringen. Für Rebic und Gacinovic kamen Tarashaj und Barkok. Die Eintracht hielt das Heft nun in der Hand, und Ayman Barkok bewies erneut seine Joker-Qualitäten.

Der 19-Jährige hatte schon in Bremen nach seiner Einwechslung den Siegtreffer erzielt. Gestern Abend nun tanzte er während seines Sololaufs zwei Mainzer Verteidiger und den Torhüter aus und schob lässig zum 2:0 ein (75.). Das Publikum war aus dem Häuschen und flippte endgültig aus, als Barkok auch noch das 3:0 durch Hrgota auflegte (85.).

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