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Ante Rebic, Jan Zimmermann, Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf, Marco Russ, Aymen Barkok und Luka Jovic (vl) stehen Arm in Arm vor der Gästefankurve und feiern ihren 2:1 Sieg.

Eintracht Frankfurt

Warum die Eintracht in der Fremde so erfolgreich ist

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Allzu großen Wert mag die Auswertstabelle insgesamt gesehen nicht haben. Es hat aber Gründe, warum die Eintracht dort Spitze ist.

Eine richtige Erklärung für diese statistische Besonderheit hat Fredi Bobic nicht. „Wenn ich zum Beispiel die Heimspiele gegen Wolfsburg und Augsburg sehe, die musst du auch nicht verlieren. Aber die haben wir halt verloren. Genauso sind auch ein paar Auswärtsspiele dabei, die du vielleicht Unentschieden hättest spielen können und die wir gewonnen haben“, sinnierte der Frankfurter Sportvorstand am Sonntag in den Katakomben des Berliner Olympiastadions über die Frage, warum für seine das Glück in dieser Saison öfter in der Fremde liegt als daheim. Kurz zuvor war das Gastspiel in der Bundeshauptstadt abgepfiffen worden, mit einem guten Ergebnis aus Frankfurter Sicht: Das 2:1 war schon der vierte Auswärtserfolg bei bislang acht Gelegenheiten, und es führt nebenbei dazu, dass das ohnehin stets besonders aufgeladene Kräftemessen mit dem großen FC Bayern am nächsten Samstag einen besonderen Reiz erfährt.

Dass die Eintracht gegen den Rekordmeister eine Tabellenführung verteidigen kann, hat es schon lange nicht mehr gegeben – und auch wenn es nur um den ersten Rang in der insgesamt vielleicht nicht so furchtbar wichtigen Auswärtstabelle geht, will man diesen schon behaupten. „Wir dürfen gegen die Bayern nicht verlieren, damit wir oben bleiben“, betont Trainer Niko Kovac die Bedeutung dieses speziellen Spitzenplatzes, mit einem leichten Augenzwinkern – schließlich ist die echte Rangliste, in der die Eintracht Achter ist und der FC Bayern wieder Erster, doch von etwas mehr Belang.

Noch mag das Tabellenbild der Auswärtsfahrer auch etwas schief sein: Die Eintracht hat mit 15 Punkten aus acht Partien zwar mehr Ertrag aus fremden Stadien mitgenommen als jeder andere Bundesligist, zumindest Bayern (sieben Spiele, 13 Punkte) und Schalker (sechs Spiele, elf Punkte) aber hatten bisher weniger Möglichkeiten dazu und könnten theoretisch noch vorbeiziehen. Das sind freilich auch die letzten beiden Heim-Gegner der Frankfurter in der Hinrunde und in diesem Kalenderjahr, und wenn sie diese Spiele nicht verlieren und ihr einziges noch ausstehendes Gastspiel in Hamburg gewinnen könnten, wären sie sicher eine Art Weihnachts-Reise-Meister.

Viel wert mag das alles alleine nicht wert sein, aber es hat schon eine gewisse Aussagekraft. Und seine Gründe. Wenn Niko Kovac nach der guten Auswärtsbilanz gefragt wird, versucht er das erst einmal damit zu erklären, warum es nicht nur seiner Eintracht so schwer fällt, Heimspiele zu gewinnen – in diesem Vergleich ist sie mit sieben Punkten aus sechs Partien übrigens Drittletzter. „Zu Hause wollen die Mannschaften, die gegen uns spielen, uns das Spiel in die Hand geben“, holt er aus. „Das fällt uns dann schwer, das fällt fast allen Teams schwer.“ Es sei ein „Phänomen“, meint der Trainer: „80 Prozent der Bundesligamannschaften haben das Problem.“

Die Eintracht treibt dabei nicht nur diesen Trend in der ersten Klasse des deutschen Fußballs auf die Spitze, sondern noch einen anderen. „Die Bundesliga ist unglaublich ausgeglichen“, weiß Kovac. Tatsächlich geht es fast überall eng zu, vor allem aber in Frankfurt: Keines der ersten 14 Spiele mit Eintracht-Beteiligung endete mit mehr als einem Tor Unterschied, das gibt es nirgendwo sonst. Bei dieser Ausgeglichenheit entscheidet auch mal das Quäntchen Glück hüben oder drüben über Sieg oder Niederlage, wie Bobic zurecht andeutet. Ein reiner Zufall sind diese Statistiken aber auch kaum. Leicht gelingt dieser Eintracht nichts, gleichzeitig macht sie jedem Gegner das Leben schwer. Und die Anforderungen in der Fremde zählen zu den Kompetenzen von Kovacs kampfbetonter Mannschaft: Die Abwehr abriegeln – und vorne irgendwie einen Treffer landen. „Wenn man die nötige Kompaktheit herstellt, reichen manchmal zwei Tore“, hat der Eintracht-Trainer gerade in Berlin wieder erlebt. Bisweilen ist sogar ein Treffer genug – wie in Mönchengladbach und Köln.

Nicht ausgeschlossen, dass im Duell mit den eigentlich übermächtigen Bayern die Serie der Partien mit nicht mehr als einem Tor Unterschied endet, zu Frankfurter Ungunsten. Das Problem, zu Hause selbst das Spiel gestalten zu müssen, sollte sich aber immerhin gegen diesen Gegner ausnahmsweise nicht stellen. So oder so: „Wir wollen die Bayern wieder ärgern, im letzten Jahr haben wir das geschafft“, erinnert Kovac an den Oktober 2016, als in Unterzahl noch der Ausgleich zum 2:2 gelang.

Einmal war die Eintracht schon die beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga: 1993/1994, in der Saison, in der Klaus Toppmöller die Münchner Gewohnheits-Meister früh abgehängt wähnte: „Bye-bye-Bayern“, winkte der damalige Eintracht-Trainer schon nach sieben Spieltagen. Am Ende indes wurde die berühmte Schale wie so oft auf dem Marienplatz in die Höhe gereckt. Toppmöller war in Frankfurt da schon Geschichte, die Eintracht kam nur auf dem fünften Platz ins Ziel – und bei allen Titel-Träumen war eine Reise-Meisterschaft gewiss kein Trost.

Sieben Siege, drei Unentschieden und sieben Niederlagen waren seinerzeit genug für die beste Auswärtsbilanz aller Bundesligisten. Mit jetzt schon vier Siegen, drei Unentschieden und nur einer Niederlage, einer recht unglücklichen in Leipzig, ist der aktuelle Frankfurter Jahrgang drauf und dran, diese Marke zu übertreffen. Wie auch immer: Fredi Bobic sieht die Sache ganz pragmatisch. „Wir sind froh, egal wo du punktest, ob auswärts oder zu Hause“, sagte der Sportvorstand am Sonntag im Hochgefühl nach dem Sieg in Berlin: „Hauptsache Punkte!“

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