Europa League

Warum die Eintracht dem Heimspiel gegen Lazio Rom entgegenfiebert

Die Stimmung ist wieder gut: Trainer Hütter bedankte sich bei seiner Mannschaft für den Sieg gegen Hannover, der Schwung geben soll für die europäische Bühne.

Besonders lange hat sich Eintracht Frankfurt mit dem ersten Heimsieg in dieser noch immer recht jungen Bundesligasaison nicht aufgehalten. Es bleibt ja auch gar keine Zeit, es geht Schlag auf Schlag. Nach dem aufgehübschten Alltag gegen Hannover wartet ein Glanzlicht, am Donnerstag wird in Frankfurt das Licht angeknipst und die europäische Bühne hell ausgeleuchtet, Lazio Rom kommt an den Main (21 Uhr/live bei RTL Nitro). „Da wollen wir für Furore sorgen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner.

Trainer Adi Hütter hat den wichtigen Dreier gegen die fast schon bemitleidenswerten Niedersachsen dann auch nur in aller Kürze nachbereitet, aber durchaus bemerkenswert. „Er hat sich bei der Mannschaft für das Spiel bedankt“, berichtete Hübner. Das ist eher ungewöhnlich. Der souveräne 4:1-Sieg hat sehr wohl für Erleichterung gesorgt. Bei einer weiteren Niederlage, das befürchtete auch Hübner, hätten die Frankfurter gewiss bis zur Winterpause hinten drin gesteckt und darum gekämpft, den Anschluss ans Mittelfeld zu halten. „Das ist nicht unser Anspruch“, führte der 57-Jährige aus.

Nun, nach sieben Punkten in sechs Partien, ist nicht alles rosarot, doch das Spiel „mit dem besonderen Stellenwert und mit unheimlich viel Druck“ auf dem Kessel, das haben die Hessen gewonnen. „Das war genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagte der Manager. Der Trainer habe den Druck auf die Mannschaft erhöht, sie habe gezeigt, damit umgehen zu können. Schon vorher habe das Team angedeutet, dass es „Qualität“ habe, gegen Hannover habe es sich endlich mal belohnt. Vor allem, weil die Spieler am Sonntag „die Galligkeit und Gier“ an den Tag gelegt hätten, um „unten rauszukommen“, in den vorherigen Partien „haben wir die Situationen nicht erzwungen“.

Ein Extralob hat der Sportdirektor auch für Coach Hütter in petto, der die Mannschaft richtig angepackt und aufgestellt habe. Vor allem die Hereinnahme des Brasilianers Allan Souza war sicherlich überraschend. Der 21-Jährige habe seine Sache im Mittelfeld richtig gut gemacht. „Er hat auch spielerische Elemente eingebracht.“ Allan sei ein gänzlich anderer Akteur als etwa Zerstörer Gelson Fernandes. „Gelson läuft ab und spielt den einfachen Ball“, urteilte Hübner, die Leihgabe des FC Liverpool könne hingegen auch mal einen überraschenden Pass einstreuen. Blöd nur: In der Europa League ist Allan nicht spielberechtigt, die Eintracht hatte Anfang September darauf verzichtet, ihn für den internationalen Wettbewerb zu nominieren.

Für ihn könnte Mijat Gacinovic wieder in die Startformation rücken, der, wie Hübner sagte, in den „letzten beiden Spielen zwar einen Hänger“ hatte, aber ein wichtiger und fleißiger Spieler sei. „Zuletzt hat ihm so ein bisschen die Konzentration beim letzten Pass gefehlt.“ Beim vorletzten leider auch schon.

Am Donnerstag wird zudem Jetro Willems unpässlich sein, er ist nach seiner Gelb-Roten Karte aus dem Auftaktspiel in Marseille gesperrt. Macht nichts, Filip Kostic, eigentlich als Stürmer eingekauft, gibt mittlerweile einen mehr als soliden Linksverteidiger und ist drauf und dran, dem Niederländer Willems den Rang abzulaufen. Kostic spielt bisher ganz anders, als gemeinhin erwartet wurde. Wer dachte, da würde ein Profi kommen, der es in der Rückwärtsbewegung vielleicht etwas langsamer angehen lässt, dafür aber vorne die Glanzlichter setzt, der sieht sich getäuscht. Es ist genau umgekehrt. Hinten ist der 25-Jährige stark und bissig, vorne fehlt so ein bisschen die zündende Idee oder der Punch. Insgesamt aber hat sich der Serbe sehr gut eingebracht und integriert, ist ein absoluter Teamplayer. „Er hat körperliche Präsenz und sorgt immer für Entlastung nach vorne“, analysierte Hübner. „Er hat eine gute Mentalität.“

Auf Akteure wie ihn wird es auch gegen den Topklub Lazio Rom ankommen. Da wartet ein dicker Brocken auf die Eintracht, ein ähnliches Kaliber wie Olympique Marseille, vielleicht noch einen Ticken stärker. Die Frankfurter gehen gewiss als Außenseiter in das „Highlight-Spiel“, doch sie wollen die Partie unter allen Umständen für sich zu entscheiden. „Das wäre ein Riesenschritt“, führte der Manager aus. Das Gesamtziel bleibt unverändert ambitioniert: „Unser Anspruch ist, die Gruppenphase zu überstehen.“ Mit acht, neun Zählern, glaubt Hübner, habe man gute Chancen, auf einen der ersten beiden Plätze. Der Auftaktsieg in Marseille hat der Eintracht schon mal drei Bonuspunkte gebracht. Und der Dreier gegen Hannover steigert die Vorfreude auf das Kräftemessen mit dem italienischen Spitzenverein noch ein wenig mehr. „Das gibt uns Schwung für den Europapokal.“

Einer wird gegen Lazio höchstwahrscheinlich erneut fehlen. Marc Stendera, der in Vergessenheit geratene Mittelfeldmann aus dem eigenen Stall. „Er hat es schwer“, bekräftigte Hübner. „Er hat ja auch lange nicht gespielt.“ Der 22-Jährige brauche eigentlich Spielpraxis, die er bei der Eintracht aber nicht bekommt, weil die Sportliche Leitung auf seine Dienste keinen gesteigerten Wert mehr legt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. „Deshalb haben wir ganz ehrlich mit ihm gesprochen“, sagte Hübner. Aber Stendera hat sich gegen einen Wechsel entschieden. „Manchmal muss man aber ein, zwei Schritte zurückgehen, um wieder voranzukommen“, sagte der Manager.

Stendera habe sich im Laufe der Zeit „ein Stück weit selbst verloren“, er sei gar nicht mehr richtig einzuschätzen. „Er ist für uns alle nicht zu greifen, und dann fährt der Zug immer weiter ab.“ Schade ist das allemal, da Stendera ein guter Junge ist und aus der eigenen Kaderschmiede stammt. Die Eintracht will in Zukunft wieder verstärkt auf die Jugend setzen. „Wir müssen auch wieder junge deutsche Spieler bekommen“, sagte Hübner. „Es muss unser Anspruch sein, den Nachwuchs zu stärken.“

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