Kevin-Prince Boateng ist in nur wenigen Wochen zu einem der wichtigsten Spieler der Frankfurter Mannschaft geworden.
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Kevin-Prince Boateng ist in nur wenigen Wochen zu einem der wichtigsten Spieler der Frankfurter Mannschaft geworden.

Eintracht Frankfurt

Warum Kevin-Prince Boateng für die Eintracht so wichtig ist

  • Melanie Gottschalk
    VonMelanie Gottschalk
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Als Eintracht Frankfurt im Sommer kurz vor knapp den Transfer von Kevin-Prince Boateng eintütete, sorgte das bei vielen für Skepsis. Doch der 31-jährige Mittelfeldspieler hat alle Kritiker eines Bessere belehrt.

Als im Sommer kurz vor knapp den Transfer von Kevin-Prince Boateng eintütete, sorgte das bei vielen für Skepsis. Die meisten dachten wohl an seine Vergangenheit als „Bad Boy“, an seine angeblichen Starallüren oder an seinen Egoismus. Doch schon nach wenigen Wochen stellte sich heraus, dass die Vorurteile gegen Boateng eben nur das waren: Vorurteile.

Denn mittlerweile ist Boateng 31 Jahre alt und sagt: "Wenn du im Alter nicht reifer wirst, dann hast du ein Problem." Ja, er habe früher Fehler gemacht. Und nein, es werde von ihm keine Skandale mehr geben. "Wenn ich heute lese: Bad Boy. Dann schreibt das jemand, der einfach nur die Schublade aufmacht, weil er keine andere Idee hat. Wenn man mich jetzt kennenlernt, sollte man etwas anderes schreiben."

Große sportliche Klasse

Boateng hat zum einen eine große sportliche Klasse. Er ist der Motor der Eintracht, verteilt die Bälle und bestimmt den Takt. Er schießt Tore und bereitet sie vor. Seine Spielweise zeichnet sich zudem durch seine technische Stärke aus. Sein ehemaliger Trainer in Dortmund, Jürgen Klopp, sagte einmal, Boateng beherrsche hundert Arten, einen Ball anzunehmen, und habe dutzende Optionen, an einem Gegenspieler vorbeizuziehen.

Der 1,85 Meter große Mittelfeldspieler verfügt über ein enormes Spielverständnis, weiß deshalb, wann das Spiel schnell gemacht werden muss und wann es Ruhe braucht. All das führt dazu, dass er in nur wenigen Wochen zum Führungsspieler in Frankfurt aufgestiegen ist. Die jungen Spieler schauen zu ihm auf, was auch daran liegt, dass sich Boateng nicht zu schade ist, sich die Hände auf dem Platz schmutzig zu machen. Er hat durch seine Führungskompetenz und sein Charisma erheblich zum Aufschwung der Eintracht beigetragen. Auch sein Trainer Niko Kovac weiß das: „Kevin kann überall spielen“, sagt Kovac über seinen Star.

Kampf gegen Rassismus

Aber auch abseits des Platzes hat sich Boateng mittlerweile seinen Respekt verdient. Schon seit einigen Jahren kämpft er gegen Rassismus, den er schon oft am eigenen Leib erfahren musste. 2013 sorgte er bei einem Freundschaftsspiel zwischen AC Mailand und dem Viertligisten Aurora Pro Patria für internationales Aufsehen.

Anhaltend rassistische Beleidigungen gegen dunkelhäutige Spieler bewogen ihn dazu, sich mehrfach beim Schiedsrichter der Partie zu beschweren – ohne Erfolg. In der 26. Minute des Spiels stoppe er deshalb mitten in einem Dribbling, nahm den Ball in die Hand, schoss ihn in Richtung der Tribüne, von der die Beleidigungen kamen, zog sein Trikot aus und ging vom Feld. Die anderen Milan-Spieler folgten ihm, ihr Mannschaftskapitän winkte sie vom Platz. Das Spiel war beendet. Boatengs Reaktion und die Solidarität seiner Mitspieler wurden als wichtiger Schritt gegen Rassismus in Fußballstadien gewertet.

Seither kämpft Boateng an vorderster Front. Nach der Bundestagswahl äußerte er sich in einem Interview zu dem Abschneiden der AfD: „Ich war geschockt. Wenn dich so viele Menschen aus dem Land wünschen, bist du besorgt.“ In Frankfurt stößt Boateng mit seinen Aussagen auf offene Ohren. Nur kurze Zeit später prangerte auch .

Der Reifeprozess kommt nicht von ungefähr. Boateng hat immer gekämpft und hart gearbeitet. In Frankfurt bringt er Woche für Woche eine Qualität auf den Platz, die für die Eintracht sehr wichtig geworden ist. Das spiegelt sich auch in der Tabelle wider. Denn die Eintracht belegt derzeit mit 45 Punkten den 4. Tabellenplatz und ist auf Europakurs.

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