Eintracht Frankfurt

Warum Luka Jovic längst mehr als nur ein Joker ist

Nach der dritten vergebenen Chance war der Ärger bei Luka Jovic groß. Erst hielt der 20-Jährige die Hände vor sein Gesicht, dann schlug er auf den Rasen der Arena im Stadtwald. Und dann machte er weiter. Jovic kam zu weiteren Chancen, arbeitete aber auch defensiv gut mit. Der Joker der Frankfurter Eintracht bewies gegen den FSV Mainz 05 (3:0), dass er auch über 90 Minuten eine Bereicherung sein kann.

Der Arbeitstag von Luka Jovic lief am Samstagnachmittag anders als gewohnt. Erst zum zweiten Mal als Eintracht-Profi durfte der Serbe über die volle Spielzeit ran – und nutzte nur eine seiner vielen Chancen. In der zweiten Hälfte hätte er binnen zehn Minuten das halbe Dutzend voll machen können. Aber erst geriet er zu sehr in Rücklage, dann war er nach einem Steilpass einen Schritt zu spät. Und dann prallte ein Schuss des Kraftpakets an die Unterkante der Latte und von dort zurück ins Feld. „Ich kann ihm heute überhaupt keinen Vorwurf machen“, sagte Eintracht-Trainer Niko Kovac nach der Begegnung und hob Jovics Anteil am souveränen Derby-Erfolg hervor: „Mir hat sehr gefallen, dass er mitgespielt hat. Er hat sich ins Mittelfeld fallen lassen und Bälle geholt. Er hat das außerordentlich gut gemacht.“

Bei der Eintracht hatte Jovic, der im vergangenen Sommer auf Leihbasis von Benfica Lissabon kam, bislang vor allem durch seine Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse für Aufsehen gesorgt. Das Kraftpaket vergibt nur selten Chancen – und ist schnell auf Betriebstemperatur. So etwa vor gut einer Woche, als er im dramatischen Spiel bei Borussia Dortmund (2:3) 23 Minuten vor Schluss aufs Feld kam. Acht Minuten später erzielte er den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich – sein viertes Joker-Tor im Eintracht-Dress. Sechs Bundesliga-Treffer hat der serbische U21-Nationalspieler nun auf dem Konto – nur zwei weniger als Sébastien Haller. Der Franzose war bislang in dieser Runde im Sturm meist gesetzt, hatte aber zuletzt nicht überzeugen können. Dass Jovic im Derby von Beginn an spielte, hatte sich daher angebahnt. Erst zum vierten Mal stand der Jungspund in der Startelf – und unterstrich eindrucksvoll, dass er das Eintracht-Spiel auch über 90 Minuten beleben kann. Der Mittelstürmer lauerte nicht nur auf seine Chancen, sondern zeigte sich auch sehr lauffreudig und sorgte immer wieder für Überzahlsituationen im Mittelfeld. Mehr als elf Kilometer legte Jovic am Samstag zurück – auf bessere Werte kamen lediglich Jonathan de Guzmán und Marius Wolf. Bei der Eintracht gilt er als Rohdiamant, hatte in den ersten Monaten aber Anlaufschwierigkeiten. In Lissabon spielte Jovic nur in der Reservemannschaft, musste sich daher an das wesentlich höhere Niveau zunächst gewöhnen.

„In der Bundesliga wird viel härter trainiert als in Portugal“, hatte er vor einigen Wochen mal gesagt. Knapp eineinhalb Jahre kickte Jovic beim portugiesischen Rekordmeister, der große Hoffnungen in den serbischen U21-Nationalspieler gesetzt hatte. 6,6 Millionen Euro überwies Benfica vor zwei Jahren an Roter Stern Belgrad. Wenn die Eintracht den Stürmer kaufen will, müsste sie im Sommer 2019 12,5 Millionen Euro Ablösesumme zahlen.

Als 16-Jähriger durfte Jovic bereits in der ersten Mannschaft ran. Der Hype um ihn war groß, die Erwartungshaltung ebenso. In Frankfurt kann er sich hingegen in Ruhe entwickeln. Trainer Kovac wusste natürlich von Anfang an um Jovics Potenzial, wusste aber auch, dass er ihm Zeit geben musste. Um sich an das Land, die Mannschaft und die Spielweise zu gewöhnen, aber auch um an Defiziten zu arbeiten. „Er hat konditionell an Substanz hinzugewonnen“, sagt Kovac, der auch Verbesserungen im Defensivverhalten ausgemacht hat: „Er sieht ein, dass er defensiv genauso arbeiten muss wie alle anderen auch.“ Am Samstag lief er die Mainzer Verteidiger immer wieder aggressiv an und provozierte damit Ballverluste. Da er überdies sehr ballsicher und spielintelligent ist, genießt er in der Frankfurter Mannschaft einen sehr guten Ruf. „Wenn er so weiter macht, dann wird er ein ganz, ganz großer Spieler. Jeder, der Ahnung von Fußball hat, weiß das“, sagt Kevin-Prince Boateng.

Derzeit hat Jovic im Sturm die Nase vor Haller, dem bis dato treffsichersten Eintracht-Akteur in dieser Saison. In den jüngsten Begegnungen versprühte der bullige Franzose aber keinerlei Gefahr und wirkte ausgebrannt. Jovic hingegen war nicht nur gegen Mainz ein ständiger Unruheherd. Stets aufmerksam, stets auf der Lauer. Und stets eiskalt vor dem gegnerischen Gehäuse. Nur am Samstagnachmittag nicht. Man wird es ihm bei der Frankfurter Eintracht gewiss verziehen haben.

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