3000 mitgereiste Eintrachtfans machen die Partie in Leverkusen zum Heimspiel.
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3000 mitgereiste Eintrachtfans machen die Partie in Leverkusen zum Heimspiel.

Eintracht Frankfurt

"Wer vom Titel redet, ist saublöd"

Für Toto-Tipper ist dieses Spiel am 7. Februar 2004 eine Bank: Bayer Leverkusen, als Vierter in der Tabelle noch in Reichweite der Meisterschale, empfängt den Vorletzten aus Frankfurt. Mit dem Abstieg abgefunden haben sich die Eintrachtler allerdings noch nicht. So konnte Bayern München im ersten Rückrundenspiel beim 1:1 im Waldstadion ein Punkt abgetrotzt werden. Zudem hat man sich in der Winterpause mit Ingo Hertzsch und Ioannis Amanatidis verstärkt.

Genau zwölf Jahre ist es her, dass die Eintracht zuletzt unter dem Bayer-Kreuz gewonnen hat. Damals war es ein 3:1, unter anderem durch ein Tor von Andreas Möller. Jener Spielmacher vergangener Zeiten, der zum Ende seiner Karriere davon überzeugt ist, er könne der Eintracht in dieser Saison beim Klassenerhalt helfen. Wirklich geholfen hat dieser „Neuzugang“ bislang allerdings nicht. Und auch heute kann er verletzungsbedingt nur vor dem Fernseher die Daumen drücken.

So stellt Trainer Willi Reimann heute dieselbe Mannschaft auf, die gegen die Bayern einen Punkt geholt hat. Mit dabei sind also die Wintereinkäufe Ioannis Amanatidis und Ingo Hertzsch, der in der Hinrunde noch das Trikot des heutigen Gegners trug. Veränderungen gibt es dagegen beim Heimteam: Nach der Niederlage in Freiburg stellt Klaus Augenthaler die Bayer-Elf auf drei Positionen um. Neben Franca und Ramelow wird heute der Ex-Frankfurter Bernd Schneider als Spielmacher für den verletzten Ponte auflaufen.

Vor rund 3000 mitgereisten Fans legen die selbst ernannten Titelaspiranten gegen den Abstiegskandidaten gleich richtig los. Dimitar Berbatov setzt zu einem Sprint in den Strafraum an, Christoph Preuß lässt ihn tatenlos gewähren, aber der Bulgare knallt den Ball unbedrängt nur gegen den Pfosten. Und die Berbatov-Show geht weiter: Flanke von Bernd Schneider in den Strafraum, der bulgarische Nationalstürmer kann unbedrängt aus fünf Metern köpfen, er verfehlt aber das Tor von Oka Nikolov knapp.

In der Folge drängt die Werkself weiter auf die Führung. Die 15. Spielminute, wieder ist es Berbatov, der die Kugel mit dem Kopf in Richtung Tor befördert, aber Oka Nikolov kann den Ball gerade noch über die Latte lenken. Klaus Augenthaler sagt später: „Was soll ich machen, wenn er die klarsten Dinger nicht reinkriegt?“

Spiel unterm Bayer-Kreuz

Nach dieser ersten Drangphase hat sich die Frankfurter Abwehr endlich formiert und geht bereits im Mittelfeld konsequent in die Zweikämpfe. Hiermit hat Leverkusen zunächst Probleme, so dass nun die Adler zu ersten Kontern kommen. Es ist Du-Ri Cha, der nach einem schönen Lauf von halbrechts kommend die erste Chance hat, doch seinen Schuss kann Torhüter Jörg Butt um den Pfosten lenken (20.). Die Ecke von links führt Henning Bürger aus, seine Flanke findet im Strafraum Ingo Hertzsch. Der köpft den Ball in Richtung langes Toreck, Butt will reagieren, aber Juan verlängert den Ball zum 0:1 in das eigene Netz. Der Frankfurter Block jubelt und sorgt von nun an dafür, dass die Frankfurter ein gefühltes Heimspiel haben.

Leverkusen will reagieren, nur es gelingt nicht. Die Abwehr um Hertzsch und Chris steht sicher, Alexander Schur hat Schneider fest im Griff, so dass sich für die Leverkusener bis zur Pause keine Chancen mehr ergeben. Aber auch die Eintracht kommt mit ihren Kontern meist nur in die weitere Strafraumnähe, so dass es mit der knappen Führung für die Gäste in die Pause geht.

Zur zweiten Halbzeit bringt Augenthaler Oliver Neuville für Franca, und die Leverkusener starten ebenso offensiv wie zu Beginn des Spiels. Aber noch steht die Abwehr der Eintracht, so auch in der 55. Minute, als Schneider frei zum Schuss kommt und Schur sich mit einem Hechtsprung dazwischen wirft. Die Eintracht lauert weiter auf Konter, diesmal über Amanatidis, der den Ball im Mittelfeld bekommt und in Richtung Strafraum sprintet. Erst kurz vor dem Strafraum kann Jens Nowotny den Griechen in letzter Sekunde stoppen. Direkt im Gegenzug flankt Babic auf Berbatov, der Bulgare verlängert im Strafraum, und Neuville kommt an den Ball. Ein kurzer Schlenzer, und Neuville kann den Ball auf Höhe der Fünfmeterlinie an Nikolov vorbei zum 1:1 ins Tor schieben (61.).

Nun macht Bayer mächtig Druck, und es ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, aber Neuville scheitert aus 18 Metern am glänzend parierenden Nikolov, Chris klärt in letzter Not vor Lucio, und Schneider macht seinem Ex-Verein in der 66. Minute ein Geschenk, als er frei stehend nach einer Faustabwehr von Nikolov aus zwölf Metern das leere Tor nicht trifft.

„Auswärtssieg!“

Allmählich schaffen es die Eintrachtler nun, den neu formierten Sturm der Leverkusener wieder in den Griff zu bekommen. Sie erarbeiten sich sogar Konterchancen durch Chris und den unverdrossen kämpfenden Amanatidis.

Dann die 77. Minute: Der für Cha eingewechselte Stefan Lexa sprintet auf der rechten Seite bis zur Höhe des Strafraums und spielt zurück auf Schur. Schur setzt sich auf halbrechts gegen zwei Leverkusener durch und flankt in den Strafraum, Amanatidis steigt hoch, trifft den Ball und versenkt ihn zur Führung der Gäste im langen Eck. „Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ – so hallt es durch das kleine Stadion.

Bayer wirft nun alles nach vorne, die Eintracht kann nur noch verteidigen, erledigt dies aber mit enormer Leidenschaft, unterstützt von den Frankfurter Fans. Immer wieder ist es jetzt Nikolov, der die Führung der Eintracht sichert, so auch in der 84. Spielminute, als er Lucios Kopfball aus kurzer Distanz über die Latte lenken kann. „Nie mehr zweite Liga!“ singen die 3000 Frankfurter, die sich anhören, als wären es 20 000.

Dann ist Schluss, die Adler auf dem Platz lassen sich von den Adlern in der Kurve feiern. Die Eintracht gewinnt 2:1 und hat nun als Tabellen-16. nur noch zwei Punkte Rückstand auf die Nichtabstiegsränge.

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