David Abraham im Interview

"Wir müssen mutiger auftreten"

Bei der Eintracht hat sich David Abraham schnell eingelebt. Der aus Hoffenheim gekommene Verteidiger stand in 15 von 17 möglichen Partien auf dem Platz. Er hofft, in der Rückrunde das Glück etwas öfter erzwingen zu können.

Hallo David, wie geht’s? Wie haben Sie die Vorbereitung überstanden?

Ganz gut, es war natürlich anstrengend, wie jede Vorbereitung. Das Trainingslager war optimal: Das Hotel, der Platz, das Feeling – da trainiert man mit Engagement und Freude. Hinzu kam, dass wir immer blauen Himmel und angenehme Temperaturen hatten. Jetzt müssen wir die gute Vorbereitung aber in der Rückrunde bestätigen.

Hatten Sie in der Winterpause Zeit, nach Hause zu fliegen? Vermissen Sie Argentinien manchmal?

Ich war über Weihnachten bei meiner Familie in Argentinien. Es war wie immer schön, Weihnachten daheim zu feiern. Natürlich denkt man ab und zu an die Heimat, aber ich habe hier in Deutschland meine zweite Heimat gefunden. Die Menschen sind freundlich, der Lebensstandard sehr gut, und selbst an die frostigen Temperaturen in diesen Tagen habe mich gewöhnt. Ein Freund von mir hat mir die Tage ein Bild eines Thermometers aus Argentinien geschickt, das zeigte 44 Grad an, da bin ich dann doch ein bisschen neidisch geworden.

Im Trainingslager kamen ein paar neue Kollegen dazu. Sie waren mit Marco Fabián auf dem Zimmer. Haben Sie ihm ein paar Tipps gegeben, wie man in Deutschland gut zurechtkommt?

Wir haben viel geredet auf dem Zimmer, auch über unsere Heimatländer in Süd- und Mittelamerika. Marco ist ein Typ, der sich schnell anpassen wird. Ich habe im Training für den Trainer übersetzt, aber ich bin mir sicher, dass Marco mit seiner Spielintelligenz keine große Integrationsphase benötigt.

Wie eng sind die Verbindungen in der Mannschaft? Hat die Eintracht ein richtiges Team oder sind sich manche eher noch fremd?

Wir haben eine tolle Gemeinschaft. Natürlich rede ich mehr mit meinen Kollegen, die spanisch sprechen, wie Marco oder Carlos Zambrano. Aber auch Haris Seferovic und Luc Castaignos sprechen meine Muttersprache. Insgesamt haben wir einen guten Zusammenhalt und lachen auch viel, wenn das Training vorüber ist.

Wie war das eigentlich damals bei Ihnen? Sie sind ja aus Argentinien in die Schweiz gewechselt. Weil es unbedingt Europa sein musste?

Der europäische Fußball genießt in meiner Heimat einen hohen Stellenwert, deshalb wollte ich dort auch immer einmal spielen. Meine erste Station in Europa war aber die zweite Liga in Spanien. Vor allem wegen der Sprache war der Sprung in diese neue Welt nicht so groß. Da ich bis dahin nur einen argentinischen Pass besaß, waren die Optionen, in andere Länder zu wechseln, nicht so hoch. In der Schweiz, bei Basel, war das Ausländerkontingent noch nicht ausgeschöpft, so dass ich dort einen Vertrag unterschreiben konnte.

Was mussten Sie in der Schweiz dazulernen? Wie groß sind die Unterschiede zwischen dem Leben und dem Fußball dort und in Argentinien?

Es gab schon sehr große Unterschiede. Ich habe am Anfang meine vielen Freunde aus der Heimat vermisst, in der Schweiz war alles neu für mich. Dazu musste ich mich erst einmal an die Mentalität der Schweizer gewöhnen. Die Art, Fußball zu spielen, war ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Mehr Härte, mehr Zweikämpfe.

Inzwischen sind Sie zweieinhalb Jahre in Deutschland. Was können Sie über den deutschen Fußball sagen? Und über das Leben. Ist es hier so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Erst einmal fühlen sich meine Familie und ich sehr wohl hier in Frankfurt. Es ist eine schöne Stadt und die Leute haben uns toll hier aufgenommen. Was mich am deutschen Fußball fasziniert, sind die tollen Stadien. Die Commerzbank-Arena ist eine der schönsten und erinnert mich durch die tolle Unterstützung der Fans ein bisschen an meine Heimat. Und der deutsche Fußball ist in seiner Breite sehr ausgeglichen, das heißt, du musst Woche für Woche deine Bestleistung abrufen.

Hoffenheim haben Sie letzten Sommer verlassen, weil Sie mehr spielen wollten. Sind Sie damit zufrieden, wie sich die Sache in Frankfurt bisher für Sie entwickelt hat?

Ich bin sehr zufrieden hier bei der Eintracht. In Hoffenheim hat mir der Trainer am Ende kaum noch eine Gelegenheit gegeben, mich zu beweisen. Wir haben hier in Frankfurt auch eine gesunde Konkurrenzsituation, und das stachelt den Ehrgeiz an. Ich habe in der Vorrunde 15 von 17 Spielen gemacht. Das gilt es jetzt in der Rückrunde zu bestätigen.

Ihre Mannschaft steckt im Abstiegskampf – da haben Sie ja mit Hoffenheim schon Erfahrung gesammelt. Machen Sie sich große Sorgen?

Natürlich muss man die Situation im Auge behalten, denn der Vorsprung vor den Abstiegsplätzen ist nicht groß. Wir haben eine gute Vorbereitung hinter uns, der Kader ist qualitativ aufgestockt worden und wir haben insgesamt ein gutes Team, alles Faktoren, die mich optimistisch stimmen, dass wir am Ende der Saison mindestens vier Mannschaften hinter uns lassen werden.

Wie haben Sie die Hinrunde erlebt? Gab es Schlüsselmomente – Spiele, in denen nichts geklappt hat und Selbstvertrauen und Selbstverständnis der Mannschaft einen Knacks bekommen haben?

Bis zum Hertha-Spiel haben wir eine ordentliche Runde gespielt, in der zweiten Halbzeit aber den Faden verloren. Danach mussten wir auch durch Verletzungen immer wieder die Mannschaft umstellen.

Die Niederlagen gegen die Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt waren bittere Momente, ebenso das Pokalaus bei Drittligist Aue.

Aber wir haben auch Höhepunkte erlebt. Das 6:2 daheim gegen Köln, das war eine Gala. Und dann natürlich das ermauerte 0:0 gegen die Bayern, damit haben wir als erstes Team in dieser Saison den Bayern Punkte abgenommen. Es war insgesamt eine Art Berg- und Talbahn-Fahrt der Gefühle.

Was muss die Mannschaft in der Rückrunde anders machen? Und was müssen Sie persönlich verbessern?

Wir müssen wieder mutiger und selbstbewusster auftreten. Das letzte Heimspiel gegen Bremen war dafür ein Beleg. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten eine Partie, und da brauchen wir auch ein bisschen Glück dazu, Glück, welches uns in der Hinrunde ab und zu gefehlt hat. Wenn wir nur einen Sieg mehr auf dem Konto hätten, ich denke da nur an die Partie bei meinem alten Verein in Hoffenheim, dann würden wir unsere Situation schon etwas positiver bewerten. Was mich persönlich betrifft, ich versuche, in jeder Partie das Optimale herauszuholen. Es gibt immer wieder Dinge, die man verbessern kann, zum Beispiel arbeite ich im Training immer wieder an meinem Passspiel.

Was können Sie denn zu den Tests gegen Dortmund und Braunschweig sagen?

Die Ergebnisse in den Testspielen darf man nicht überbewerten. Viele andere Bundesligisten haben da auch ihre Probleme. Die Partie gegen Dortmund war der Abschluss eines anstrengenden Trainingslagers, wir waren alle müde, vor allem im Kopf. Dazu sind uns viele leichte Fehler vor allem in der Defensive unterlaufen, die wir natürlich im Ligabetrieb nicht wiederholen dürfen.

Sie sind also optimistisch und können die Fans beruhigen, die sich Sorgen machen?

Ich bin von Hause aus ein positiver Mensch. Und ich bin überzeugt, dass, wenn wir von weiteren Verletzungen verschont bleiben, die Qualität haben, um eine ordentliche Rückrunde spielen zu können.

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