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Woche der Worte und Taten

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Von: Peppi Schmitt

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Lagebesprechung: Eintracht-Trainer Armin Veh (links) und Bastian Oczipka.
Lagebesprechung: Eintracht-Trainer Armin Veh (links) und Bastian Oczipka. © Huebner/Blatterspiel

Innerhalb des Clubs herrscht weiter Ruhe. An der Spielweise und den Spielern wird nicht gezweifelt.

Es war bei der Frankfurter Eintracht eine Woche der Taten. Die Trainingsarbeit für die Spieler war deutlich verschärft worden. Konditionstrainer Christian Kolodziej hat von einer „Mini-Vorbereitung“ gesprochen, die man eingeschoben habe während der Bundesligapause wegen der Fußball-Länderspiele.

Es war aber auch eine Woche der Worte. Trainer Armin Veh hat viel gesprochen nach der Niederlage in Ingolstadt, er hat analysiert, den Spielern seine Meinung ziemlich deutlich vermittelt, aber auch öffentlich seine Gedanken und Planungen erklärt. Und auch Manager Bruno Hübner ist in die Öffentlichkeit gegangen, hat mehrere offizielle Interviews gegeben und noch mehr inoffizielle Gespräche hinter den Kulissen geführt. Ziel aller Maßnahmen war und ist es, das Kippen der seit Saisonbeginn guten Stimmung zu verhindern.

Denn alle spüren, es rumort rund um die Eintracht. Nicht innerhalb des Clubs, da herrscht weiter große Ruhe und Harmonie. Aber vor allem in den sogenannten sozialen Netzwerken und in diversen Internetforen nutzen einige wenige echt Besorgte, aber eben auch viele notorische Nörgler die Gunst der Stunde, strukturelle Krisen herbei zu schreiben. Erstaunlich, dass dem auch und gerade auf der offiziellen Homepage des Vereins eine Plattform gegeben wird. Dies hatte der Eintracht schon in der vergangenen Saison massiv geschadet, als der damalige Trainer Thomas Schaaf in die Kritik geraten war. Während die eine oder andere Zeitung ihre Kommentarfunktionen damals eingeschränkt oder ganz abgeschaltet hatte, konnten die unsachlichen Tiraden auf der Eintracht-Seite ungehemmt weitergehen.

Nun ist dies aktuell nur ein Randaspekt, denn bei der Eintracht stehen alle einträchtig zusammen. Die Autorität des Trainers ist unantastbar, die Überzeugung, mit Armin Veh auf dem richtigen Weg zu sein, allumfassend. Es gilt uneingeschränkt das von Vorstandschef Heribert Bruchhagen seit mehr als einem Jahrzehnt gepredigte Dogma: „Der Trainer hat einen Stern mehr.“ Der aktuelle Trainer sieht denn auch keinen Anlass von grundsätzlichen Überzeugungen Abstand zu nehmen. Er ist überzeugt, dass der „Ballbesitzfußball“ das Richtige für diese Mannschaft ist, dass Kombinationen zu Erfolg führen werden, dass Frankfurt zurecht Offensivfußball von der Eintracht erwartet. Mit Fußball, wie ihn der eine oder andere Konkurrent spielt, will und kann er sich nicht anfreunden. Auch wenn eine Spielart, wie sie zuletzt der FC Ingolstadt gegen die Eintracht, oder die irische Nationalmannschaft gegen die deutsche angewandt hat, durchaus zum Erfolg führen kann. Da wurden die Bälle hoch und weit nach vorne geschlagen, hinterhergerannt und in einzelnen Fällen dann getroffen. Für die Eintracht sei dies nichts, beharrt Veh, „das ist nicht mein Ansatz und das ist auch nicht unser Fußball“.

Visionär geblieben

Veh ist in Bezug auf schönen, attraktiven Fußball immer Visionär geblieben. Aber ein Träumer ist er nicht. Und so fügt er bei allen Analysen hinzu, „dass nichts alternativlos ist“. Schließlich betreibe man Profisport und der sei nun einmal ganz eng mit Ergebnissen verknüpft. Soll heißen: Es können Situationen eintreten, die ein kurzfristiges Überbordwerfen der eigenen Überzeugungen erfordert. Vor zwei Jahren war dies so gewesen, als eine Gegentorflut die Eintracht zu überrollen schien und der Frankfurter Trainer als Konsequenz zwischenzeitlich auf Defensivfußball umstellte. Eine solche Umstellung sei „nicht schwer“, verteidigen wie Ingolstadt könne seine Mannschaft allemal. Im Winter 2013/14 hatte das übrigens tatsächlich geklappt. Die Eintracht hatte mit Alexander Madlung überraschend einen weiteren rustikalen Abwehrspieler verpflichtet, der dann tatsächlich zur Stabilisierung beitrug. Die ersten drei Heimspiele der Rückrunde wurden „zu Null“ gespielt, die Abstiegsgefahr war bald gebannt.

So weit aber wollen sie es diesmal gar nicht erst kommen lassen. Veh ist nicht nur von seiner Spielweise, sondern auch von seinen Spielern überzeugt. Deren Charakter sei „einwandfrei“, auch die Qualität sei ausreichend. Freilich kann mangelnde Leidenschaft, wie zuletzt gegen Ingolstadt, auch ein negativer Charakterzug sein. An der Einstellung könne jeder Mensch arbeiten, jeden Tag, mahnt er. „Ich habe mich schon oft geändert in meinem Leben“, gibt der 54 Jahre alte Frankfurter Trainer zu, „jeder Spieler kann an seiner Mentalität arbeiten und sich dabei verändern.“

Und die Spieler folgen ihrem Trainer. Ob dies zeitlich begrenzt ist, werden die nächsten Wochen zeigen, vielleicht schon das Heimspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach. Noch jedenfalls sind auch die Spieler überzeugt, dass die Spielweise, aber auch der grundsätzlich eingeschlagene Weg der richtige ist. Auch die Verschärfung des Trainings in der vergangenen Woche war durchaus im Sinne der Mannschaft. Harte Arbeit hilft manchmal wohl gegen ein schlechtes Gewissen.

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