Obenauf: Marius Wolf (links) sticht auch in Wolfsburg heraus.
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Obenauf: Marius Wolf (links) sticht auch in Wolfsburg heraus.

Eintracht Frankfurt

Wolf mischt die „Wölfe“ auf

„Er wird definitiv Frankfurter“, verspricht Sportvorstand Bobic. Gut so, denn Wolf macht in einer „einzigartigen Entwicklung“ immer weiter.

Es ist noch nicht so lange her, da hat Kevin-Prince Boateng Marius Wolf, seinem besten Freund im Eintracht-Team, eine große Karriere prophezeit. „Wenn er so weitermacht, kann er mal Nationalspieler werden“, hatte der weit gereiste und erfahrene Frankfurter Anführer gesagt. Das war nach dem Sieg in Berlin bei der Hertha am 3. Dezember, ein 2:1 durch einen Treffer von Wolf und einem Kunstschuss von Boateng. Das klang damals vielleicht doch noch etwas hoch gegriffen, bei aller Freundschaft. Aber wer weiß? Wolf hat tatsächlich so weitergemacht – und jetzt auch die „Wölfe“ aufgemischt.

„Auf der linken Seite wurden wir ausgespielt, vor allem in der ersten Halbzeit“, räumte Martin Schmidt hinterher ein. Ein Mittel, um Marius Wolf zu stoppen, fiel aber auch dem Trainer des VfL Wolfsburg nicht so recht ein. De 22-Jährige war immer gefährlich, hatte bei beiden Frankfurtern Treffern zur 2:0-Führung die Füße im Spiel.

Schmidts Frankfurter Kollege Niko Kovac nutzte den nächsten überragenden Auftritt, um seinem Senkrechtstarter eine „einzigartige Entwicklung“ zu attestieren. Der Sprung, den Marius Wolf in dieser Saison gemacht hat, verblüfft selbst die Verantwortlichen. „Marius ist mit seiner Art, wie er Fußball spielt, mit seinen Läufen, oft herausgestochen. Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot“, schwärmte schon Sportvorstand Fredi Bobic Anfang Januar im Trainingslager an der Costa Blanca.

Dort stand trotzdem die Frage im Raum, wie es wohl weiter gehen würde – nun, da Rechtsverteidiger Timothy Chandler wieder bereitstand, den Wolf in dessen Verletzungspause so glänzend vertreten hatte, dass das Fachmagazin Kicker ihn als sechstbesten Außenverteidiger der Bundesliga-Hinrunde einstufte. Die Antwort: Es spielen beide, Chandler links, Wolf weiter rechts – was in Wolfsburg sogar zu einem Tor in Co-Produktion führte.

Wolf ist am Samstag wie so oft am weitesten von allen Spielern gelaufen (12,41 Kilometer) und er hat die meisten Sprints geleistet (42), er hat durchaus technische Fähigkeiten. Und er zeigt inzwischen immer mehr Übersicht, was er vor allem beim 2:0 durch Chandler unter Beweis stellte. „Marius verausgabt sich in jedem Spiel“, sagte Kovac, „da haben wir einen guten Fang gemacht“. Das kann sich Manager Bruno Hübner ans Revers heften. „Bruno hatte ihn schon in München auf dem Schirm“, erzählt Kovac, „da sieht man, dass es sich lohnt, auch in der Zweiten Liga zu schauen“. Doch der Coburger Wolf, aus der Jugend von 1860 München stammend, musste erst den Umweg über Hannover wählen.

Dort kam er nicht zum Zug, bei der Eintracht umso mehr. Offiziell ist er noch ausgeliehen von den Niedersachsen, aber Bobic lässt keine Zweifel, dass die Eintracht weiter mit dem bissigen Wolf arbeiten wird. „Er wird definitiv Frankfurter“, sagte er. 500 000 Euro muss die Eintracht zahlen, das ist vertraglich vereinbart. Das ist wirklich ein Schnäppchen, gut verhandelt. Zumal Wolf noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen scheint. „Bei der dritten Chance hätte ich selbst schießen müssen“, sprach er später lieber über eine vergebene Chance als die beiden vorbereiteten Tore, „das nächste Mal weiß ich das.“

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