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Eintracht Frankfurt

Die Ziele verfehlt: In der Saison 2001/2002 jubeln weder Frankfurter noch Mainzer

Die einen wollen gleich zurück, die anderen endlich mal nach oben. Jubeln werden am Ende der Saison 2001/2002 aber weder Frankfurter noch Mainzer. Und auch nach den direkten Duellen gibt es keinen Grund zum Feiern.

Die Frankfurter Eintracht und der FSV Mainz 05 verfolgen in der Spielzeit 2001/2002 die gleichen Ziele, wenn auch mit unterschiedlichen Vorgaben: Die einen wollen zurück in die Beletage des deutschen Fußballs, die anderen endlich auch einmal Erstligaluft schnuppern. Nicht nur aufgrund dieser Zielsetzungen ist das Hinspiel, das im Rahmen des 13. Spieltags am 19. November 2001 am Bruchweg stattfindet, eine mit Spannung erwartete Partie. Es ist auch als Aufeinandertreffen des Tabellenersten und des Vierten der Zweiten Liga – also ein echter Kampf um die Plätze an der Sonne. Wobei die als Gast auftretende Eintracht deutlich mehr in Zugzwang ist. Denn der derzeitige Tabellenvierte liegt sieben Punkte hinter den Mainzern, die mit satten 31 Punkten aus zwölf Spielen von der Tabellenspitze grüßen und schon Erstligapläne schmieden.

„Wir werden mit viel Selbstvertrauen nach Mainz fahren, wir haben uns dieses Vertrauen in unsere eigene Leistungsfähigkeit hart erarbeitet“, meint Martin Andermatt vor dem mittlerweile fünften Aufeinandertreffen der beiden Vereine in der Zweiten Liga, bei dem diesmal der in den letzten sieben Ligaspielen siegreiche Tabellenführer der Favorit ist. Trotzdem ist das selbst gesteckte Ziel mindestens ein Zähler, meinen auch Uwe Bindewald und Alexander Schur, die beide noch – 1987/88 bei den Eintracht Amateuren beziehungsweise 1990 bei Rot-Weiss Frankfurt – mit FSV-Trainer Jürgen Klopp zusammen gekickt hatten.

„Wir hauen sie weg! 3:1, jede Wette“, gibt sich der Mainzer Präsident Strutz gewohnt großmäulig, doch er hat auch allen Grund dazu, nachdem der Tabellenführer in dieser Saison erst einmal verloren hat. Zumindest offiziell bleibt Trainer Klopp viel ruhiger, erwartet „eine interessante Partie mit Pokalcharakter“ und hofft auf einen Sieg. „Ich will denen zeigen, dass es ein Fehler war, mich nicht zu holen“, meint unterdessen der in Frankfurt geborene 25 Jahre alte Michael Thurk, der unter Trainer Ehrmanntraut getestet, aber nicht verpflichtet wurde.

Qualmender Empfang

Die mindestens 5000 Frankfurter Fans, die sogar mit eigens angemieteten Schiffen anreisten, bereiten ihrer Eintracht nicht nur einen lautstarken, sondern einen heftig qualmenden Empfang. Nachdem sich die Rauchschwaden gelegt haben, startet der Tabellenführer wie die Feuerwehr und lässt die Eintracht nicht ins Spiel kommen. Richtig gefährlich wird es in der zwölften Spielminute, als Thurk bei einem schnellen Angriff Wimmer ausspielt und sofort in den Strafraum flankt. Heinen ist jedoch zur Stelle und kann vor Weiland klären.

Skelas Oberschenkel

Langsam kommt die Eintracht besser ins Spiel und kann es jetzt weitgehend ausgeglichen gestalten, so dass es kaum noch ein Durchkommen für die Mainzer gibt. Während man selbst auf Konter lauert. Die größte Chance der Hausherren hat N’Kufo, der sich frei vor Heinen die Ecke aussuchen kann, aber danebenschießt. Wird das bestraft? Auf der anderen Seite hat Skela kurz vor dem Halbzeitpfiff die Chance zum Torerfolg, doch sein Schuss ist nicht hart genug, so dass Wache klären kann. In der zweiten Hälfte sehen die rund 15 000 Zuschauer zu Beginn eine jetzt aggressiver nach vorne spielende Eintracht. Doch Chancen ergeben sich zunächst nicht, da die Mainzer oft energisch dazwischenhauen oder ihre Abseitsfalle zuschnappen lassen. Nach vorne läuft allerdings nicht viel beim Tabellenführer zusammen, da die Eintracht nach wie vor früh stört.

In der 63. Minute ist es dann endlich soweit: Wimmer ersprintet einen langen Pass von Branco auf der rechten Seite und läuft weiter, während der Linienrichter eine Abseitsstellung von Eintracht-Stürmer Yang anzeigt. Ein Teil der Mainzer Abwehr bleibt stehen, während Wimmer die Kugel fast auf Höhe der Torauslinie nach innen zieht, wo sie Skela mit dem Oberschenkel aus fünf Metern zum 1:0 in die Maschen drückt. Zu Recht wertet Schiedsrichter Aust die Situation als passives Abseits von Yang, so dass der Treffer völlig korrekt ist, was Trainer Klopp natürlich nicht von seinem obligatorischen Veitstanz an der Seitenlinie abhält.

Die Eintracht kontrolliert nun das Spiel und hat Chancen, die Führung zu erhöhen. Trainer Klopp reagiert und bringt erst Voronin für Hock und fünf Minuten später Ziemer für Weiland (74.). Doch nicht die Neuen, sondern die Eintracht hilft den Mainzern. In der 78. Spielminute gibt es Ecke für Mainz, die Schuler direkt auf das Tor zieht. Rada springt hoch, verfehlt den Ball aber, so dass Heinen kurz irritiert ist und den Ball einfach nach vorne patscht, statt ihn ins Toraus segeln zu lassen. Genau zu Friedrich, der ihm die Kugel durch die Hosenträger zum 1:1 ins Netz setzt.

Müde Nullnummer

Mit dem Ausgleich scheinen beide Teams zufrieden zu sein, denn bis auf einen Schuss von Ziemer in der Nachspielzeit, den Heinen parieren kann, passiert nicht mehr viel. Die Frankfurter bleiben mit einem Punkt Rückstand auf Bielefeld Tabellenvierter, die Mainzer an der Tabellenspitze.

Das Rückspiel in Frankfurt endet am 8. April 2002 – einem Montag – mit 0:0. Und nach dem 34. Spieltag kann die Eintracht einen siebten Platz in der Zweiten Liga für ihre Jahrbücher notieren und feststellen, das Ziel Wiederaufstieg klar verfehlt zu haben. Große Gefühle weckt allenfalls der Abschied vom alten Waldstadion, bei dem Mitte Juni die Kurven niedergerissen werden sollen.

Dass es für die Riederwälder auch in der nächsten Saison zu Partien gegen Mainz kommen wird, ist Union Berlin zu verdanken. Die 05er, vor dem letzten Saisonspiel noch mit zwei Punkten Vorsprung auf Bielefeld und Bochum Tabellenzweiter, vergeigen ihre Partie an der Alten Försterei mit 1:3, während die beiden Aufstiegskontrahenten gewinnen.

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