1. Startseite
  2. Frankfurt

100 Millionen Biontech-Impfdosen bis Jahresende in Frankfurt abgefüllt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Forst

Kommentare

Sterilität ist das A und O: Ein Mitarbeiter führt die Impfstofflösung der Isolatoranlage zur Abfüllung zu. FOTO: martin joppen
Sterilität ist das A und O: Ein Mitarbeiter führt die Impfstofflösung der Isolatoranlage zur Abfüllung zu. © Martin Joppen

Im Industriepark Höchst greift der Pharmakonzern Sanofi dem Konkurrenten Biontech unter die Arme und füllt den Corona-Impfstoff ab.

Dieser Schulterschluss mehrerer Pharma-Riesen machte Anfang des Jahres Schlagzeilen: Der französische Pharmakonzern Sanofi ließ verlauten, an seinem Standort im Industriepark Höchst 125 Millionen Impfdosen für seine Konkurrenten Biontech und Pfizer abzufüllen, um diese bei der Herstellung ihres Corona-Impfstoffes zu entlasten. Nachdem die Anlagen in Höchst umgerüstet wurden, startete die Abfüllung planmäßig im Juli und läuft "seither auf Hochtouren", wie Sanofi-Sprecher Stefan Dietrich auf Anfrage dieser Zeitung bekannt gibt.

"Bis Ende des Jahres werden wir über 100 Millionen Dosen abgefüllt haben", erklärt er. Außerdem teilte er mit, dass die Kooperation bei der Abfüllung 2022 weitergehen wird, nachdem alle 125 Millionen Dosen des mRNA-basierten Impfstoffs abgefüllt und an Biontech geliefert worden sind. Details über Art und Umfang der künftigen Zusammenarbeit nannte Dietrich nicht. Bei Bekanntgabe der Kooperation hatten die Unternehmen erklärt, der Impfstoff, der die Produktionsanlagen im Industriepark verlässt, ginge in "Länder der Europäischen Union". Biontech machte gestern auf Anfrage keine näheren Angaben dazu.

Die Nähe zu Mainz war ein Faktor

Generaldirektor Paul Hudson hatte im Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" von den hohen Ansprüchen gesprochen, die das Abfüllen des Impfstoffes erfordere, wie eine sterile Umgebung und sehr niedrige Temperaturen. Der Standort im Höchster Industriepark erfülle die Voraussetzungen und sei auch durch die Nähe zum Biontech-Hauptsitz in Mainz die richtige Wahl.

Auch die Erfahrung als Produzent und Abfüller von Insulin hatte laut Hudson für den Industriepark gesprochen. Die bestehenden Anlagen ließen sich allerdings nicht einfach übernehmen, wie Sanofi-Sprecher Dietrich erklärte: So werde das Insulin im Industriepark in Zehn-Milliliter-Flaschen abgefüllt, das Vakzin von Biontech und Pfizer hingegen in kleineren Zwei-Milliliter-Flaschen. Daher musste nach Dietrichs Worten die gesamte Prozesskette - vom sogenannten "Pooling", der Zusammenführung der Impfstofflösung, über die Abfüllung, Inspektion und Verpackung, mit neuen Formatteilen ausgerüstet werden.

Größte Sorgfalt und Genauigkeit seien bei der Abfüllung vonnöten: So wurden die Anlagen, wie für alle Produktionsvorgänge üblich, vor der Inbetriebnahme getestet und qualifiziert. Anschließend wurde der Gesamtprozess überprüft, indem einige Chargen probeweise hergestellt und genauestens untersucht wurden. Die Produktion wurde erst dann freigegeben, nachdem "alle Ergebnisse den strengen Anforderungen an einen pharmazeutischen Prozess genügen". Erst damit sei eine sichere Produktion sichergestellt. Insgesamt 160 Mitarbeiter sind nach Dietrichs Angaben mit dem Projekt und der Produktion beschäftigt. Verantwortlich dafür ist Clemens Dietrich, Leiter der Hochleistungs-Isolatorabfüllanlage.

Sterile Gläser sind ein Muss

Doch wie genau funktioniert der Abfüllprozess? Über ein Band und einen Drehteller laufen die kleinen Fläschchen zunächst in die Reinigungsmaschine. Hier werden sie gespült mit sogenanntem "Water for Injection" - speziell gereinigtem Wasser, das kaum Fremdstoffe enthält und in der Pharmabranche als Inhaltsstoff in Medikamenten oder eben für die Reinigung von Anlagen oder Verpackungen genutzt wird.

"Dann werden die Flaschen mit Luft ausgeblasen und gehen über ein Förderband in einen Tunnel, in dem das Glas sterilisiert wird", erklärt Clemens Dietrich den nächsten Schritt. Anschließend geht's zum Herzen der Anlage, "wo die eigentliche Abfüllung passiert". Hier werden die kleinen Fläschchen mit einer winzigen Menge des Vakzins, 0,45 Milliliter, befüllt. "Mit einem einzigen Füllschub können wir 18 Flaschen befüllen", sagt Dietrich. Am Ende der Isolatorlinie schließlich kommen die abgefüllten Injektionsfläschchen raus, werden in eine Sammel-Box gesetzt und gehen in die Kontrolle. Ein Mitarbeiter untersucht die Flaschen vor ihrer Versendung genau darauf, ob sie den richtigen Füllinhalt haben, das Glas keinen Defekt hat und die Kappe richtig sitzt. Michael Forst

Auch interessant

Kommentare