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1000 Kreppel für die oft Vergessenen

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Von: Sabine Schramek

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Kreppel als Spende an die Obdachlosen, die Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein soziale Heimstätten entgegen nimmt. FOTO: hamerski
Kreppel als Spende an die Obdachlosen, die Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein soziale Heimstätten entgegen nimmt. © hamerski

- Obdachlose und Helfer bedacht

Die Augen in der Obdachlosenunterkunft im Ostpark waren am Donnerstagmorgen riesengroß. Frisch gebackene Kreppel haben nicht nur hier Freude gemacht, sondern gleich doppelt geholfen. Die Aktion soll in Zukunft jedes Jahr stattfinden mit einer Art Firmenmarathon und dem Lions Club.

Etwa 170 Männer und Frauen, die obdachlos sind und in den Zweibettzimmern in der Obdachlosenunterkunft am Ostpark übernachten oder wohnen und rund 60 Mitarbeiter vom Frankfurter Verein erlebten am frühen Morgen der Altweiberfastnacht eine süße Kreppel-Überraschung. Aus den Kofferräumen ihrer Autos luden zwei Unternehmer Unmengen Kartons voller nachts frisch gebackenem Fastnachtsgebäck aus, um ein Zeichen zu setzen für die, die in der Pandemie oft vergessen wurden: Bedürftige und Betreuungskräfte, deren Arbeit meist unsichtbar bleibt.

Ein Zeichen gesetzt

Oliver Bock, der Geschäftsinhaber der Unternehmensbetreuung Goldbock aus Alsbach-Hähnlein und Martin Peter Ulbricht, CEO des Ingenieur- und Beratungsunternehmen für Telekommunikations- und Systemtechnik und IT-Prozesse hatten zuvor im Schloß Café Kreuth in Usingen insgesamt 1000 Kreppel geholt. "Das setzt gleich doppelt ein Zeichen", so Bock. "Wir kaufen die Kreppel vom Lions Club. Die Hälfte des Erlöses fließt wieder in ein soziales Jugendprojekt", erklärt er Heiko Ewald, vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der auch die Obdachlosenunterkunft am Ostpark betreut.

Vollgepackt mit Kreppelboxen geht es über eine Treppe hinauf in einen großen Raum, in dem die Kreppel einzeln in weiße Tüten verpackt werden. "Wegen Corona können wir kein Gemeinschaftserlebnis daraus machen, aber jeder, der hier ist, findet heute seinen Kreppel auf dem Kopfkissen", verspricht Ewald. Das gilt für Menschen, die nur über Nacht hier sind ebenso wie für die, die Tage, Wochen oder Monate in dem Bau im Park oder in den Containern etwas weiter weg leben. "Momentan erweitern wir und im Sommer werden wir weitere 35 Plätze mit kleinem Bad und ein Bewohnercafé und Duschen haben", so Ewald. Ein Teil des Neubaus ist in Kooperation mit dem Vereinsheim Olympia 07 und auch der Kiosk wird wiederkommen. Es setzt auf Autonomie der Bewohner, von denen ein Drittel Frauen sind. "Jeder hat einen Schlüssel, die kleinen Zimmer haben einen Kühlschrank. Auch Tiere sind erlaubt. So gibt es die Möglichkeit für Rückzug und Selbstverantwortung."

Dickes Lob für schöne Geste

Ursprünglich wollten die Unternehmer einen Teil der Kreppel der Frankfurter Polizei spenden, weil auch sie in der Pandemie stark belastet ist. "Das ist eine sehr schöne Geste", sagt Sprecher Thomas Hollerbach. "Aber es gibt Menschen, die die Coronakrise noch viel härter trifft." Deshalb habe die Polizei den Kontakt zum Frankfurter Verein für soziale Heimstätten hergestellt. Ewald freut sich darüber, dass alle Bewohner und Mitarbeiter bedacht werden. "Es gibt oft Anfragen von Firmen, die helfen wollen. Traditionell feiern wir gemeinsam mit Frankfurt Universe an jeden November Thanksgiving. Mit Cheerleadern und Truthahn", erzählt er. Wegen Corona sei die letzten beiden Male das große gemeinsame Treffen nicht möglich gewesen, aber Truthahn für alle sei dennoch mit Einzelportionen möglich gemacht worden. "Über die Kreppel freuen sich jetzt auch alle", ist er sicher. Die Unternehmer lassen 400 Kreppel in der Obdachlosenunterkunft ziehen weiter. Zum Nachtcafé M47 in der Moselstraße, das Drogenabhängigen einen Rückzugsort und eine Alternative zur Straße bietet und ebenfalls vom Frankfurter Verein getragen wird.

Insgesamt acht soziale Einrichtungen für Bedürftige bekommen Kreppel. Die Frankfurter Tafel, Obdachlosenheime und Frauenhäuser sind dabei. "Wir machen das in diesem Jahr zum ersten Mal in Frankfurt", so Bock. "Wir wollen nächstes Jahr noch mehr Firmen ins Boot holen."

SABINE SCHRAMEK

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