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Uwe Kröger vor der Alten Oper.

Stadtgeflüster

1000 Mal spielte Uwe Kröger den Tod

Enges Shirt, ein Tuch lässig um den Hals gebunden. Kurz zuvor saß Musical-Star Uwe Kröger noch im Flieger aus Barcelona.

Enges Shirt, ein Tuch lässig um den Hals gebunden. Kurz zuvor saß Musical-Star Uwe Kröger noch im Flieger aus Barcelona. Der durchtrainierte 52-Jährige gibt sich unprätentiös beim Stopp in Frankfurt – er ist im Moment auf großer Promo-Tour durch Deutschland. Am 25. Januar wird er mit seiner langjährigen Bühnen-Partnerin Pia Douwes in der Alten Oper im Rampenlicht stehen, Anlass ist eine Art „Silberhochzeit“.

„25 Jahre seit Elisabeth“, heißt das Jubiläumsprogramm, in dem das deutsch-niederländische „Traumpaar“ die Hits seiner Karrieren und Backstage-Geschichten präsentiert. Roter Faden sind Lieder aus dem deutschen Musical „Elisabeth“, in dem Kröger „wohl mehr als tausend Mal“, wie er schätzt, als die Personifikation des Todes auftrat. „Die Uraufführung seinerzeit in Wien war der große Durchbruch für Pia und mich. Alles was dann kam, die vielen Touren, hat uns beruflich wie menschlich geprägt und auch zusammengeschweißt. Wortloses Verstehen, das Verschmelzen auf der Bühne, davon träumt man als Künstler“, blickt der gebürtige Westfale zurück.

Wenn er plaudert, mit viel Wienerischer Melodie, ist er frei von Pathos, und er spricht offen über sein laufendes Sanierungsverfahren, dem der Schritt in die Privatinsolvenz vorausgegangen war. „Da kamen verschiedene unglückliche Umstände zusammen. Engpässe sind im Künstlerberuf schnell passiert, etwa wenn Konzerte und Produktionen kurzfristig abgesagt werden. Das Sanierungsverfahren ist mir wichtig, ich möchte meinen Gläubigern etwas zurückgeben“, erklärt er.

Vorwürfe, er habe auf zu großem Fuß gelebt, zu viel Party gemacht, weist Kröger zurück: „Ich hatte nie ein großes Auto oder ein Haus im Süden, ich war schlicht zu großzügig zu Freunden.“ Wer seine wahren Freunde sind, habe er in der Krise feststellen können.

Seit fast zwei Jahren lebt er in Barcelona mit einem Spanier zusammen, in der quirligen Metropole fühlt er sich zu Hause. „Eine wunderschöne Stadt, das europäische Los Angeles. Berge und Meer, dazu ein angenehmes Klima“, schwärmt er. An Frankfurt fasziniert ihn die Skyline. „Außerdem habe ich Freunde in der Stadt, nachher treffe ich Haarwerk-Friseurin Hatice Nizam , wir kennen uns seit dem Opernball 1996. Damals sang ich im Rhein-Main-Theater Niedernhausen in ,Sunset Boulevard’, und kam nach der Vorstellung zum Ball.“ Kaum auf dem Fest in der Alten Oper traf den Sänger Amors Pfeil, er verliebte sich in den Ballprinzen, den diese Zeitung seinerzeit erkor. Gemeinsam lebte das Paar viele Jahre in Wien. Die Liebe ging jedoch flöten, eine neue Liebe kam.

Den frischen Bund in Spanien besiegelte ein Lebensbaum, den sich Kröger auf das rechte Handgelenk tätowieren ließ. „Mein Partner hat sich den Baum auf den Finger stechen lassen. Ein schönes Bild, es steht für Kraft und Leben.“ Der Vollblut-Sänger kommt noch einmal auf den dunklen Gegenpol dieser Kraft zu sprechen – den „schönen“ Tod, welchen er auf der Bühne darstellt. „Jemandem wie Kaiserin Sissi, die so voll Todessehnsucht war, kann man nur schwer Lebensmut einhauchen“, ist Kröger überzeugt. Würde er aber die Kaiserin persönlich treffen, dank einer Zeitmaschine, wüsste er genau, um was er sie bittet: „Ich frage sie, ob wir eine Melange trinken.“

(fai)

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