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Juhu: Über schwarze Plastikrutschen geht?s hinab ins kühle Nass.

Guter Zweck

12.000 Frauen nehmen am Muddy Angel Run in Frankfurt teil

Es ist ein schmutziger Spaß für einen guten Zweck: Zum zweiten Mal galt es am Wochenende, beim „Muddy Angels Run“ an der Commerzbank-Arena so manch glitschiges Hindernis zu überwinden. Ein Euro pro Teilnehmerin geht an den Verein Brustkrebs Deutschland.

Mit dem ganzen Körper stürzen sich die „Muddy Angels“ (Matsch-Engel) hinein in ein Schlammbecken und robben auf dem Bauch oder auf Knien und Ellbogen unter pinkfarbenen Fahnenbändchen durch. Die Frauen kreischen, stöhnen, lachen laut und ausgelassen, während ihnen der Matsch ins Gesicht spritzt. „Ist das cool hier!“, ruft Tanja von den „Muddy Rambo Fighters“ und streckt die Arme hoch, als sie aus dem Becken kommt.

Klatschnass und verschlammt laufen sie über einen Lehmhügel, rutschen aus, fallen, purzeln übereinander, quieken vor Vergnügen und helfen sich gegenseitig wieder auf die Beine. Oft vergeblich, der Lehm ist viel zu glitschig. Sie sehen es sportlich. Eine junge Frau reibt den Matsch gleichmäßig in ihre Haut ein. „Das hilft gegen Sonnenbrand“. sagt sie lachend und ruft: „Ein bisschen Dreck hat noch niemandem geschadet!“, bevor sie weiterrennt.

Die rund 12 000 Frauen tragen pinkfarbene Strümpfe, Leggings, Shorts, T-Shirts, viele auch Tüll- oder Baströckchen, Einhornmützen oder Federkränzchen auf dem Kopf und stellen sich dem zweiten Frankfurter „Muddy Angels Run“, was so viel heißt, wie Matsch-Engel-Lauf, an der Commerzbank-Arena.

Die Strecke, die aus 15 Hindernissen zum Klettern, Rutschen, Robben und Tauchen besteht, führt rund fünf Kilometer weit durch den Wald rund um das Stadion und gilt als größter Hindernislauf nur für Frauen. Der Schlammlauf in Frankfurt ist Auftakt für insgesamt neun „Muddy Angels Runs“ in Deutschland. „Im letzten Jahr hatten wir 7000 Teilnehmerinnen, jetzt haben wir auf zwei Tage verlängert und es sind 12 000“, freut sich Caro Tonn vom Veranstalterteam. Zwischen 29 und 49 Euro kostet die Teilnahme, je 1 Euro kommt dem Verein Brustkrebs Deutschland zugute. Außer Spaß hat der Lauf, bei dem es nicht um Siegen, sondern um Mitmachen geht, also auch einen ernsten Hintergrund. Er soll Brustkrebs den Kampf ansagen. „Krebs kämpft dreckig – das können wir auch“, rufen Teilnehmerinnen und klettern in ein großes Becken, in das ununterbrochen dicker Schaum gepustet wird. Abspülen müssen sie ihn in einem Tauchbecken, dessen Wasser braun und schaumig ist.

Freundinnen und Kolleginnen haben sich zu Teams zusammengeschlossen und zeigen auf ihren T-Shirts Schlamm-Namen wie „Muddy Chicks“, „Muddy for Mommy“, „Tussie Power“, „Muddy Sisters“ oder „Mud Mädsche“. Auch ein Team von der Gewerkschaft der Polizei Hessen matscht mit. Nicht alle hangeln sich so gut durchtrainiert wie diese an Gitternetzen im Wasser entlang oder über Kletterwände – doch Spaß macht es trotzdem allen. Die Teams vermischen sich zwischendurch und die „Hightown Muddies“ machen auch für die „Las Chicas del Fango“ mal eine Räuberleiter an der Netzpyramide. „Bei uns im Team sind wir international“, sagt die „Prinzhessin“ Tine (23). „Aus Goldstein, Brasilien, Kuba und Paderborn. Es macht tierisch Spaß und der gute Zweck gegen Brustkrebs motiviert. Der Schlamm schmeckt nicht gut, darum werden wir uns nachher mit Ebbelwei desinfizieren“, sagt sie und wischt sich Matsch aus dem Gesicht.

Eiskaltes Wasser schreckt nicht ab, sondern wird als Erfrischung gefeiert. Jubelnd rutschen die Frauen auf dem Bauch ins braun gefärbte Wasserbecken. Unter dem Motto „Ab geht’s 09“ treten Patricia (44), Lisa (60) und Renate (52) an. „Es ist so cool. Im normalen Leben machen wir das nicht. Im Schlamm fühlt sich alles bodenständig an. Als Mädchen durften wir nicht in den Dreck, aber jetzt toben wir uns aus. Das ist was anderes, als vor dem Computer zu sitzen“, sind sie sich einig. Auch Julia und Kimberley (27) sind vor Energie kaum zu bremsen. „Wir lieben Matsch. Der ist gut für die Haut und der Schmutztag macht einfach nur Spaß. Der Schlamm bleibt erst mal dran. Im Auto liegt eine Flasche Champagner, damit reinigen wir uns nachher von innen“, sagen sie lachend. Und planen, sich gleich nach dem Lauf für den „Muddy Angels Run“ im nächsten Jahr anzumelden.

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