Sozialbezirksvorsteherin Yvonne Geelhaar (71), die sich seit 20 Jahren um die Bewohner des Gutleutviertels kümmert, bekam die Römerplakette in Gold. FOTO: Leonhard Hamerski
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Sozialbezirksvorsteherin Yvonne Geelhaar (71), die sich seit 20 Jahren um die Bewohner des Gutleutviertels kümmert, bekam die Römerplakette in Gold.

Ehrenamt

132 Frankfurter ausgezeichnet: Sie haben die Welt besser gemacht

  • VonBrigitte Degelmann
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In der Paulskirche wurden 132 Frankfurter für ihre ehrenamtliche Arbeit mit der Römerplakette ausgezeichnet.

Frankfurt -Einmal mit einem knallroten Feuerwehrwagen durch die Straßen flitzen, mit einem Wasserschlauch auf ein brennendes Gebäude zielen - davon träumen manche Kinder. Nicht so Markus Müller aus Schwanheim. Mit der Feuerwehr habe er früher nicht viel am Hut gehabt, sagt der 33-Jährige: "Ich wusste, dass es sie gibt, aber ich wusste nicht, was sie alles macht." Bis er vor 15 Jahren bei der Aufstellung des Kerbebaums in Schwanheim mithalf - eine Aktion, die dort traditionell von der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wird. Und beeindruckt war von der Kameradschaft unter den Aktiven. "Mensch, komm doch am Montag mal bei uns vorbei", lud ihn eine Feuerwehrfrau ein. Doch Müller zögerte: "Nee, ich glaub' nicht, dass das was für mich ist." Aber die junge Frau gab nicht auf: "Du traust dich nur nicht." Damit, erinnert sich Markus Müller heute schmunzelnd, habe sie ihn bei seiner Ehre gepackt. Prompt machte er sich am darauffolgenden Montag auf den Weg zur Schwanheimer Wehr - und blieb dabei.

22 Frankfurter Plaketten in Gold, 32 in Silber, 78 in Bronze

Für seine mittlerweile 15-jährige Tätigkeit bei der Feuerwehr nahm Markus Müller am Donnerstagabend in der Paulskirche eine besondere Würdigung in Empfang. Wie 131 weitere Ehrenamtliche wurde er mit der Römerplakette ausgezeichnet. In Müllers Fall ist sie aus Silber, ebenso bei 31 anderen Aktiven. 22 erhielten die Römerplakette in Gold für 20-jähriges Engagement, 78 diejenige in Bronze (zehn Jahre). Nicht nur Feuerwehrleute wie Markus Müller waren unter den Geehrten, sondern auch Stadtverordnete, Kinderbeauftragte oder Mitglieder von Ortsbeiräten.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie beschränkte sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) darauf, die Auszeichnung drei der Geehrten persönlich auszuhändigen, stellvertretend für die übrigen. Etwa Sozialbezirksvorsteherin Yvonne Geelhaar (71), die sich seit 20 Jahren um die Bewohner des Gutleutviertels kümmert. In einer kleinen Gesprächsrunde, moderiert vom SPD-Stadtverordneten Thomas Bäppler-Wolf, erzählte die frühere Sozialarbeiterin von den Anfängen ihres Engagements. Wie sie mit einem Freund immer wieder über Politik diskutierte und darüber schimpfte, was ihr alles nicht gefiel. Und wie sich beide irgendwann dazu entschlossen, etwas zu ändern, nach dem Motto: "Jetzt müssen wir mal raus aus der Mecker-Ecke." Zunächst kandidierte Yvonne Geelhaar, die in München aufwuchs und seit gut 40 Jahren in Frankfurt lebt, für den Ortsbeirat - und wurde prompt in das Gremium gewählt. Irgendjemand, erinnerte sie sich, habe sie dann dort angesprochen: "Hast du nicht Lust, Sozialpflegerin zu werden?" Nach anfänglichem Zögern stimmte sie zu. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Gerade die Gespräche mit älteren Menschen machten ihr viel Freude, sagte sie: "Das ist lebende Historie. Da habe ich auch viel über Frankfurt erfahren."

Er hat sich schon immer gerne für andere eingesetzt

Angesprochen und zum Mitmachen aufgefordert zu werden - so kam auch Yakup Ürün (41) zu seinem Engagement in der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV), für das er nun die Römerplakette in Bronze erhielt. Schon während seines Informatik-Studiums habe er sich gerne für andere eingesetzt, erzählte er in der Gesprächsrunde. Als die Einladung zur KAV kam, zögerte der gebürtige Frankfurter mit türkischen und kurdischen Wurzeln nicht lange. Was viele nicht wissen dürften: Auch Menschen mit deutschem Pass wie Yakup Ürün können in dem 37-köpfigen Gremium tätig werden, das sich unter anderem für ein friedliches Miteinander von Deutschen und Migranten engagiert. Dass es dort nie langweilig werde, dafür sorge schon das breite Themenspektrum, mit dem man dort befasst sei, sagte er. Mal geht es um Schule, mal um den Umbau einer Kreuzung, mal um Integration: "Letztlich sind wir nicht nur Vertreter für Ausländer, sondern für alle Frankfurter."

Ürün und die 131 weiteren Ehrenamtlichen, die die Römerplakette erhielten, hätten "die Welt besser gemacht", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Sie stünden für die Solidarität in der Gesellschaft.

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