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Der Schriftzug "Polizei" steht auf einem Polizeiwagen. Foto: Markus Künzel

Unfall

14-Jährige schwer verletzt: Busfahrer muss Bußgeld zahlen

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Schwerer Unfall auf dem Alleenring im November vergangenen Jahres, mitten im Berufsverkehr. Ein Linienbus überholt eine 14-Jährige auf dem Fahrrad. Das Mädchen kommt ins Straucheln, gerät unter den Bus und wird schwer verletzt. Gestern verhandelte das Amtsgericht gegen den Busfahrer. Ergebnis: Der 47-Jährige muss 800 Euro Geldbuße zahlen.

Durch den Radfahrerstreifen an der Adickes- und Nibelungenallee fühlte sich der erfahrene Linienbusfahrer in Sicherheit. Weil er deutlich links neben der weißen Markierung zum Überholen der Radfahrerin ansetzte, dachte er sich nichts Böses. Irgendetwas aber muss das Mädchen dann doch irritiert haben. War es der plötzlich hinter ihr auftauchende Bus – ein „großes Ungetüm“, wie es die Amtsrichterin formulierte – oder erschreckte sie aus anderem Grund. Jedenfalls fiel die 14-Jährige zu Boden und wurde von dem Bus praktisch noch ein Stück überrollt. Besonders der linke Unterschenkel wurde schwer geschädigt. Das Mädchen musste längere Zeit stationär in die Klinik und wurde dort innerhalb der nächsten Monate vier Mal operiert – zwischendurch waren Komplikationen aufgetreten, es bestand auch das Risiko einer Beinamputation.

Alles in allem machte die Zeugin gestern aber einen recht guten und gefassten Eindruck – auch wenn sie der schwere Unfall ein ganzes Schuljahr gekostet hat.

Dem Busfahrer auf der Anklagebank sah man an, wie sehr ihm der Unfall nahegegangen ist. Über Jahrzehnte bereits mit Bussen und dem städtischen Straßenverkehr vertraut, hatte er sich bislang noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Gleichwohl tat er sich schwer, Schuld an dem Missgeschick des Mädchens einzuräumen. Es war der weiße Trennstreifen zwischen der rechten Autofahrspur und dem Fahrradstreifen, der den Gedanken an den gebotenen Sicherheitsabstand wohl in den Hintergrund treten ließ. Eineinhalb bis zwei Meter müsse man je nach Situation rechnen, belehrte ihn die Amtsrichterin, egal ob mit oder ohne Fahrbahnmarkierung. Gerade bei jugendlichen und deshalb im Umgang mit dem Rad noch weniger erfahrenen Verkehrsteilnehmern müssten stets plötzliche Irritationen und Aussetzer einkalkuliert werden.

Staatsanwaltschaft und Gericht waren sich einig darüber, dass die Schuld des Fahrers trotz der schlimmen Folgen eher am unteren Rand der Strafbarkeit anzusiedeln seien. Die Geldstrafe von 3200 Euro (80 Tagessätze) muss der Angeklagte also nicht zahlen, sollte er der Geldauflage von 800 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zum Täter-Opfer-Ausgleich nachkommen.

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