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140 Tonnen Brücke schweben über die Nidda

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Vereinzelte Anwohner schauen zu, wie der 70 Tonnen schwere Längsträger der neuen Brücke über der Nidda gedreht wird.
Vereinzelte Anwohner schauen zu, wie der 70 Tonnen schwere Längsträger der neuen Brücke über der Nidda gedreht wird. © rüffer

Zwei Kräne hoben die Betonfundamente der neuen Überquerung zwischen Hausener Obergasse und dem Hausener Weg in ihre Position.

frankfurt -Hinter der Absperrung am Hausener Weg hören Fußgänger den Kranfahrer schimpfen. Wortfetzen wie „Lebensgefahr“, „die Menschen laufen ohne Rücksicht umher“, oder „alle ignorieren die Absperrung“ klingen ungewollt bis zu den Passanten. Denn was sich da gestern Morgen tut, ist schwergewichtig. Zwei riesige Autokräne schweben millimetergenau die Träger für den Brückenschlag über die Nidda ein. Die Straße soll ab Frühjahr 2023 wieder die Hausener Obergasse und den Hausener Weg verbinden.

30 Meter lang und 70 Tonnen schwer

Radfahrer und Fußgänger staunen, als der 30 Meter lange und 70 Tonnen schwere Brückenträger über der Nidda hängt. „Ich war heute morgen ein bisschen angespannt. Das hat sich jetzt aber gelegt“, sagt Projektleiter Markus Wittmann vom Amt für Straßenbau und Erschließung. In Hausen wurde vor über 100 Jahren zum letzten Mal eine Brücke gebaut.

Schon in der Nacht vorher beginnt die Arbeit: Zwei Tieflader bringen die gewichtige Fracht aus Fulda nach Frankfurt. In der Hausener Straße angekommen, werden die Träger mit Seilen, die wie alte orangefarbene Feuerwehrschläuche aussehen, den sogenannten Schluppen, befestigt. „Wir haben uns für die Schluppen entschieden, da sie schonend für den Beton der Träger sind. Ketten würden alles kaputtmachen“, erklärt der Projektleiter.

Die Arbeiter müssen selbst ziehen

Bevor der erste Träger eingesetzt werden kann, muss er gedreht werden. Langsam hebt der Kran das 70 Tonnen schwere Betonteil hoch. Vorne und hinten sind zwei einfache Seile befestigt, an denen die Arbeiter nun mit aller Kraft ziehen. Stück für Stück dreht sich der Träger um seine Achse. Kurz bevor es geschafft ist, ist eine Baumkrone im Weg. „Wir können den Träger aber nur in dieser Position drehen. Sonst kippt der Kran um.“ Deswegen gebe es für das endgültige Einsetzen zwei Kräne. Mit ihrem ganzen Gewicht schaffen es die Arbeiter an der Baumkrone vorbei.

Zum Ärger vieler Fußgänger ist die Fußgängerbrücke direkt neben der Baustelle während der Arbeiten wegen Lebensgefahr gesperrt. Die meisten akzeptieren es und suchen sich einen anderen Weg. Vereinzelt regen sich Fußgänger auf und missachten die Absperrung. Weit kommen sie aber nicht. Nach paar Metern schickt ein Arbeiter in einer orangenen Weste sie zurück.

Arbeiten begannen viel zu spät

Einige Passanten kritisieren auch den langwierigen Bau der Brücke. Denn eigentlich sollte sie schon im Sommer des vergangenen Jahres fertig sein. Dieser Plan ging nicht auf. Im Gegenteil: Die Arbeiten haben erst im August 2021 begonnen. Die Brücke aus dem Jahr 1928 wurde wegen ihres schlechten Zustandes gesperrt. Als Ersatz richtete die Stadt eine provisorische Fußgängerbrücke ein. Bis die neue Brücke dem Verkehr übergeben wird, bleibt das Provisorium erhalten und wird danach abgerissen. Die neue Brücke wird insgesamt zehn Meter breit sein. Die Einbahnstraße bleibt erhalten, weshalb es eine vier Meter breite Spur für Autos geben wird , die rechts und links von jeweils zwei Meter breiten Fuß- und Radwegen flankiert wird.

Nachdem auch am Kran am gegenüberliegenden Ufer Schluppen befestigt wurden, heißt es für Fußgänger und Radfahrer erstmal wieder warten. Der Motor der Kräne ertönt, sie beginnen mit dem sogenannten Tandemhub an.

Das Einsetzen ist Millimeterarbeit

„Die Kommunikation ist bei zwei Kränen enorm wichtig. Am liebsten hätten wir nur einen Kran benutzt“, sagt Wittmann. Das sei aber nicht möglich gewesen, da die Straße für einen größeren Kran zu eng ist. Dirigiert von einem Arbeiter schwebt der Träger langsam an seinen vorgesehenen Platz. Kurz vor dem Boden ziehen und schieben die Arbeiter mit. Jeweils fünf kümmern sich um den Träger, einer misst. Die letzte Präzision liefert eine Brechstange, mit der der Träger in die richtige Position gehievt wird. „Würden wir nur mit Beton arbeiten, wäre es eine Zentimeterarbeit und keine Millimeterarbeit“, sagt Wittmann. Der Stahl, der später zur Querverbindung zwischen den Trägern benutzt werden wird, erlaube aber keine große Ungenauigkeit.

Nach drei Stunden, um 11.16 Uhr, ist es geschafft. Einer von zwei Trägern ist befestigt. „Jetzt machen wir erst mal Mittagspause“, sagt Wittmann zufrieden. „Später ist der zweite dran.“ Er schätzt, dass der zweite Träger etwas schneller in der Vorrichtung liegen wird. Denn nun sei das Team ja eingespielt.

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