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Dieser rote Kasten am U-Bahngleis kann Leben retten

S-Bahn-Stationen

Notsignalschalter: Tod des 17-jährigen Retters hätte womöglich verhindert werden können

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Nach dem tragischen Unfalltod eines 17-Jährigen in der S-Bahn-Station Ostendstraße werden Rufe nach Konsequenzen laut. Bahn-Gewerkschafter und Verkehrspolitiker fordern Signalschalter für Notbremsungen. Die VGF hat sie in ihren U-Bahn-Stationen. Die Deutsche Bahn sieht keinen Bedarf.

Rote Kästen hängen in allen unterirdischen U-Bahnhöfen der Stadt gut sichtbar am Gleis. „Zum Anhalten des Zuges bei Gefahr Griff ziehen!“, steht darauf. Wenn einer dieser Notsignalschalter betätigt wird, springen sofort alle Ein- und Ausfahrtsignale auf Rot. U-Bahn-Fahrer, die sich der Station nähern, müssen bremsen. Überfahren sie ein Signal, wird ihr Zug automatisch per Zwangsbremsung gestoppt.

In den Stationen de Frankfurter S-Bahn fehlt ein solches Sicherheitssystem. Dies stößt nun auf Kritik. Denn am Dienstagnachmittag wurde im S-Bahnhof Ostendstraße ein 17-Jähriger überrollt. Er starb, weil er einem aufs Gleis gefallenen betrunkenen Obdachlosen retten wollte.Gäbe es in dieser unterirdischen S-Bahn-Station Notsignalschalter wie bei der Frankfurter U-Bahn, wäre der mutige junge Mann womöglich noch am Leben. „Die Deutsche Bahn (DB) sollte unbedingt nachrüsten“, forderte Matin Daum, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Römer-Fraktion, nach dem tödlichen Unglück. „Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb es nur in den städtischen U-Bahn-Stationen Notfallsignalschalter gibt, aber nicht in den S-Bahn-Stationen der DB.“

Ein Sprecher des Bahnkonzerns sagte: „S- und U-Bahn kann man nicht miteinander vergleichen, das sind zwei vollkommen unterschiedliche Systeme.“ Fahrgäste könnten über die Notrufsäulen auf den Bahnsteigen die Sicherheitszentrale alarmieren. „Dort wird dann per Funk die Notbremsung eingeleitet“, so der Bahnsprecher. Ob dies beim Unglücksfall in der Station Ostendstraße geschehen sei, könne er nicht sagen. „Das sind laufende Ermittlungen, dazu äußern wir uns nicht.“

Unverständnis bei der EVG

Bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stößt diese Erklärung auf Unverständnis. „In solchen Fällen geht es um Sekunden. Bis die Zentrale über die Notrufsäulen informiert wird und dann darauf reagiert, kann es für die Personen im Gleis schon zu spät sein“, sagte Alexander Beichel, Leiter der EVG-Geschäftsstelle Frankfurt. Er hält es für geboten, über technische Verbesserungen nachzudenken. Die U-Bahn-Notsignalschalter der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) bezeichnete Beichel als vorbildlich. „Wenn die VGF so etwas schafft, müsste auch die Deutsche Bahn eine Lösung finden“, so der Gewerkschafter.

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) äußerte sich zurückhaltender. „Für die Sicherheitsvorkehrungen im S-Bahn-Betrieb ist die Deutsche Bahn zuständig. Da möchte ich niemandem hereinreden“, sagte er. „Aber ich kann unsere eigenen Maßnahmen loben: Wir schwören auf unser System.“ Die Notsignalschalter der VGF hätten sich bewährt. „Wenn jemand aufs Gleis fällt oder torkelt, ziehen Sie daran, bevor der nächste Zug kommt.“ Der Person könne dann in aller Ruhe geholfen werden. Er rate dringend davon ab, jemandem zu helfen, bevor die Signale auf Rot gestellt sind, sagte Oesterling.

Notfalltelefone entfernt 

In der S-Bahn-Station Ostendstraße, wo sich der tödliche Unfall ereignet hatte, gibt es offenbar noch nicht einmal eine Notrufeinrichtung. Nach einer Sanierung vor rund zwei Jahren seien dort die Notruftelefone abgebaut worden, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Zwar seien noch Schilder mit der Aufschrift „SOS-Notruf“ zu sehen, doch an der Wand nur noch Umrissspuren.

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