Rüdiger Fach macht noch schnell ein Foto von der KDL 11 Franco-Belge. Sie fährt künftig auf der Steyertalbahn. Das Geld aus dem Verkauf soll dem Frankfurter Feldbahnmuseum helfen, künftige Mehrausgaben zumindest etwas kompensieren zu können. FOTO: Leonhard hamerski
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Rüdiger Fach macht noch schnell ein Foto von der KDL 11 Franco-Belge. Sie fährt künftig auf der Steyertalbahn. Das Geld aus dem Verkauf soll dem Frankfurter Feldbahnmuseum helfen, künftige Mehrausgaben zumindest etwas kompensieren zu können.

Bockenheim: Frankfurter Feldbahn

18,5 Tonnen Lok hängen hier am Haken

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Verein braucht Geld, weil der Erbpachtzins für das Museumsgelände teurer wird

Die Heeresfeldbahn KDL 11 Franco-Belge mit ihren 18,5 Tonnen Gewicht ist für den Kranwagen ein Klacks: Locker hebt er die 1944 in Belgien für die deutsche Wehrmacht produzierte Lokomotive auf den Tieflader, auf dem sie gestern Morgen für ihre Reise fest verzurrt wurde. Vom Frankfurter Feldbahnmuseum aus geht es nach Österreich. Ein Privatmann hat die Lok erworben. Nach der Restaurierung wird sie auf der Steyertalbahn fahren. Für wie viel Geld die Dampflok den Besitzer gewechselt hat, will Rüdiger Fach, Vorsitzender des Frankfurter Feldbahnmuseums nicht verraten. Er sagt nur: "Das Geld hilft uns, die zusätzlichen finanziellen Belastungen tragen zu können."

Mitglieder stimmen heute Abend ab

Die jedenfalls fallen demnächst beträchtlich aus. 15 000 Euro soll der jährliche Erbpachtzins für das Vereinsgelände Am Römerhof 15 f nach dem Willen der Stadt Frankfurt teurer werden. Im Gegenzug habe der Verein für die kommenden 50 Jahre aber Planungssicherheit, sagt Fach. Die 165 fördernden und 50 aktiven Mitglieder sollen heute in der Hauptversammlung (Beginn 18 Uhr) entscheiden, ob man den Konditionen für den neuen Erbpachtvertrag zustimmen soll. Der Vorsitzende geht aber davon aus, dass die bittere Pille wohl oder übel geschluckt wird. Dem Verein bleibe keine Wahl. "Einen Umzug für mehrere Millionen können wir uns gar nicht leisten."

Ein mögliches Aus für das Feldbahnmuseum war diskutiert worden, weil Am Römerhof ein neues Quartier mit mindestens 2000 Wohnungen entsteht. Dampfende Loks, die Lärm und Dreck verursachen, wären bei den direkten Nachbarn sicher nicht gut angekommen. Mittlerweile ist klar, dass unmittelbar neben dem Museumsgelände keine Wohnungen vorgesehen sind. Deshalb können die Feldbahner wohl bleiben - vorausgesetzt, auch die Stadtverordnetenversammlung stimmt dem neuen Erbpachtvertrag zu. Denn ganz sicher könnte das Gelände profitabel an den meistbietenden Investor veräußert werden.

Die Stadt schätze aber auch den kulturellen Wert des Feldbahnmuseums, das mit seinem Angebot ein billiges Freizeitvergnügen für Frankfurter und Eisenbahnfans darstelle, betont Rafael Wunderwald, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. Deshalb sei auch eine Aufstockung der städtischen Förderung für das Museum um jährlich 9000 Euro in Aussicht gestellt worden. "Trotzdem würden wir finanziell am Limit fahren", sagt Wunderwald. Um die Mehrkosten stemmen zu können, seien künftig bei den monatlichen Fahrtagen 2500 Besucher nötig.

Am 4. Juli ist endlich wieder Fahrtag

Wie viele Gäste es beim ersten Fahrtag seit Oktober vergangenen Jahres am 4. Juli sein werden, kann Wunderwald derzeit schlecht einschätzen. Auf Experimente will der Verein jedenfalls verzichten und bietet sein bewährtes Programm mit Rundfahrten durch den Rebstockpark und Führungen. Die auf 60 Quadratmeter neu konzipierte Ausstellung zur Geschichte und Bedeutung der Feldbahn wird dann aber noch nicht ganz fertig sein.

Die Schau ist im Moment aber die kleinste Baustelle für den Verein. Parkplätze müssten geschaffen, ein Spielplatz angelegt und die Toiletten erneuert werden. Und um künftig alle Fahrzeuge - 20 Dampflokomotiven und an die 200 Wagen - unterstellen zu können, soll ein Satteldach an Halle 3 angebaut werden. Mit 100 000 Euro Kosten wird kalkuliert. Zudem müsste das Dach der Halle 1 neu eingedeckt werden, sagt Wunderwald. Großes Kopfzerbrechen bereiten Fach die U-Bahn-Pläne. Die Linie 5 müsste bei Bebauung des Römerhof-Areals um eine Station verlängert werden. Wird diese in Höhe des Feldbahnmuseums platziert und auch noch die Straße verbreitert, müssten die Feldbahner ein Drittel ihrer Halle 1 abgeben. Das wäre eine Katastrophe. Doch so weit mag Fach derzeit noch nicht denken. "Jetzt tüten wir erst den Pachtvertrag ein, dann schauen wir weiter", sagt er. Matthias Bittner

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